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Sebstmorddrohungen? Losheims Pfarrerin fristlos gekündigt

Batterien und ein Bündel Federn überreichte die evangelische Gemeinde Pfarrerin Birgit Henschel symbolisch zum Stellenantritt Anfang Februar dieses Jahres. Begleitet von euphorischen Wünschen: Auf das ihr nie die Energie ausgehe und die Arbeit in Wadern-Losheim leicht falle. „Mit dem Amt nicht vereinbar“ Geholfen hat die Geste offensichtlich nicht. Die Kirchenleitung kündigte Henschel nämlich im Juli überraschend und fristlos, wie jetzt bekannt wurde. Die konkreten Gründe liegen bislang im Dunkeln. In einem kürzlich veröffentlichten Pfarrbrief, der auf der Webseite der Gemeinde im Internet einsehbar ist, schreibt Vertretungspastor Jörg Rauber lediglich: Die 52-Jährige habe für „tiefgreifende Irritationen“ gesorgt, die „eine vertrauensvolle Zusammenarbeit für uns ausgeschlossen haben“.

Zudem spricht Rauber in seinem dreiseitigen Brief von Mobbing, Verleumdung sowie Selbstmorddrohungen. Damit habe Henschel auf die Information, dass keine Chance auf Übernahme für sie bestand, reagiert. Dem Pfarrbrief zufolge soll die aus dem Rheinland stammende Pfarrerin die Gemeindeleitung und mehrere Mitarbeiter in Folge massiv unter Druck gesetzt haben. Dies ist aus Raubers Sicht „in der geschehenen Form und vom Inhalt her mit dem Amt einer Pfarrerin“ nicht vereinbar. Daraufhin sei Henschel schließlich fristlos gekündigt worden. Die Pfarrerin drohte nach Raubers Darstellung dann zwei Mitarbeitern mit Suizid, wenn diese sich nicht bei der Kirchenleitung für ihre Übernahme einsetzen würden. Die Gemeindeleitung sei deshalb gezwungen gewesen, Polizei und Rettungskräfte einzuschalten: „Noch unter dem Eindruck eines Doppelselbstmordes in unserer Region sahen wir uns gezwungen, dieses Mittel zu ergreifen, um Frau Henschel selbst und die von ihr unter schlimmen Druck gesetzten Gemeindeglieder zu schützen“, heißt es im Pfarrbrief. Birgit Henschel wollte sich persönlich nicht zu den im Gemeindebrief geschilderten Vorwürfen äußern.

Ihr Rechtsanwalt, Sibrand Foerster aus Düsseldorf, nahm für Henschel im SZ-Interview ausführlich Stellung (siehe Interview). Pfarrer Rauber und das Leitungsteam der Gemeinde verweigerten auf SZ-Anfrage weitere Auskunft über die fristlose Kündigung. „Wir wollen Frau Henschel damit schützen. Sie soll nicht an den Pranger gestellt werden. Die Kirche hat eine Fürsorgepflicht gegenüber ihren Mitarbeitern“, sagte Rauber. Es gehe ihm mit dem Brief darum, für Transparenz zu sorgen und Gerüchte auszuräumen. In der Gemeinde habe Unverständnis darüber geherrscht, dass zunächst nur wenig über den Verbleib von Henschel öffentlich wurde. Auch Superintendent Christian Weyer, für den Kreis zuständig, nahm gegenüber der SZ nicht Stellung. Er verwies darauf, dass es sich um ein schwebendes Verfahren handele.

Weyer hatte eigenen Angaben zufolge den Fall als Kirchenaufsicht begleitet und gegenüber Henschel Anfang Juli die Kündigung ausgesprochen. Pfarrerin Henschel arbeitete nach einer einjährigen Berufspause seit Anfang Februar in der Gemeinde Wadern-Losheim. Sie sollte das pfarramtliche Team zunächst für ein Jahr unterstützen, um die entstandene Lücke nach dem Weggang von Pfarrer Thomas Tillmann zu schließen. Sie galt als aussichtsreiche Kandidatin für die Neubesetzung der hauptamtlichen Stelle. Zuvor hatte sie 21 Jahre lang die Gemeinde Aegidienberg in der Nähe von Bonn betreut. Nach Angaben des dort zuständigen Superintendenten Reinhardt Bartha gab sie ihre damalige Stelle wegen Problemen in der Gemeinde auf: „Sie hat die Stelle im Jahr 2011 im Einvernehmen mit der Kirchenleitung aufgegeben, um nach einem Neuanfang zu suchen“, sagte Bartha. Die Art der Probleme benannte Bartha aus personalrechtlichen Gründen nicht genauer.

