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So läuft bei der Saarbahn die Ausbildung zum Fahrer

250 Bewerber kommen bei der Saarbahn GmbH auf 15 Ausbildungsplätze.

250 Bewerber kommen bei der Saarbahn GmbH auf 15 Ausbildungsplätze.

Ausbilder Frank Blanck zieht das Mikrofon in der Fahrerkabine zu sich: „Dies ist eine Fahrschule, bitte nicht einsteigen“, tönt seine Stimme durch das Mikrofon nach draußen. Auf einem Bildschirm neben dem Fahrersitz kann ich die Leute sehen, die trotz des Hinweises versuchen, die Türen der Bahn zu öffnen. „Manche verstehen's einfach nicht. Trotz der Durchsage und dem Fahrschule-Schriftzug an der Bahn“, sagt Blanck gelassen und lacht. „Gib jetzt langsam Gas“, weist er mich an. Ich drücke den Gashebel sanft nach vorne, dann setzt sich die Saarbahn fast geräuschlos in Bewegung. Mit dem Fuße tippe ich nach ein paar Metern auf die Hupe, die sich dort befindet, wo im Auto Bremse und Gaspedal sind. Das Gebimmel schreckt die Leute auf, die zu nah am Fahrbandrand stehen.

 

Hinter mir im Fahrgastbereich sitzt eine Gruppe von Fahrschülern. Im Mai haben 15 Mädchen und Jungen die Ausbildung zum Saarbahn-Fahrer begonnen. Die meisten Prüfungen liegen bereits hinter ihnen – in nur dreieinhalb Monaten müssen die Auszubildenden die Eisenbahnbetriebsordnung (EBO), die Bau- und Betriebsordnung Straßenbahn (BOSTRAB) und sogar eine auf die Bedürfnisse der Saarbahn runtergebrochene Version des französischen Regelwerks (SNCF) lernen. „Obwohl wir nur 800 Meter nach Frankreich reinfahren“, sagt Blanck. Immerhin stehe Französisch nicht auf dem Stundenplan, die Zeit sei ohnehin knapp.

 

Viel Lernstoff in kurzer Zeit. „Das bedeutet Stress, das bedeutet eine dementsprechend hohe Durchfallquote“, sagt Christoph Strempel, Leiter der Fahrschule der Saarbahn GmbH . 30 bis 40 Prozent, grob überschlagen. „Wer es nicht schafft, mit dem Schwung mitzukommen, bei dem wird die Reißleine gezogen“, erklärt Strempel. Eine Wiederholung ist nur in seltenen Ausnahmefällen möglich. Zu teuer sind zusätzliche Fahr- oder Theoriestunden, die teils von externen Experten abgehalten werden. Von den 15 Auszubildenden in diesem Jahr sind kurz vor dem Ende nur noch elf übrig. Schon beim Bewerbungsverfahren wird stark ausgesiebt: „Auf 15 Plätze hatten wir 250 Bewerber“, berichtet Strempel.

 

50 wurden zu einem Bewerbungstag eingeladen, dort musste jeder Bewerber ein bis zwei Haltestellen selbst fahren. „Dann ist schon klar, ob jemand Begabung hat“, sagt Strempel. Und die Bewerber selbst können sich ein letztes Mal überlegen, ob sie sich eine Zukunft als Bahnfahrer vorstellen können. Auf die Probefahrt folgt die medizinisch-psychologische Untersuchung: Sehtest, Hörtest, Reaktionstest, Belastungstest. „Wer jeden Tag Tausende Menschen transportiert, muss der riesigen Verantwortung gewachsen sein“, sagt Strempel. Das sei auch der Grund, warum die Bewerber mindestens 21 Jahre alt sein müssen. Zusätzlich müssen sie eine bereits abgeschlossene Berufsausbildung vorweisen, „bevorzugt wird eine technische Ausbildung“, sagt Strempel.

 

Aber zu den Auszubildenden, die mit mir durch die Saarbrücker Innenstadt fahren, gehören auch die gelernte Postzustellerin Daniela Bläsing und der Schreiner Benedict Eller. Sie schätzen die Sicherheit, die ihnen die Saarbahn GmbH bietet. Schon in der Lehrzeit erhalten die Auszubildenden das Grundgehalt eines Bahnfahrers, nach bestandener Abschlussprüfung gibt's für alle einen unbefristeten Vertrag. Aber erst müssen die elf jungen Leute die Abschlussprüfung bestehen. Die besteht aus einer mündlichen Prüfung, bei der die Betriebsordnungen und Fahrzeugkunde abgefragt werden. Im praktischen Teil müssen sie beispielsweise eine Signalstörung auf der Strecke beheben. Eine anstrengende Zeit, da sind sich alle einig – doch in wenigen Wochen dürfen die Schüler endlich die Türen der Bahn für Fahrgäste öffnen.

 

 
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