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Silvia Bervingas zehrt vom Tatort-Erfolg

Für Krimis geeignet: Unser Archivfoto zeigt Silvia Bervingas (rechts) mit Dieter Hofmann in »Offene Zweierbeziehung«.

Für Krimis geeignet: Unser Archivfoto zeigt Silvia Bervingas (rechts) mit Dieter Hofmann in »Offene Zweierbeziehung«.

Zweibrücken/Saarbrücken. Den umstrittenen Saar-Tatort „Melinda“ hat sie allein geguckt. Zuhause in ihrem kleinen Stübchen in Zweibrücken, vor ihrem kleinen Fernseher. „Und das war auch gut so“, grinst Silvia Bervingas – wer ihren Hang zu nüchterner Selbstkritik kennt, versteht diesen Wink. Danach knipste sie nichts ahnend den Computer an und war überrumpelt und noch Tage später ziemlich „worres“ von dem Hype, den ihre Darstellung der so resoluten wie kauzigen Rentnerin Margot Müller ausgelöst hat.

Verirren sich sonst im Monat zwei Leute auf ihre Homepage, so gab es nun unmittelbar nach der Ausstrahlung schon 3000 Klicks. Wildfremde Menschen aus ganz Deutschland „verstopften“ ihr Mailfach mit Lobgesängen auf ihre schauspielerische Leistung. Mittlerweile ist ihr Gästebuch vor liebevollen Respektsbezeugungen schier explodiert, der Tenor immer in etwa der gleiche: „Ich google nicht oft nach Schauspielern. Aber ich habe das Bedürfnis, Ihnen zu sagen, wie wundervoll Sie waren! Sie haben diesen Film gerettet! Hoffentlich wird man Sie in Zukunft öfter im Fernsehen sehen!“

Eine Ulla kriegte sich dieser Tage auf Facebook gar nicht mehr ein: „Ich muss es doch mal sagen, es hat alles so gepasst in dem Tatort. Die Frau, die Musik, die sie gehört hat, und der olle Mercedes (. . .) So gut! Hinreißend! Silvia – es war ein Highlight! Danke!“ Und über allem schwebt die Forderung der neuen Fans: „Frau Müller muss bleiben!“ Längst wurde sie von Volkes Stimme als inoffizielle Saarbrücker Miss Marple inthronisiert. Der SR reagierte: „Heute Morgen bekam ich einen Anruf vom zuständigen Redakteur, dass ich in der dritten Folge wieder dabei bin!“, strahlt die Bervingas.

„Die Bervingas“ – so hieß sie in der Off-Theater-Szene schon immer, aber langsam klingt es wie „die Duse“. Und plötzlich wollen alle es immer schon gewusst haben, wie gut sie ist und dass sie mal berühmt wird. „Leute, die mich haben fallen lassen, haben mich nun plötzlich all die Jahre protegiert und gefördert, ohne dass ich's gemerkt hab'. Aber so was grämt mich nicht. Als höflicher Mensch reagiere ich auf so was nicht.“ Doch wenn sie jemand auf der Straße anspricht: „Sind Sie nicht die Frau Müller?“, dann antwortet sie freundlich, aber bestimmt: „Nein, ich bin die Frau Bervingas.“

Und selbige Frau Bervingas hat keine Lust, „die Margot der Nation zu werden“. Für sie war die Rolle einfach ein „ungeheures Glück“. Wertet sie doch die Reaktion der Fernsehzuschauer schlicht als „Bestätigung, dass das, was ich da seit 28 Jahren mache, irgendwie richtig sein muss. Nur dass es jetzt nicht 50 Leute gesehen haben, sondern Millionen.“ Das hat ihr das Rückgrat gestärkt. So manchem Schnösel gegenüber tritt sie nun selbstbewusster auf. „Man muss für manche Dinge ganz schön alt werden, bevor man sie macht“, sinniert sie. Woher die allgemeine Begeisterung rührt? „Ich weiß nicht, welchen Nerv ich da getroffen habe“, grübelt die Bervingas ohne jede Koketterie.

Wer nun aber glaubt, dass es Rollenangebote hagelt, die Veranstalter Schlange stehen und die Bervingas auf der Flucht vor Autogrammjägern vermummt durch die Gegend hetzt, der irrt. Tatsächlich kann man mit ihr völlig ungestört und von der Welt ignoriert im Café sitzen. Und für die letzte Vorstellung von „Cholonek“, ihrem famosen Theater-Solo nach einem Text von Janosch, in dem sie die Frau Schwientek spielt, die in ihrem Pragmatismus der bekannten Frau Müller ziemlich ähnlich ist, hatte sie vor einer Woche ganze zehn Vorbestellungen.

„Umso wichtiger ist es, genau das weiterzumachen!“, pocht die Bervingas darauf, ihre Energie weiterhin in freie Projekte zu stecken in der Hoffnung, in Zukunft vielleicht nicht mehr so oft zum Arbeitsamt zu müssen. Es spricht für ihren trockenen, lakonischen Humor, dass ihr Lieblingssatz seit Jahren das unbeholfene Lob einer alten Dame ist, die nach einer Vorstellung zu ihr sagte: „Gell, Sie machen das aber beruflich?“


Zur Person

Silvia Bervingas, geboren 1955 in Kaiserslautern als Tochter eines Litauers und einer Französin, studierte in Saarbrücken Übersetzen und Dolmetschen und war zunächst als Fremdsprachenkorrespondentin tätig. Von 1982 bis 1988 bildete sie sich privat in Schauspiel, Pantomime, Clown- und Bewegungstheater im In- und Ausland weiter und arbeitet seither als freie Schauspielerin und Regisseurin. 30 Jahre wohnte sie in Saarbrücken, vor vier Jahren zog sie ihrer Eltern wegen nach Zweibrücken. Eigene Texte veröffentlicht sie auf www.leselupe.de unter dem Namen „arle“. Infos im Internet: www.silviabervingas.de. kek
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