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Sexualerziehung im Saarland soll moderner werden

Saarbrücken. „Da gibt es Papa, Mama und ein Kind. Und wenn die ganz crazy drauf sind, haben sie vielleicht noch einen Hund.“ Lakonisch eröffnete Christian Langhorst vom Lesben- und Schwulenverband Saar (LSVD) die gestrige Pressekonferenz im Saarbrücker LSVD-Beratungszentrum Checkpoint. Die aufgeschlagenen Seiten des Schulbuchs, das Langhorst in die Höhe hielt, zeigen die Federzeichnung einer bürgerlichen Kleinfamilie. „Die 20 Jahre alten Richtlinien zur Sexualerziehung im Saarland gehören reformiert“, fasste Langhorst gleich zu Beginn den Anlass der Öffentlichkeitsinitiative des LSVD und fünf weiterer Verbände zusammen. Ihr gemeinsames Ziel: Eine Anpassung der 1990 zuletzt aktualisierten schulischen Richtlinien zur Sexualerziehung an die Lebenswirklichkeit der Schüler im Jahre 2010. Ein entsprechender Brief ging bereits im September an Bildungsminister Klaus Kessler (Grüne). Und hatte Erfolg: Kessler sicherte den Verbänden einen Runden Tisch zu, der an den Reformen mitwirken soll.

Internet prägt heutiges Bild von Sexualität

Die grundsätzliche Notwendigkeit der Reformen betonten denn auch alle Verbands-Vertreter, wenngleich mit unterschiedlichen Schwerpunkten. So verwies Sigrun Krack vom Diakonischen Werk an der Saar (DW) auf Angebote im Internet, die für viele Jugendliche heute das Bild von Sexualität prägten und einen enormen Erwartungsdruck auf sie ausübten. Dies sei bei der Neuschreibung der Richtlinien ebenso zu berücksichtigen wie die erhöhte Zahl an Kindern von Einwanderern, die zum Teil mit anderen Formen der Sexualmoral sozialisiert würden. Viele Schüler seien heute bereits in der fünften Klasse der Meinung, alles über Sex zu wissen, so der Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Peter Balnis. Faktisch hätten viele von ihnen jedoch ein schräges Bild von Sexualität, seien von Ängsten und Verunsicherung geplagt.

Der Trias von Anatomie, Biologie und Verhütung, die den heutigen Sexualunterricht kennzeichne, sei einiges hinzuzufügen, betonte auch Pro-Familia-Geschäftsführerin Brigitte Schwarz. So sollten etwa die Bereiche Pornografie und Prostitution im Unterricht nicht ausgeklammert werden. Auf große Defizite beim Thema Homosexualität verwiesen LSVD-Vorstand Hasso Müller-Kittnau und Frank Kreutzer von der Aids-Hilfe Saar. Noch immer sei das Wissen vieler Jugendlicher von Vorurteilen und Mythen geprägt. Schwul-sein als Krankheit etwa, oder als Ergebnis einer vaterlosen Erziehung. „Wer mit 16 Jahren in einer saarländischen Landgemeinde sein ‚Coming-Out' hat, der hat es immer noch sehr schwer“, so Kreutzer.

Gesellschaftliche Akzeptanz von Homosexualität verbessert

In der Tat hat sich seit 1990 vieles bei der gesellschaftlichen Akzeptanz von Homosexualität verbessert: 1994 wurde der berüchtigte Paragraf 175 des Strafgesetzbuches abgeschafft, der noch zuletzt den Sex eines Volljährigen mit einem gleichgeschlechtlichen Partner unter 18 Jahren unter Strafe stellte. Zudem gibt es seit 2001 die „eingetragene Lebenspartnerschaft“, die Homosexuelle Verheirateten juristisch gleichstellen soll. Außerdem hat sich mittlerweile – zumindest in Großstädten – die sogenannte Regenbogenfamilie etabliert, eine Familie also, in der die Kinder bei zwei gleichgeschlechtlichen Partnern leben.

All dies soll nun also in den neuen schulischen Richtlinien berücksichtigt werden, die im Laufe des kommenden Jahres erarbeitet werden. Die Form der Anwendung und Ausgestaltung der Richtlinien bleibt freilich nach wie vor im Ermessen der einzelnen Lehrer. Die Forderung von DW-Referentin Krack, entsprechende Lehrerfortbildungen zu etablieren, fand daher breite Zustimmung.

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