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Servicestelle Saaris hilft bei Anerkennung ausländischer Abschlüsse

Der Weg in den Arztberuf war für Mahmud Khalim (Name geändert) kein einfacher. Khalim war 2010 aus Afghanistan nach Deutschland geflüchtet, landete im Auffanglager in Lebach. Arbeiten durfte er nicht, weil er keine Aufenthaltserlaubnis hatte, dabei hatte der 31-Jährige zuvor sein Medizin-Studium in Afghanistan mit Auszeichnung abgeschlossen. Deutsch hat er sich selber beigebracht – „Sprachkurse gab es nicht“, sagt er. Mit einem Ein-Euro-Job als Dolmetscher bekam er Kontakt zur Caritas, erhielt dann ein Praktikum im Rahmen des Europäischen Sozialfonds und konnte nach einer Gesetzesänderung endlich auch ohne Aufenthaltserlaubnis im Krankenhaus arbeiten und sich zum Kardiologen spezialisieren.

Khalims Geschichte ist auch die Geschichte von Christoph Klos. Er arbeitet bei der Servicestelle zur Erschließung ausländischer Qualifikationen und hilft dabei, Abschlüsse aus anderen Ländern in Deutschland anerkennen zu lassen. Zweieinhalb Stellen sind bei Saaris dafür eingerichtet, und ihre Arbeit ist für den Arbeitsmarkt extrem wichtig. Denn wenn ausländische Abschlüsse nicht anerkannt werden, liegt Potenzial brach, das dringend benötigt wird. Die Servicestelle ist sozusagen erster Ansprechpartner für Menschen, die im Ausland ihren Abschluss gemacht haben. Klos und seine Kollegen schauen dann, welche Voraussetzungen jeweils nötig sind: „Bei Ärzten, aber auch Krankenschwestern, sind beispielsweise gute Deutsch-Kenntnisse Voraussetzung“, sagt Klos. Ärzte müssen aber zusätzlich eine Prüfung ablegen, der Studien-Nachweis reicht nicht. Dass Khalim arbeiten kann, liegt auch am Ärztemangel. Weil er nur geduldet ist, bekommt er eine Stelle nur, wenn es keine anderen Bewerber aus Deutschland, der EU oder aus Drittstaaten mit Aufenthaltserlaubnis gibt. Obwohl Ärzte händeringend gesucht und sogar in Drittstaaten angeworben werden, können Asylsuchende nach Aussage von Sozialminister Andreas Storm nicht bevorzugt als Quelle für Fachkräfte genutzt werden: „Wir können ja nicht das Asylverfahren außer Kraft setzen“, sagte er kürzlich bei einer Pressekonferenz zur Anerkennung der Abschlüsse. Khalim ist aber optimistisch: Hat er zwei Jahre durchgehend in dem Beruf gearbeitet, steht ihm laut Aufenthaltsgesetz das Bleiberecht zu.

Bei der Service-Stelle ist jeder Fall anders gelagert. Da ist zum Beispiel die Frage der Herkunft. EU-Bürgern beispielsweise gibt die Berufs-Anerkennungsrichtline das Recht, EU-weit in ihrem Beruf zu arbeiten. Doch auch hier gibt es Einschränkungen. Ingenieure beispielsweise dürfen ihren Titel erst nach Prüfung und Genehmigung durch die Ingenieurkammer führen. Und bei einigen Berufen sind die Ausbildungen und Abschlüsse je nach Land unterschiedlich. Bürgern aus Drittstaaten eröffnet seit April 2012 das Anerkennungsgesetz den Weg in ihren Beruf. Wegen stark variierender Ausbildungen sind aber häufig noch Anpassungslehrgänge nötig, um die entsprechende Qualifikation zu erreichen.

Klos, der gemeinsam mit einem Kollegen seit 2013 schon knapp 900 Beratungen ausgeführt hat, nimmt sich viel Zeit. Denn es gilt nicht nur herauszufinden, wer jeweils für die Anerkennung zuständig ist – sei es die IHK, die Handwerkskammer oder bei Heilberufen das Landesamt für Soziales. Es geht auch darum, mit den Ratsuchenden die Voraussetzungen zu erarbeiten. Khalim beispielsweise musste zahlreiche Unterlagen aus Afghanistan besorgen, darunter ein polizeiliches Führungszeugnis und eine Unbedenklichkeitsbescheinigung, um hier als Arzt zu arbeiten – inklusive Übersetzung.

Viele der Interessenten werden von der Agentur für Arbeit zur Servicestelle vermittelt, manche werden auch von der Migrationsberatung oder bei einem Sprachkurs darauf hingewiesen, dass es die Möglichkeit der Anerkennung gibt. Mustafa Topalov beispielsweise wurde von der Arbeitsagentur zu Klos geschickt. Der Bulgare hatte in seiner Heimat eine Ausbildung als Monteur für Maschinen gemacht. Nachdem ihm die IHK bestätigt hat, dass diese Ausbildung einer Qualifikation als Industriemechaniker entspricht, kann er sich nun auf entsprechende Stellen bewerben.
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