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So schützen sich Saar-Schulen gegen Amok

Von SZ-Redakteur Johannes Kloth

St. Ingbert/Saarbrücken.„Hey, das ist doch alles eine Frage der Einstellung“, sagt Robert Erb und zieht aufmunternd die Augenbrauen hoch. Doch sein Gegenüber, ein älterer Gymnasiallehrer, lässt nicht locker: „Das geht nicht so einfach. Schüler gehen nach der Schule nach Hause und lernen dort unter Umständen etwas ganz anderes.“ Erb schweigt und lächelt. Es ist bereits Nachmittag, die Luft im Raum verbraucht – Zeit für eine Pause.



Prügeleien, Mobbing, Amoklauf

Erb ist Erziehungswissenschaftler am Landesinstitut für präventives Handeln (LpH) in St. Ingbert und der Referent des heutigen Tages. Vor ihm sitzen 20 Lehrer saarländischer Schulen. Sie alle wollen erfahren, wie sie Gewalt an ihrer Schule verhindern können. Prügeleien, Mobbing, vor allem aber – davor haben sie alle Angst – einen Amoklauf. Dafür bildet das LpH sogenannte „schuleigene Krisenteams“ aus. Kleine Kompetenzgruppen, die wissen, was im Ernstfall zu tun ist, die engmaschige Netzwerke aufbauen und auf Verhaltensauffälligkeiten von Schülern reagieren können.
Heute geht es ganz allgemein um die Verbesserung des Schulklimas. Erb wirbt für einen „Schulvertrag“ – einen Verhaltenscodex, den Schüler und Lehrer gemeinsam unterzeichnen sollen. Es wird lebhaft diskutiert, man tauscht Erfahrungen aus, wägt ab: Wieviel Einfluss hat die Schule überhaupt auf das Verhalten von Schülern, wenn das Elternhaus nicht mitzieht?

Ziel ist es, Amokläufe künftig rechtzeitig verhindern zu können

Das viertägige Programm, dass das LpH zusammen mit dem Bildungsministerium als Reaktion auf den Amoklauf von Winnenden ins Leben rief, hat sich als Riesenerfolg herausgestellt. Im Dezember 2010 ist es gestartet, bereits 70 weiterführende Schulen haben sich angemeldet. Ziel ist es, Amokläufe künftig rechtzeitig verhindern zu können. Neueste Forschungsergebnisse sollen helfen. Denn Amoktäter, erklärt LpH-Mitarbeiter Hagen Berndt, haben ein sehr klar definierbares Charakter-Profil: „Sie sind keine Affekttäter, sondern planen ihre Tat von langer Hand.“ Ihnen liege meist eine frühkindliche Persönlichkeitsstörung zu Grunde, die sich im Sozialverhalten widerspiegelt.

Flucht in eine Scheinwelt

So reagierten die jungen Leute auf Kränkungen mit einem Rückzug und der Kompensation durch die Flucht in eine Scheinwelt. Berndt beschreibt den Entschluss eines Menschen, Amok zu laufen als das Ergebnis eines Bündels von Einflussfaktoren: Meist ging etwa ein unverkraftetes Ereignis voraus, immer ist der Zugang zu Waffen eine Grundvoraussetzung. Bis sich ein Täter zum Amoklauf entschließt, vergeht Zeit, in der er stetig Hilfe-Signale aussendet. Die zu erkennen und dem jungen Mann Hilfe anzubieten – das ist eine der Aufgaben der Krisenteams. Kein leichter Job, sind doch Verhalten und Aussagen von auffälligen Schülern nicht immer eindeutig. So geht es in einer Einheit des Kurses zum Beispiel auch um die Frage, wie man erkennen kann, ob eine Drohung ernst gemeint ist oder nicht.
 Am Ende dieses Kurs-Tages am LpH steht eine Praxiseinheit. Die Lehrer sollen sich mit Möglichkeiten vertraut machen, wie sie spielerisch ein kooperatives, vertrauensvolles Klassenklima fördern können. Im Hof des St. Ingberter Instituts stehen die 20 Pädagogen um ein zum Ring gelegtes Seil. Es begrenzt den „Säuresee“, in dessen Mitte eine kleine Legofigur steht. Gemeinsam müssen die Teilnehmer eine Strategie entwickeln, die Figur zu „retten“, ohne den Boden zu berühren. Es dauert nur wenige Minuten bis die Gruppe eine Lösung gefunden hat. Dann schwebt Förderschullehrerin Silke Trampert an einem Seil hängend über den See. Hochgehalten von den vereinten Kräften der gesamten Gruppe. Mit dabei ist auch der kritische Gymnasiallehrer. Es sei ein tolles Spiel, das er mit in seine Klasse nehmen werde, sagt er.

Die anderen nicken. Allen ist klar, dass auch dieses fröhliche Spiel vor allem dazu beitragen soll, ein sehr ernstes, schreckliches Ereignis zu verhindern.
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