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So war Christian Wulffs Besuch im Saarland

Von SZ-Redakteurin Cathrin Elss-Seringhaus

Saarbrücken/Homburg.Das Saarland müsste eigentlich so ganz nach dem Gusto des Bundespräsidenten sein. Jedenfalls wurden Christian Wulff (51) bei seinem gestrigen Antrittsbesuch Themen serviert, die ihn nicht nur Routine-Formulierungen abspulen ließen, sondern die ihn offensichtlich als dreifachen Familienvater persönlich bewegen wie auch polit-strategisch beschäftigen. Nicht auszuschließen, dass Themen wie Verteidigung des Föderalismus, mehr Unterstützung für bürgerschafltiche Arbeit und Ermunterung zu einer familienfreundlichen Unternehmenspolitik Wulff als Profilierungs-Schwerpunkte durch seine verbleibenden vier Amtsjahre begleiten werden – neben Islam und Integration.

Letztere waren an der Saar kein Thema, obwohl dies auch nahe gelegen hätte. Stattdessen bot man dem Bundespräsidenten ein „heiles“ Bild, ein sehr junges dazu. Statt Trachten- und Folkloregruppen wie in anderen Bundesländern üblich, musizierten, tanzten und turnten hier zu Lande Kinder und Jugendliche. Die traf Wulff vor und in der Saarbrücker Staatskanzlei, wo er sich zunächst ins Gästebuch eingetragen hatte.

 Danach, gegen 10.15 Uhr, rund 45 Minuten nach seiner Landung mit einer Challenger-Maschine der Flugbereitschaft der Bundeswehr in Ensheim, traf Wulff bei einem Empfang 80 Ehrenamtler. Und tatsächlich gesellte er sich nach dem offiziellen Teil zu den Menschen an den Stehtischen. Wie Wulff überhaupt während des 360-Minuten-Besuchs an der Saar, die ihm, allen Gastgebern und Begleitern ein recht rabiates Tempo abverlangte, keine Chance ausließ, ins Gespräch mit Bürgern zu kommen.

Sei es, dass er beherzt auf Studenten zuging, die auf dem Dudweiler Campus vor dem Deutschen Foschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) eher zufällig warteten. Die vielen Anzugsträger, Polizisten und der acht Wagen starke Limousinen-Konvoi hatten sie spontan stoppen lassen. Eine Studentin gab Wulff dann höflich und knapp Auskunft über ihr Dolmetscherstudium. Wulff findet die Aufwertung dieser Ausbildung wichtig. Das ist das Angenehme an seinem Job: Er darf immer Zustimmung spenden.

Später auch familienfreundlichen Unternehmern, die ihn gegen 14.20 Uhr in der Homburger Firma Dr. Theiss Naturwaren GmbH erwarten, seiner letzten Station vor dem Rückflug nach Berlin, wo, wie man hörte, abends bereits die nächste Verpflichtung wartete.Dieser Bundespräsident hat das Etikett „nahbar“ verdient, das ihm die Medien gaben. Anders als bei seinem Vorgänger Horst Köhler spürt man die harte Schule bürgernaher Tagespolitik, die Wulff sieben Jahre lang als niedersächsischer Ministerpräsident absolvierte, bevor er im Juni 2010 in die höchste protokollarische Rangstufe aufstieg.

Ein autoritätsgebietender Vater der Nation? Dafür wirkt Wulff zu jugendlich-alert, seine Würde zu smart. So zückt er beispielsweise 200 Euro aus dem privaten Geldbeutel, um die erste Bürgeraktie des Saarlandes zu Gunsten ehrenamtlichen Engagements zu erstehen. Die Fotografen sollen die Szene dokumentieren: „Damit meine Frau weiß, wo das Haushaltsgeld geblieben ist.“

Wulff wirkt dabei nicht plump anbiedernd, nur spontan. Er pflegt eine sehr verständliche, unmittelbare Diktion. Etwa, wenn er in der Staatskanzlei über eine Aufwertung des Ehrenamtes spricht. Nicht theoretisch-soziologisch, sondern aus der Sicht der Familie, die nicht selten Angst habe, zu kurz zu kommen, wenn sich der Vater ein Amt „andrehen“ lasse.

Dann kommt Wulff auch auf die Saarschleife zu sprechen, die sich ins „kollektive“ Gedächtnis eingebrannt habe, dank des legendären Treffens von Gerhard Schröder und Oskar Lafontaine im Jahr 1997, als die Kanzlerfrage verhandelt wurde. Wulff scherzt fast, wenn er das erwähnt und dabei salopp zum heutigen Chef der „Linken“, Lafontaine, hinüberwinkt, der, wie alle Fraktionsvorsitzenden der Landtagsparteien, am vormittäglichen Programm teilnimmt. Bereits zuvor war Lafontaine zu Ehren gekommen, als 22 Grundschulkinder aus Beckingen ihr sympathisch-lokalpatriotisches Lied vom „Saarvoir Vivre“ vortrugen – bekanntlich eine PR-Erfindung der damaligen SPD-Landesregierung. Heute ein Stück Selbstbewusstsein und Identität.

Die Eigenständigkeit des Saarlandes beschäftigte auch Ministerpräsident Peter Müller (CDU) in seiner Ansprache. Er konnte sich der offenen Ohren des „überzeugten Föderalisten“ Wulff sicher sein. Man kennt sich, man duzt sich. Müller schlägt bei seinem wohl letzten großen Auftritt vor seinem Rückzug aus der Politik seinen typischen, bereits verloren geglaubten aufgekratzten, schlagfertigen Ton an. Und er überlässt seiner Nachfolgerin Annegret Kramp-Karrenbauer eine tragende Rolle. Die Ministerin für Arbeit, Familie, Prävention, Sport und Soziales absolviert eine Art „staatsfraulichen“ Testlauf – fernab von Müllers Jovialität. Ihr Stil ist weit sachlicher.
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