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Seelsorger Internet

Saarbrücken. Wenn Menschen Sorgen haben und sich damit nicht an ihre Familie oder Freunde wenden möchten, kann die Seelsorge weiterhelfen. Doch wem es unangenehm ist, den direkten Kontakt zu einem Pfarrer oder Betreuer zu suchen, der kann auch anonym im Internet Hilfe suchen. Seit einigen Jahren schießen Internetseelsorge- Portale wie Pilze aus dem Boden. Allen voran stehen die Seelsorge-Angebote der Kirchen. „Was tun, wenn Kirche nur noch wenige erreicht? Nur wenn sich Kirche zum Menschen hin bewegt, bleibt der Kontakt erhalten. Das heißt: Eine moderne Zeit braucht auch moderne Formen der Seelsorge“, begründet der Geschäftsführer der Christlichen Onlineberatung (Christliche-onlineberatung. de), Uwe Holschuh, den Schritt Richtung Internetseelsorge. Rund 60 Berater engagieren sich ehrenamtlich bei der Christlichen Onlineberatung. Neben kirchlichen Seelsorgern und ehrenamtlichen Mitarbeitern seien auch einige Psychologen mit an Bord, so Holschuh. Auf dem Portal können sich Nutzer ihre Berater selbst aussuchen. Diese sind mit einem persönlichen Profil und Foto vertreten. Der Kontakt findet anonym und ausschließlich über E-Mail statt. In der Regel stünden Nutzer und Berater über drei bis vier Wochen in Kontakt zueinander. „Die Betreuungszeit ist bei uns begrenzt, weil man sich bei manchen Problemen fragen muss, ob sich das Medium Internet auf lange Sicht zur Betreuung eignet“, sagt Holschuh. Bei einigen Menschen sei eine psychotherapeutische Behandlung sinnvoller.



Darüber hinaus sei die Nachfrage immens und übersteige die Personalkapazitäten. Auf das Jahr gerechnet, kämen auf 60 Berater etwa 1 000 neue Kontakte. Durchschnittlich könnten deshalb nur zwischen 50 und 70 Prozent der Anfragen beantwortet werden. Das Problem kennt auch Internetseelsorger Stephan Lorenz von der Chatseelsorge der evangelischen Kirche (Chatseelsorge. de). „Bei der Chatseelsorge haben wir einen offenen, moderierten Chat. Das bedeutet, dass Nutzer die Möglichkeit haben, sich sowohl untereinander offen auszutauschen, als auch das Privatgespräch mit einem Betreuer zu suchen“, sagt Lorenz. Der Seelsorge- Chat wird jeden Montagund Mittwochabend jeweils für zwei Stunden angeboten. Pro Abend kämen auf durchschnittlich 40 Chatter zwei Betreuer. Von diesen Nutzern könnten nur etwa 15 ein Einzelgespräch bekommen, so Lorenz. Allerdings würden sich innerhalb der Chats auch so etwas wie Selbsthilfegruppen bilden, die gemeinsam versuchen, ihre Probleme zu lösen. Laut Holschuh und Lorenz sind es vor allem Frauen, die die Internetseelsorge in Anspruch nehmen. Das sei aber auch für andere Seelsorge-Formen typisch. Frauen seien generell eher dazu bereit, über ihre Gefühle und Sorgen zu sprechen als Männer. Auf beiden Portalen bilden die 18- bis 40-Jährigen die Kerngruppe der Nutzer. Wie Lorenz und Holschuh berichten, gibt es ein breites Spektrum an Themen, die bei der Internetseelsorge angesprochen werden: von Liebeskummer über Eheprobleme, Depressionen bis hin zu sexuellem Missbrauch.



Holschuh ist davon überzeugt, dass im Internet andere Themen angesprochen werden als in Betreuungssituationen, die sich jenseits des Webs abspielen. „Gerade für Menschen, die Themen besprechen wollen, die schamgebunden sind, ist das Internet eine gute Ausdrucksmöglichkeit. Die Menschen sind einfach offener“, sagt Holschuh. Der Schlüssel zum Erfolg der Internetseelsorge heißt offenbar Anonymität. Wie die Kölner Psychologin Christiane Eichberg erklärt, ist durch die Möglichkeit, anonym zu bleiben, die Scham geringer. Es fiele vielen Menschen dadurch leichter, offen über sehr private Anliegen zu berichten. Unterstützt werde dieser Aspekt auch dadurch, dass die Kommunikation über die Seelsorge-Portale schriftlich stattfindet. „Durch die Schriftlichkeit wird die Kontrolle über das Offenbarte erhöht. Ich kann es mehrmals überarbeiten und durchlesen, bevor ich es verschicke, ebenso wie ich den Zeitpunkt der Beratung selbst bestimmen kann“, sagt Psychologin Eichberg.

www.christlicheonlineberatung.de
www.chatseelsorge.de
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