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Selbstbedienung bei der Sparkasse

Saarbrücken. Gewerbsmäßige Untreue in der Preisklasse von einer Million Euro wirft die Staatsanwaltschaft einer 48 Jahren alten Ex-Mitarbeiterin der Sparkasse Saarbrücken vor. Seit gestern muss sich die von Geburt an körperlich behinderte Frau vor einer großen Strafkammer des Landgerichts verantworten.

Die Bankkauffrau, die sich 2007 bei der Sparkasse offenbarte und fristlos gefeuert wurde, kennt die Abläufe in Strafprozessen: Über Jahre hinweg saß sie als ehrenamtliche Schöffin bei Strafverfahren mit am Richtertisch. Als Angeklagte legte sie gestern ein Geständnis ab, offenbarte ihre betrügerische Masche.

Als Sachbearbeiterin der Kreditabteilung der Sparkasse hat sie demnach von September 2001 bis Februar 2007 in 36 Fällen Darlehenskonten eröffnet und ausgezahlt, oder bereits bewilligte Kundendarlehen, die aber nicht abgerufen wurden, auf Konten ihres Ehemannes, ihres Halbbruders oder ihrer Stiefmutter umgeleitet. Die Beträge variierten zwischen 10.000 und 54.000 Euro. Teilweise wurden die manipulierten Darlehen auch genutzt, um andere fingierte Kredite zu tilgen.

Der Schaden für die Sparkasse wird – einschließlich der Zinslasten – auf 1.006.500 Euro beziffert. Über diese Summe hat die Frau ein notarielles Schuldanerkenntnis unterschrieben. Sie will jetzt monatlich 500 Euro an Wiedergutmachung leisten. Das Vier-Augen-Prinzip bei der Sparkasse umging sie, indem sie in Abwesenheit von Kollegen an deren eingeloggten Computern arbeitete oder Unterschriften fälschte. Zwei ihrer Kollegen war deshalb gekündigt worden. Beide haben nach Informationen unserer Zeitung aber Klagen vor dem Arbeitsgericht gewonnen.

Teilweise unter Tränen machte die Frau Angaben zu ihrem Motiv: Sie fühlte sich verpflichtet, ihrem jüngeren Halbbruder und ihrer verschuldeten Stiefmutter aus finanziellen Schieflagen zu helfen. Ihr Psychiater sagte im Zeugenstand aus, dass er nach Bekanntwerden des Falles im März 2007 einen sehr niedrigen Realitätsbezug bei seiner Patientin diagnostiziert hatte. Mittlerweile sei die Frau deutlich realistischer geworden.

Zurückhaltend reagierte die 48-Jährige auf die Frage von Staatsanwalt Raffael Becker, ob sie sich auch im größeren Stil selbst bedient habe und auf großem Fuß lebte. Aus einem anfänglichen „Ich weiß es nicht“ wurde schließlich ein zögerliches „Es mag sein.“ Becker daraufhin: „Sie haben fremdes Geld bewusst verprasst!“ Etwa 400.000 Euro gingen nach einer Auflistung der Ermittler auf Konten des Halbbruders, der mittlerweile in China leben soll. Mit mehr als 100.000 Euro wurden Verbindlichkeiten der Stiefmutter bedient.
Mindestens weitere 240.000 Euro wurden für kostspielige Urlaubsreisen, teure Kleidung und Schmuck ausgegeben. Der Prozess wird heute fortgesetzt.






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