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Skandal oder Aufklärungsarbeit? Umstrittene Ausstellung zeigt in Saarbrücken konservierte Leichen

In der Ausstellung „Echte Körper“ sehen die Besucher Präparate von Menschen – hier von einer älteren Frau. Foto: Becker&Bredel

In der Ausstellung „Echte Körper“ sehen die Besucher Präparate von Menschen – hier von einer älteren Frau. Foto: Becker&Bredel

In anmutiger Pose liegt die Frau in ihrer Vitrine. Kleine runde Zettel mit Zahlen schmücken ihren gesamten Körper. Direkt nebendran ein Blatt mit Erläuterungen. Stirn- und Schläfenmuskel sind gekennzeichnet, weiter unter Bizeps und Fingerstrecker. Viele weitere Vitrinen schließen sich an. Die Ausstellung „Echte Körper – Von den Toten lernen“ gastiert noch bis zum 8. Februar auf dem Tbilisser Platz vor dem Saarbrücker Staatstheater.

„Wir wollen einen realen Blick unter die Haut des Menschen werfen“, sagt Thomas Müller , der für Auf- und Abbau verantwortlich ist. Das medizinische Interesse stehe im Vordergrund. Extreminäten, Organe, Föten, und komplette Körper sind zu sehen. Neben den 200 Exponaten informieren Tafeln über die menschlische Anatomie und Krankheiten. „Oft kommen Physiotherapeuten mit ihren Lehrbüchern her, um sich auf ihre Prüfungen vorzubereiten“, erzählt Müller. Von Gunther von Hagens „Körperwelten“, die vom 2. Juli bis 13. September in der Saarbrücker Congresshalle gastieren, distanziert Müller sich. „Das ist ein Gruselkabinett und hat nichts mit Anatomie zu tun.“

„Wie groß diese Leber ist“, zeigt sich ein Mann vor einer der Vitrinen mit Organen erstaunt. Nebendran die Erläuterung, welche Krankheit die Leber so vergrößert haben könnte. Woran die Menschen gestorben sind und wie alt sie bei ihrem Tod waren, wissen die Veranstalter meist nicht. Die Menschen haben sich gemäß Müller freiwillig dazu entschieden, ihren Körper der Aufklärung und Medizin zur Verfügung zu stellen. Die plastinierten Exponate seien eine Leihgabe der amerikanischen Firma Corcoran Laboratories, die medizinische Präparate herstellt. Den speziellen Konservierungsprozess habe das amerikanische Unternehmen Dow Corning entwickelt. „Die Präparatoren arbeiten 1800 bis 2200 Stunden an einem ganzen Körper“, erklärt Müller.

Die Ausstellung, die seit 2006 durch Deutschland tourt, hat in anderen Städten wie Trier und Hannover auch für Empörung gesorgt. Die Zurschaustellung von Föten, Genitalien und die ungeklärte Herkunft der Leichen haben dort Befürworter und Gegner gespalten. „Wir wollen die Menschen aufklären“, verteidigt Müller die Exponate . Deshalb seien die Körperteile so positioniert, dass sie die Würde der Toten wahren.

Thomas Müller arbeitete bereits vorher im Messe- und Bühnenbau. Bei der Ausstellung ist er, seit 2006 die erste Kiste mit menschlichen Teilen aus Amerika kam. Bis dahin hatte er nie an die Arbeit mit Leichen gedacht, doch anfängliche Skrupel sind verflogen: „Es hat mich beruhigt, wie ein toter Mensch aussehen kann.“

Die Ausstellung ist täglich von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Infos unter www.echtekoerper.de
 
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