Die Kirchengemeinde Wadern- Losheim sucht nun erneut nach einem hauptamtlichen Pfarrer. „Die Ausschreibungsfrist ist Ende September ausgelaufen. Wir haben jetzt zwei Bewerber von fünf, eine Frau und einen Mann, zu Gesprächen eingeladen“, erklärte Vertretungspfarrer Rauber. Sie predigen jeweils am zweiten und dritten Advent, 8. und 15 Dezember, auf Probe und unterrichten Komfirmanden. Pfarrer Rauber gibt sich bei beiden Kandidaten zuversichtlich: „Unser Eindruck ist, dass sie wirklich an unserer Gemeinde interessiert sind.“

 

„Vorwürfe sind schlicht nicht wahr“

Rechtsanwalt Sibrand Foerster nimmt zum Fall Birgit Henschel Stellung

 Pfarrerin Birgit Henschel wollte nicht persönlich Stellung zu ihrem Weggang aus der evangelischen Kirchengemeinde Wadern-Losheim nehmen. SZ-Redaktionsmitglied Kai Thomas sprach deshalb mit ihrem Rechtsanwalt, Sibrand Foerster aus Düsseldorf, über die im Gemeindebrief öffentlich gemachten Vorwürfe.

Herr Foerster, in seinem Pfarrbrief wirft Pastor Jürgen Rau- Frau Henschel Lüge, Verleumdung, Selbstmorddrohungen und Mobbing vor. Was halten sie davon?
Sibrand Foerster: Das solche Dinge in einem Gemeindebrief stehen ist unglaublich. Das hat auch niemand mit Frau Henschel kommuniziert. Herr Rauber, der während der gesamten Dienstzeit von Frau Henschel als Vakanzverwalter eingesetzt war, schreibt völlig falsche Dinge und stellt sie damit bloß.

Was ist dran an den Anschuldigungen?
Foerster: Die Vorwürfe, sie hätte Mitarbeiter unter Druck gesetzt und verleumdet, sind schlicht nicht wahr. Frau Henschel weiß selbst nicht, warum sie angeblich für Irritationen in der Gemeinde gesorgt hat. Aus meiner Sicht hat sie nach einiger Zeit lediglich die berechtigte Frage danach gestellt, wie es mit ihr weitergeht. Ihr Arbeitsverhältnis in Losheim war ja überhaupt nicht genauer geregelt. Es gab keine vertraglich festgelegte Probzeit. Ihre Anstellung lief unter einem Wartestandauftrag auf ein Jahr und ansonsten ohne Frist. Sie sollte alle wichtige Arbeit tun, sollte Gottesdienste und Amtshandlungen ausführen und fühlte sich verantwortlich, die Gemeinde richtig zu versorgen. Die Frage, wie es für sie weiter geht, wurde ihr aber nicht beantwortet.

Frau Henschel hatte laut Pfarrbrief bei Gemeindemitgliedern angekündigt, Suizid zu begehen, sollten diese sich nicht für sie bei der Kirchenleitung einsetzen. Stimmt das?
Foerster: Frau Henschel hat auch keine Selbstmorddrohungen ausgesprochen. Sie ist aber wegen solcher angeblichen Drohungen von Rettungskräften in die Psychatrie gebracht worden. Wer das angewiesen hat, wissen wir bis heute nicht.

Warum wurden dann Polizei und Rettungskräfte alarmiert?
Foerster: Aus unserer Sicht haben die für die Theologie Verantwortlichen Frau Henschel vom Feinsten gemobbt. Ich frage mich, wie die Kirche in dieser Form mit fähigen Leuten umgehen kann, obwohl überall händeringend nach guten Pfarrern gesucht wird. Frau Henschel hat während ihrer Zeit in Wadern bereits faktisch die gesamte Arbeit der Pfarrstelle übernommen, obwohl Herr Rauber als Pfarrstellenvertreter dort hauptverantwortlich eingesetzt war und dafür auch eine Bezahlung erhalten hat. Aus fachlicher Sicht hat sie dabei hervorragende Arbeit geleistet.

Wie geht es Frau Henschel derzeit?
Foerster: Ihr geht es den Umständen entsprechend gut und, sie ist weiterhin in der Lage als Pfarrerin zu arbeiten. Wir warten derzeit auf ein amtsärztliches Gutachten, in dem dies bestätigt werden wird, um damit ihren Ruf wieder offiziell herzustellen. Frau Henschel sah sich gezwungen, nach Stuttgart zu ziehen, weil sie plötzlich vor der Situation stand, jederzeit wieder von der Polizei abgeholt zu werden, ohne dass geklärt ist, wer das veranlasst. Dabei gab und gibt es keinerlei Grund von irgendeiner krankheitsbedingten Gefährdung bei ihr auszugehen.
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