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So war die Premiere des Circus Roncalli in Saarbrücken

Diese Frau hängt fürwahr an ihrem Mann. Die Tuchakrobatik von Yves und Ambra ist der Höhepunkt des Circus Roncalli, der gerade in Saarbrücken gastiert. Fotos: Thomas Reinhardt

Diese Frau hängt fürwahr an ihrem Mann. Die Tuchakrobatik von Yves und Ambra ist der Höhepunkt des Circus Roncalli, der gerade in Saarbrücken gastiert. Fotos: Thomas Reinhardt

Fast hatte man vergessen, wie schön Zirkus sein kann. Also dieser Zirkus nach alter Art, der keine hochtourige High-Tech-Show à la Flic Flac sein will. Und auch kein Körpertheater wie meist im Cirque Nouveau. Vor 40 Jahren wurde die Idee des Zirkus Roncalli geboren, ja, damals noch mit „Z“, die Magie von Menschen, Tieren, Sensationen nicht nur weiterzutragen, sondern voller Poesie neu zu erzählen. Bernhard Paul und André Heller versuchten es 1976 erst gemeinsam. Kurz nur hielt der Manegenbund. Weil Heller, dieser notorische Traumtänzer, bei allem, was er plant, eine Handbreit über dem Boden schwebt. Bernhard Paul stand aber mit beiden Füßen zum Glück fest genug im Sägemehl, um den Traum dann doch Realität werden zu lassen – mit „C“ wie Circus.



Im Jubiläumsjahr feiert sich Roncalli nun mit zwei Shows, eine davon, „Salto Vitale“, hatte Mittwochabend Premiere in Saarbrücken . Und? Funktioniert er noch – der Roncalli-Zauber von einst? Hmh. Auf jeden Fall ist alles mit Hingabe inszeniert. Die Roncalli-Lichterschrift funkelt verheißungsvoll über dem 1500-Zuschauer-Zelt. Sogar das Sägemehl scheint liebevoller geharkt als in anderen Manegen. Und immer noch spielt ein echtes Orchester, das die Jongleure und Handstand-Virtuosen trommelwirbelnd anfeuert, aber auch mal musikalisch auffängt wie ein Netz, wenn ein Kunststück fehlgeht. Dazu glitzert die Schönheit der Artistinnen mit dem Kostümstrass um die Wette, und die Herren Akrobaten haben herrlich schrankbreite Schultern und fast alle ein gemeißeltes Kirk-Douglas-Kinn. Ja, eigentlich alles perfekt – und doch wirkt manches überraschend vorgestrig. Wenn da etwa Huskys ihre so langbeinig-schönen wie schön langbeinigen Frauchen umtänzeln. Ob mit Hunden oder Pferden, die Saabel Family versteht sich ja gewiss auf die Arbeit mit Tieren, doch setzt das Programm, derart altmodisch, kaum zum Salto vitale an – höchstens zum Salto museale. Auch die Späßchen der Clowns wurden wohl schon ein Dutzend Mal zu oft durch die Manege getrieben.

Vielleicht ist ja aber auch genau das die Würze dieser Jubiläumsshow, den Circus Roncalli zu zeigen wie er war – und wie er sein kann. Mit dem roten Stachelmann Andrej Ivakhnenko beginnt nämlich kurz vor der Pause eine andere circensische Zeitrechnung. Gleich einer Comicfigur hakt sich der anarchische Harlekin ans Schlappseil, zittert wie vom Stromschlag getroffen und radelt doch mühelos auf dem Einrad über den schwankenden Stahldraht, jongliert noch dazu. Eine irrwitzige Potenzierung der Balancierungskunst. Grandios und preisgekrönt vom Pariser Zirkusfestival.

Genauso staunt man über den italienischen Illusionisten Jimmy Saylon, der im viktorianischen Steam-Punk-Look reihenweise seine Assistentinnen in gläsernen Kisten verschwinden und wieder auftauchen lässt. Wie macht er das bloß? Wo doch kein doppelter Boden irgendwo zu ahnen wäre. Ein Hexenmeister der großen Show.

Gabor Vosten begeistert dagegen eher im Kleinen. Er spielt Flöte, aber wie! Mit Mund und Nase, drei, vier, fünf Instrumente gleichzeitig. Und man hat bei ihm so mit Lachen zu tun, dass man leicht darüber hinweghören könnte, welch' brillanter Virtuose er auf dem Allerweltsinstrument Blockflöte ist. Ja, so vieles bringt die Premierengäste im leider nicht ganz gefüllten Zelt zum Freuen, zum Staunen, dass man gar nicht nach dem Höhepunkt fragen mag. Aber es gibt ihn. Gleich antiken Statuen, die zum Leben erwachen, klettern, schlingen, wickeln sich Yves und Ambra Nicols nur an zwei Tüchern hoch in die Zirkuskuppel. Komplett mit Goldbronze bedeckt, die ihre athletischen Körper zu Kostbarkeiten adelt. Und da sind sie auch, die Atemlos-Momente, die ein echter Zirkus auch braucht – wenn Ambra fällt und im letzten Moment an seinem starken Nacken Halt findet. Halsbrecherisch könnte das werden. Aber zum Glück finden vollendete Artistik und Ästhetik einfach nur perfekt zusammen. So schön kann Zirkus, pardon, Circus sein.

 

Zum Thema:

Der Circus Roncalli gastiert noch bis 20. März auf den Saarterrassen in Saarbrücken . Vorstellungen: heute (19.30 Uhr), 12. März (15.30 und 19.30 Uhr), 13. März (14 und 18 Uhr), 16. März (15.30 und 19.30 Uhr), 17. März (19.30 Uhr), 18. März (19.30 Uhr), 19. März (15.30 und 19.30 Uhr), 20. März (14 Uhr).Eintrittspreise 16 bis 48 Euro. Karten unter Tel. (0 18 06) 15 05 55 oder bei der Saarbrücker Zeitung und anderen Vorverkaufsstellen. red
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