A8 Karlsruhe Richtung Neunkirchen Zwischen AS Einöd und AS Limbach Gefahr durch defekten LKW, rechter Fahrstreifen gesperrt (06:32)

A8

Priorität: Sehr dringend

11°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
11°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

Skandal in Seniorenheim Elversberg: Diese Konzequenzen zieht die AWO

Eingangs-Bereich des AWO-Seniorenheim in Spiesen-Elversberg. Hier sollen die Zwischenfälle stattgefunden haben.

Eingangs-Bereich des AWO-Seniorenheim in Spiesen-Elversberg. Hier sollen die Zwischenfälle stattgefunden haben.

Von SZ-Redakteur Michael Jungmann

Spiesen-Elversberg. Der Pflegeskandal im Elversberger Seniorenheim der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Saar, der im Juni 2012 von dem Sozialverband öffentlich gemacht wurde, hat tiefe Spuren hinterlassen. Schock und Entsetzen darüber, dass in einem Awo-Pflegeheim zwei Mitarbeiter hilflose Senioren gedemütigt, misshandelt und gequält haben, sind auch nach sieben Monate bei den Verantwortlichen noch nicht verdaut. Während der Staatsanwalt gegen die beiden Ex-Pflegekräfte von der Beatmungsstation „Sonnenschein“ ermittelt, haben die Krisenmanager in der Saarbrücker Awo-Zentrale ein Paket mit Sofortmaßnahmen auf den Weg gebracht.

„Das wird sich nicht mehr wiederholen“, sagt Jürgen Nieser, Awo-Pressesprecher. Er verweist auf einen Katalog an Projekten, die in den letzten Monaten in Sachen Aufklärung, Information und Transparenz in Elversberg und zum Großteil auch in den übrigen 24 Awo-Seniorenheimen (insgesamt 2600 Bewohner) umgesetzt wurden. So hat die anerkannte Pflegeexpertin Karla Kämmer mit ihrem Team zwecks Ursachenforschung über Wochen hinweg in Elversberg die Strukturen und Arbeitsabläufe durchleuchtet.

Nieser formuliert es so: „Wir haben dort jeden Stein umgedreht.“ Konkret bedeutet dies, dass sich die Spezialisten jeden Patienten angeschaut, dessen Zustand dokumentiert und gegebenenfalls Vorschläge zur Optimierung seiner Pflege gegeben haben. Kleinere Defizite oder Nachlässigkeiten in der Dokumentation wurden prompt abgestellt. Fest steht auch: Neue Missstände oder Unregelmäßigkeiten wurden nicht entdeckt. Unabhängig davon wurden Konsequenzen gezogen, um mit größtmöglicher Sicherheit ausschließen zu können, dass wieder Patienten oder Bewohner zu Schaden kommen.

Dazu gehören auch intensive Schulungen, psychologische Betreuung des Personals und die Verbesserung der internen Kommunikation. 220 Pflegekräfte (zehn Prozent des Personals in allen Einrichtungen) beantworteten anonym einen umfangreichen Stressfragebogen. Nach der Auswertung gaben die Experten um Kämmer Entwarnung.

Als direkte Konsequenz aus dem Pflegeskandal, der wohl länger unter der Decke blieb, weil Hilferufe des möglicherweise eingeschüchterten Personals nicht erkannt oder gehört wurden, bildet die Awo mit professioneller Unterstützung derzeit 60 so genannte Achtsamkeitsbegleiter für alle ihre Seniorenzentren aus. In ihrem regulären Job sollen sie als eine Art Frühwarnsystem wirken, in kritischen Situationen deeskalieren und aufklären.

Auch das interne Qualitätsmanagement der Awo-Heime wird neu strukturiert. Die jeweiligen Mitarbeiter sind künftig nicht mehr der örtlichen Heimleitung unterstellt, sondern direkt der Geschäftsführung in Saarbrücken. Kritik, Beschwerden und Anregungen von Heimbewohnern und deren Angehörigen sollen zudem stets offene Ohren finden. Dafür wurde als Ansprechpartner ein Ombudsmann eingesetzt, der unter der Rufnummer (0800) 11 222 34 erreichbar ist.


Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein