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„Sing City“ lockte 60 000 Besucher nach Saarbrücken

Der »Chorwurm« trat bei »Sing City«  auf dem St. Johanner Markt auf. Auch die Unterhaltungsprofis gehören zum Chorverband.

Der »Chorwurm« trat bei »Sing City« auf dem St. Johanner Markt auf. Auch die Unterhaltungsprofis gehören zum Chorverband.



Saarbrücken. Freunde aus dem Saarland hätten ihr empfohlen, auf ihrer Radtour nach Straßburg an diesem Samstag (25.08.2012) unbedingt in Saarbrücken Station zu machen, erzählt Rita Hug. Wegen „Sing City!“. Und so steht die Schweizerin mit ihrer sechsköpfigen Radlertruppe samt schwer bepackten Drahteseln vor Karstadt und lauscht den kräftigen Stimmen des gemischten Chors Froh-Sinn aus Alt-Saarbrücken. „Ich war noch niemals in New York“ singen sie gerade, frei nach Udo Jürgens. Rita Hug war noch niemals in Saarbrücken. „Toll“ findet sie es heute und will sich jetzt erstmal ein Programm besorgen, um sich im Getümmel besser zu orientieren. Das ist nicht verkehrt, denn es singt und klingt an allen Ecken und Enden.

Um die 100 Chöre treten an diesem Tag in der Landeshauptstadt auf. Im halbstündigen Wechsel geben sie auf zehn verschiedenen Bühnen dem Saarländischen Chorverband zum 150. Geburtstag ein Ständchen. „Ich sehe, die Chöre hier haben das gleiche Problem wie bei uns die in der Schweiz – sie sind überaltert“, stellt Rita Hug noch schnell fest. Autsch, das tut weh zum Geburtstag. Aber stimmt das? Der Männerchor Sitterswald, der jetzt den Frohsinns- Chor mit klassischem Liedgut wie „Drei lachende Mädchen“ ablösen wird, stößt ins selbe Horn. Alle sind über 60.

„Uns fehlen zwei ganze Generationen, weil in den 60er/70er Jahren das Volkslied in der Grundschule verpönt war“, klagt Vereins-Geschäftsführer Rudi Ranker und betont: „Wir sind für alle Stilrichtungen offen“. Vielleicht sollten sie mal die Sänger von der Bühne vor dem Diskonto-Haus zu einem Gemeinschaftsprojekt einladen. Dort geben sich junge Rapper und Beatboxer ein Stelldichein. In der Menschentraube drumherum: Regionalverbandsdirektor Peter Gillo (SPD), der entzückt seinem beatboxenden Sohn zuhört. Noch jünger sind die Bühnen- Akteure vor Thalia und vor der Europagalerie. Denn hier zeigen den ganzen Tag Kitas und Schulchöre, was sie können. Für das Saarland teils recht ungewohnte Klänge.

„Jollaradihi“, stimmen die Kleinen von der Jodelschule der Kita Völklingen mit sichtlichem Vergnügen an und klopfen mit Kochlöffeln auf Besenstiele. Da ragen im Nu fast so viele Handys wie Sänger aus der Zuschauermenge empor. Muss soviel Sangeslust nicht ansteckend wirken? Charmbolzen Martin Folz will es wissen und lädt zum offenen Mitsingen auf den St. Johanner Markt ein. Die Sitzplätze reichen ebenso wenig wie die Notenblätter, die er verteilt. Einmal kurz geprobt, dann schallt „Viva, viva la musica“ im dreistimmigen Massen- Kanon über den Platz. Doch es geht noch toller. Folz’ lockeren Sprüchen und entschiedenen Gesten kann einfach niemand widerstehen. Selbst über 60-Jährigen kommen bald schon Kinder- Nonsense-Reime wie „o gonni gonni ga“ ungeniert über die Lippen.

Und hunderte von Mitsängern klopfen sich dazu nach Folz Vorgaben auf verschiedene Körperteile. „Das schult die Koordination“, wie der Dirigent erklärt. Doch die Zeit, als Chöre steif auf der Bühne rumstanden, zeigt sich bei den meisten Ensembles, ist sowieso vorbei. Von Jazz und Spirituals über Pop bis hin zu Renaissance- Madrigalen begeistern sie mit einer enormen Genrevielfalt. So vital wie sich die Sangesszene am Samstag darbot, muss sie wohl kaum um ihre Zukunft bangen. „Wir hatten mit 30 000 Zuschauern gerechnet, doppelt so viele sind gekommen“, resümierte Chorverbandspräsidentin Marianne Hurth nach dem Abschlusskonzert mit Chorwurm erschöpt.
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