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Segen oder Zwang? Saar-Bildungsminister will mehr echte Ganztagsschulen

Otzenhausen. Bildungsminister Klaus Kessler (Grüne) will ab dem Schuljahr 2011/2012 die gebundenen Ganztagsschulen im Saarland ausbauen. Wenn Eltern, Lehrer und kommunale Schulträger vor Ort dafür seien, werde das Land die Mittel für das zusätzliche Lehrerpersonal bereitstellen, kündigte Kessler am Samstag auf dem Ganztagsschulkongress seines Ministeriums in der Europäischen Akademie Otzenhausen an.

Teilnahme am Ganztagsangebot soll Pflicht werden

Gebundene Ganztagsschulen – oft als echte Ganztagsschulen bezeichnet – sehen anders als die im Saarland verbreiteten freiwilligen Ganztagsschulen eine verpflichtende Teilnahme am Ganztagsangebot vor. Freizeit und die Unterrichtszeit sind miteinander verschränkt und bilden eine Einheit. Bisher gibt es fünf Schulen dieser Art im Saarland (siehe Infokasten unten).

Kessler sagte, Voraussetzung für die Umwandlung eines Standorts in eine gebundene Ganztagsschule sei, dass die Schulkonferenz mit „deutlicher Mehrheit“ einen entsprechenden Beschluss fasse. Zudem müsse die Gesamtkonferenz der Lehrer mehrheitlich dafür sein. Das Ministerium entscheide dann, wo es zur Einrichtung solcher Schulen kommt. Das Land werde in diesem Fall die Kosten des zusätzlichen Lehrerpersonals übernehmen, die Schulträger müssten einen Anteil an den sonstigen Personalkosten tragen.

SPD kritisiert „zu hohe Hürden“ 

SPD-Fraktionsvize Ulrich Commerçon begrüßte es, dass sich Kessler erstmals dazu bekenne, den Ausbau gebundener Ganztagsschulen „aktiv zu unterstützen“. Er kritisierte aber, dass der Minister „zu hohe Hürden“ für solche Schulen errichte. Wenn Kessler etwa einen Beschluss der Schulkonferenz mit „deutlicher Mehrheit“ fordere, stehe zu befürchten, dass er die Zustimmungsquote zu hoch ansetze. Dann bestimme womöglich „eine Minderheit“ an den Schulen „über die Mehrheit“. Commerçon vertrat die Auffassung, dass Lehrer, die mit der gebundenen Ganztagsform nicht einverstanden sind, „notfalls den Schulstandort wechseln müssen“. Er forderte den Minister zugleich auf klarzustellen, dass dieser keine Beteiligung der Schulträger an den Kosten für Förderlehrer, Sonderpädagogen sowie für Honorarlehrkräfte plane.

"Kein Ganztagsschulen-Zwang"

CDU-Fraktionsvize Helma Kuhn-Theis sagte, sie sei für die Einrichtung gebundener Ganztagsschulen, wenn die Betroffenen vor Ort dafür seien. „Für viele Kinder“ wäre der Besuch einer gebundenen Ganztagsschule „ein Segen“, so Kuhn-Theis. Man dürfe solche Schulen den Menschen aber „nicht aufzwingen“. „Möglicherweise“ werde es am Ende von jeder weiterführenden Schulform ein gebundenes Ganztagsangebot pro Landkreis geben.

Die Chefin der Gesamtlandeselternvertretung, Waltraud Andruet, sagte, einen „Konsens“ aller Beteiligten vor Ort über die Einrichtung einer gebundenen Ganztagsschule werde es nie geben. Daher werde es nicht ohne Vorgaben des Bildungsministeriums „von oben“ gehen. Sie betonte, die Landeselternvertretungen im Saarland seien mehrheitlich dafür, gebundene Ganztagsschulen auszubauen. Auch der Bundeselternrat befürworte dies.

Mit Blick auf das neue Förderprogramm für freiwillige Ganztagsschulen hob Bildungsminister Kessler die Bedeutung einer „neuen Lernkultur“ hervor. Die freiwillige Ganztagsschule müsse mehr als nur Hausaufgabenbetreuung sein.

Hintergrund

Gebundene Ganztagsschulen gibt es bisher an fünf Standorten im Saarland. Es sind dies die Gesamtschule Neunkirchen, die Grundschule am Vogelsang in Saarlouis, die Grundschulen Wiedheck (Brebach-Fechingen) und Rastpfuhl (SB) sowie das Schengen-Lyzeum in Perl. Darüber hinaus gibt es an diversen Standorten Ganztagsklassen.

Als mögliche Kandidaten für die Umwandlung in eine gebundene Ganztagsschule gelten zum Beispiel die Erweiterten Realschulen Friedrichsthal und St. Wendel, die Gesamtschule Bellevue und die Grundschule am Ordensgut in Saarbrücken. Am größten ist die Zurückhaltung gegenüber der gebundenen Ganztagsschule bisher an Gymnasien. nof

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