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Sexgeschäft am Saarbrücker Straßenrand

Der Sommerschauer prasselt auf die große blonde Frau nieder. Sie steht unterschütterlich an der Dudweiler Landstraße und winkt. Wieder und wieder, scheinbar ins Nichts. Sie sendet damit ein klares Signal, während der einsetzende Feierabendverkehr an ihr vorbeirauscht. Dann wirkt das Winken. Ein blauer Kleinwagen stoppt. Die Seitenscheibe senkt sich. Ein kurzes Gespräch, die Frau steigt ein. Das Auto rollt Richtung Jägersfreude davon. Eine Kollegin bleibt allein zurück. Schräg gegenüber, hinter der Eisenbahnbrücke, warten zwei weitere Prostituierte auf Kundschaft. Werktagsimpressionen vom St. Johanner Straßenstrich.

Ähnliche Szenen spielen sich auf der anderen Saarseite im Deutschmühlental ab. „Das Deutschmühlental verkommt zum Straßenstrich“, warnt ein SZ-Leser aus Völklingen.

Solche Beschwerden sind auch Jörg Wagner, dem stellvertretenden Leiter der Polizeiinspektion St. Johann, bekannt. Hinzu kommen Klagen von Anwohnern über Kondome und andere Hinterlassenschaften an den Plätzen, die die Frauen mit ihren Kunden ansteuern. Weil Rumänen sich nun in der EU frei ansiedeln dürfen, habe diese Form der „Armutsprostitution“ eingesetzt. „Diese Frauen kommen mit Sicherheit nicht jede auf eigene Faust hierher“, sagt Polizeihauptkommissar Werner Müller, Dienstgruppenleiter in der PI St. Johann. Er und seine Kollegen kennen die Frauen von Kontrollen. Sie seien aus nur wenigen Städten aus der Umgebung von Bukarest in Saarbrücken aufgetaucht. „Der Nachweis, dass Zwang dahintersteckt, ist schwierig.“

Aber Prostitution sei ein legales Gewerbe und deshalb außerhalb des Sperrbezirks nicht verboten, stellen Wagner und Müller klar. „Die bloße Anwesenheit der Frauen ist noch keine strafbare Belästigung“, sagt Wagner. Andererseits schreite die Polizei ein, wenn die Frauen gegen Gesetze verstoßen, etwa wenn sie sonntags arbeiten oder im Sperrbezirk stehen.

 Für Jürgen Wohlfarth, den Rechtsdezernenten der Stadt Saarbrücken, sind die Prostituierten ein „Ausschnitt des Riesenthemas Armutsmigration aus Bulgarien und Rumänien“. „Es vergeht im Rathaus keine Woche ohne Besprechungen. Dabei geht es zum Beispiel um heillos überbelegte Häuser, in denen von Wohnen eigentlich keine Rede sein kann. Und wir haben es damit zu tun, dass die Prostitution an den Straßen und in Häusern zunimmt.“
Die Zahl der Frauen auf dem Straßenstrich hat sich nach Wohlfarths Einschätzung etwa auf 50 verdoppelt. Nicht eingerechnet seien dabei die drogenkranken Prostituierten, um die sich das Drogenhilfezentrum mit seinem Projekt „Le Trottoir“ kümmert.

Einschreiten könne die Stadt nicht gegen die Prostitution an sich, sondern nur bei erwiesenermaßen „grob ungehörigem Benehmen“, etwa wenn eine Frau, wie von Arno Kuhn beschrieben, im Deutschmühlental mit nacktem Busen, um Kunden werben sollte. Das sei eine Ordnungswidrigkeit. „Einfach dastehen ist es nicht.“

Dabei hat Wohlfarth, der um all die Begleiterscheinungen dieser Prostitutionsform weiß, ein klares Ziel: „Der Straßenstrich muss eigentlich generell verschwinden. Sperrbezirksordnungen müssen so gestaltet werden, dass er nicht mehr möglich ist.“ An seine Stelle sollten, da es sich ja nun einmal um ein erlaubtes Gewerbe handelt, „ordentlich geführte Betriebe treten, – überwacht und gerecht besteuert“.




 
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