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"Schwitzen statt Sitzen": Saarländer können Schulden jetzt abarbeiten

Dreimal haben unterschiedliche Gerichte in Deutschland Thomas M. (Name geändert) zu Geldstrafen verurteilt. Seine Vergehen: Diebstahl und Betrug. Kann der 31-Jährige nicht zahlen, muss er die Strafe hinter Gittern verbüßen. Doch das Gefängnis ist für den Saarländer der blanke Horror. Zu seiner Erleichterung gestattete ihm die Staatsanwaltschaft, die Summe abzuarbeiten. , das seit 1983 Geldstrafenschuldner an gemeinnützig arbeitende Einsatzstellen vermittelt und kontrolliert, ob die Arbeit geleistet wird.

Über 900 Kooperationspartner hat der Verein im ganzen Saarland, sodass die Schuldner möglichst wohnortnah eingesetzt werden können. Typische Einsatzstellen sind Werkstätten, im Gartenbereich, in der Haustechnik, in Küchen und Verwaltungen. „Wir achten darauf, dass Proband und Einsatzstelle zusammenpassen. Wir würden nie jemanden mit einem Drogendelikt in ein Jugendzentrum schicken“, betont die Geschäftsführerin des Vereins, Gisela Fechter. Für M. findet Projektvermittler Markus Baus eine Beschäftigung bei einem städtischen Bauhof. Hier soll er zunächst seine erste Strafe – 280 Arbeitsstunden – ableisten. Wie viele Stunden ein Verurteilter arbeiten muss, hängt von der Zahl der Tagessätze ab, die der Richter verhängt hat. „Ein Tagessatz entspricht sechs Arbeitsstunden“, erklärt Fechter. Ob jemand zu 50 oder 200 Euro Tagessatz verurteilt wurde, spiele keine Rolle.

770 neue Fälle hat der Verein im letzten Jahr bekommen, 611 davon sind Männer. Hinzu kommen etwa 300 Alt-Fälle aus dem Vorjahr. Die häufigsten Delikte sind Diebstahl, Betrug, Alkohol- oder Drogenmissbrauch, gefolgt von Körperverletzung und Schwarzfahren. 23,3 Prozent haben es 2012 es geschafft, ihre Geldstrafe abzuarbeiten. Weitere 32,5 Prozent haben einen Teil abgeleistet, von denen sich ein Teil dann doch für eine Ratenzahlung umentschieden hat. Darüber, wie viele Abbrecher in Haft gehen, liegen dem Verein keine Zahlen vor. Dass 44,2 Prozent die Arbeitsauflagen nicht erfüllt haben – auch weil sie nicht zur Arbeitsstelle erschienen sind – ist für Fechter und Baus kein allzu schlechter Wert. „Der Großteil unserer Probanden hat seit Jahren nicht gearbeitet, 69 Prozent beziehen Arbeitslosengeld II, viele haben zudem massive gesundheitliche und psychische Einschränkungen. Auch die Jobcenter stehen hier vor Problemen“, erklärt Markus Baus. Auch Thomas M. fällt es schwer, sich wieder an einen strukturierten Tagesablauf zu gewöhnen und pünktlich bei der Einsatzstelle zu erscheinen. „Er ließ keine Möglichkeit aus, sich der Sache zu entziehen und meldete sich oft krank“, erinnert sich Baus. Für die 280 Arbeitsstunden benötigte der junge Mann ohne Schulabschluss und Berufsausbildung über ein Jahr.

Insgesamt habe sich in den Jahren der Arbeitsaufwand erhöht und es dauere länger, bis die Stunden abgearbeitet seien. „Ein geschiedener Familienvater etwa, der Unterhaltsverpflichtungen hat, aber als Leiharbeiter nur wenig verdient, hat es unglaublich schwer, eine Geldstrafe abzustottern“, sagt Baus. Zunehmend schwierig wird es für den Verein, Einsatzstellen zu finden, die am Wochenende Arbeit bieten, damit auch Berufstätige ihre Schulden abarbeiten können.

„Gäbe es den Verein nicht, müsste die Justiz dieser Aufgabe selbst nachkommen“, erklärt der erste Vorsitzende Kai-Uwe Lohmann, der Richter am Landgericht ist. „Die Mitarbeiter leisten auch gute Arbeit in der Prävention.“ Da der Verein Landesaufgaben erfüllt, wird er auch durch Landesmittel finanziert, hinzu kommen Einnahmen aus Bußgeldern. Durch das Projekt „Schwitzen statt Sitzen“ spare das Land viel Geld.

So auch im Fall von Thomas M. „Durch die Arbeit hat er sich rund 100 Hafttage erspart. Pro Hafttag fallen Kosten zwischen 70 und 80 Euro an“, rechnet Gisela Fechter vor. Bei dem 31-Jährigen habe es irgendwann „Klick“ gemacht. Die nächsten 252 Arbeitsstunden erledigte er in nur zweieinhalb Monaten, die 50 Stunden für die dritte Straftat in knapp über einem Monat.

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