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Shopping-Tempel, Spielhallen und Wellness locken viele ins Saarland

Shopping-Gelegenheit für Genießer und Spätaufsteher: Am 5. Oktober öffnet die EUROPA-Galerie einen ganzen Herbstsonntag lang ihre Pforten.Die Europa-Galerie und die Saarbrücker Bahnhofstraße ziehen viele Franzosen an.

Shopping-Gelegenheit für Genießer und Spätaufsteher: Am 5. Oktober öffnet die EUROPA-Galerie einen ganzen Herbstsonntag lang ihre Pforten. Die Europa-Galerie und die Saarbrücker Bahnhofstraße ziehen viele Franzosen an.

  Samstagnachmittags in der Landeshauptstadt: Wer in der Bahnhofstraße stehen bleibt, die Augen schließt und sich nur auf die Gespräche der Passanten konzentriert, könnte fast meinen, er wäre in Frankreich. Am Wochenende und noch mehr an den französischen Feiertagen strömen die Nachbarn Richtung Saarland, um hier ihre Freizeit zu verbringen – und nebenbei Geld auszugeben.

So wie die Schwestern Christelle und Sonia, die aus der Nähe von Forbach kommen und vor der Europa Galerie ihre Shopping-Tour starten wollen. Warum sie lieber hier einkaufen als in Frankreich? „Ich gehe in Frankreich auch shoppen, aber in Saarbrücken gibt es mehr Geschäfte. Vor allem welche, wo ich mir die Kleidung leisten kann wie Primark“, sagt die 18- jährige Sonia. Ungefähr einmal im Monat kommt sie in die Landeshauptstadt, in den nächsten Zeiten vielleicht häufiger, denn sie wird bald die Führerscheinprüfung machen. Ihre Schwester hat es eher auf Nagellacke und Haarstyling-Produkte in der Drogerie abgesehen – sie seien auch viel günstiger als in Frankreich. „Im Winter fahre ich manchmal mit meinen Mädels. Die Saunas sind sehr schön. So etwas gibt es nicht bei uns“, sagt die 22-Jährige. Sie ist nicht die einzige Französin, die das Wellness-Angebot in direkter Grenznähe schätzt. In die Saarland Therme in Hanweiler kommen bis zu 40 Prozent der Kunden aus Lothringen.

Spielbanken gut besucht

Auch die saarländischen Spielbanken sind bei den Franzosen beliebt. Von Freyming-Merlebach oder Saargemünd ist man schneller am Deutsch-Französischen Garten als in Amnéville (einziges Casino in der Moselle).

2013 kamen 61 Prozent der Kunden der Spielbank am DFG von der anderen Seite der Grenze. Auch die Häuser in Nennig und Saarlouis sind gut besucht. Auch im Einzelhandel scheint sich der wirtschaftliche Einfluss der Lothringer auf die direkte Grenznähe zu konzentrieren. Während die Franzosen 20 Prozent der Kundschaft der Saarbrücker Europa Galerie bilden, sind es nur noch zwischen drei und fünf Prozent beim Saar-Park-Center in Neunkirchen.

Wenn es nicht ums Shoppen geht, sondern um einen touristischen Ausflug, dann profitiert davon das ganze Bundesland wie etwa der Freizeitpark am Bostalsee. In diesem Bereich zeigen die Zahlen auch, dass immer mehr Franzosen einen Urlaub oder einen Kurz- Aufenthalt im Saarland verbringen möchten. Nach dem Sparkassen-Tourismusbarometer stellte 2013 „das Nachbarland Frankreich mit rund 15 Prozent die meisten ausländischen Übernachtungen im Saarland.“ Grundsätzlich könne man aus der amtlichen Statistik erkennen, dass die Nachfrage aus Frankreich saarlandweit gestiegen ist, bei den Übernachtungen und Ankünften im ersten Quartal 2014 um mehr als 70 Prozent“, erklärt Birgit Grauvogel, Geschäftsführerin der Tourismus-Zentrale.

Infos auf Französisch

„Für knapp 60 Prozent sind Informationen in Französisch sehr wichtig. Wir können bei der TZS auch erkennen, dass die Informationen, die wir in Französisch eingestellt haben, zunehmend genutzt werden.“

In Supermärkten wie dem Globus in Güdingen, wo laut Geschäftsleiter Norbert Scheller bis zu 25 Prozent der Kunden aus Frankreich kommen und rund ein Drittel zum Gesamtumsatz beitragen, sind zweisprachige Schilder selbstverständlich geworden. Centermanager Sebastian Kurth richtet das Marketing der Europa- Galerie auf die Nachbarn aus: „Wir schalten Radiospots in Lothringen und nehmen die Anregungen der französischen Gäste sehr ernst.“ In Kundenbefragungen beschwerten sich diese über das nicht ausreichende Gastronomie-Angebot.

Nun werde dieses erweitert. Fest steht: die französischen Kunden sind zahlreich und von großer Bedeutung für das Saarland. Ihren Anteil genau zu beziffern, gelingt jedoch nur wenigen Unternehmen und Institutionen, die beispielweise die Kfz-Kennzeichen ihrer Besucher auswerten.

Eine umfassende Studie über die Rolle der Franzosen als Wirtschaftsfaktor im Saarland gibt es nicht. „Eine solche Erfassung durchzuführen ist äußerst schwierig“, sagt Professor Joachim Zentes, Direktor des Instituts für Handel Internationales Marketing an der Saar- Uni. „Vor dem Euro haben manche Händler noch Francs angenommen und konnten zumindest in Hinsicht auf den Umsatz Schätzungen wagen“, so der Experte. Das bestätigt Melanie Plöger von Unternehmenskommunikation Galeria Kaufhof. „Wir wissen, dass unsere Saarbrücker Filiale von vielen Kunden aus Frankreich besucht wird, doch genaue Zahlen liegen nicht vor. Wir können nur Kunden aus dem Nicht-EUAusland erfassen, die Taxfree- Angebote nutzen.“

Meinung

Maut schadet dem Standort


Von  Redakteur Thomas Sponticcia

Die CSU will offensichtlich mit aller Gewalt ihre Pkw-Maut für Ausländer durchsetzen, um überhaupt noch bundesweit aufzufallen. Dass das Projekt unausgereift ist und gerade Grenzregionen massiv in ihren Entwicklungsmöglichkeiten behindert, scheint kaum eine Rolle zu spielen. Die Folgen der Maut wären gravierend. Viele Franzosen dürften sich dann fragen, ob sie weiter zum Einkaufen an die Saar kommen. Wenn für solche Fahrten gezahlt werden muss, sinkt der Anreiz deutlich. Das ist umgekehrt genauso: Gäbe es keine Maut nach Metz, Nancy oder Paris, wären dort zuweilen mehr Saarländer unterwegs. Die Maut ist der erste Schritt zur Verschlechterung grenzüberschreitender Kauflaune. Bleiben in größerer Zahl Gäste aus, wird sich für manchen Saar-Betrieb die Frage stellen, ob er Mitarbeiter entlässt. Muss es so weit kommen?

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