A620 Saarbrücken Richtung Saarlouis AS Saarlouis-Mitte Baustelle, Ausfahrt gesperrt bis 22.12.2017 16:00 Uhr (13.11.2017, 11:43)

A620

Priorität: Dringend

10°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
10°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

So will Saarbrücken Schulschwänzer motivieren

Saarbrücken. Sie stecken mitten in der Pubertät, lassen sich treiben, leiden aber auch oft unter der Scheidung ihrer Eltern oder sogar Todesfällen in der Familie. Irgendwann kommen Jugendliche nicht mehr in die Schule. Dann schlägt die Stunde der drei Frauen des Projektes „Zweite Chance“ in Malstatt. Sie kümmern sich im Auftrag des Jugendamtes um die besonders schweren Fälle – wenn Jugendliche mindestens zehn Tage unentschuldigt in der Schule gefehlt haben.



„60 Prozent der von uns betreuten Jugendlichen schaffen den Abschluss“

„Die Jugend stärken“ haben sich die Sozialpädaginnen Gabriele Ames, Beate Weinmann und Marina Bäumchen auf die Fahnen geschrieben. So heißt auch das Bundesprogramm gegen Schulverweigerung. Dabei arbeitet das Team des Diakonischen Werks eng mit Lehrern und Sozialarbeitern in den Schulen zusammen, sie versuchen aber auch, mit Eltern und Freunden zu reden. „Die Jugendlichen wollen in der Regel in die Schule gehen und einen Abschluss machen“, meint Ames. Aber die persönlichen Probleme hindern sie oft daran. In vielen Fällen verstünden die Eltern ihre Kinder nicht. „Die sind oft überfordert, wenn die Kinder morgens einfach im Bett liegen bleiben.“ Also vereinbaren die Mitarbeiterinnen des Diakonischen Werks mit den Schulschwänzern erstmal einen Termin, möglichst in der Schule, und versuchen, die Jugendlichen zu motivieren, weiterzulernen. Der Hauptschulabschluss ist das große Ziel. „60 Prozent der von uns betreuten Jugendlichen schaffen den Abschluss“, sagt Ames.

An fünf Schulen ist sie mit ihren Kolleginnen regelmäßig vor Ort: an den Gesamtschulen Rastbachtal und Ludwigspark, der Erweiterten Realschule Bruchwiese und den Förderschulen Rodenhof und von-der-Heydt. Die Gesamtschule (GS) Rastbachtal lag im vergangenen Jahr mit 17 Langzeit-Schulschwänzern an der Spitze, gefolgt von der GS Ludwigspark mit elf Fällen, berichtet Ames.

Die meisten Schüler zwischen 12 und 14 Jahren

Sie greifen aber auch ein, wenn eine andere Schule nicht mehr weiter weiß. So steht es in der Statistik des Projekts „Zweite Chance“. 64 Schüler waren es 2010 insgesamt. Die meisten Schüler, die Gabriele Ames und ihre Kolleginnen betreuen, sind zwischen 12 und 14 Jahren.

Das Diakonische Werk holt sich auch Hilfe von außen, um den Jugendlichen beim Weg zurück in die Schule zu helfen. Sie schicken die Schulschwänzer zu einer Schülerhilfe, wo sie den Unterrichtsstoff nachholen. „Denn Erfolgserlebnisse sind sehr wichtig“, erklärt Ames. Natürlich werde regelmäßig kontrolliert, dass die Jugendlichen auch wirklich das Angebot der Schülerhilfe annehmen. Auch der schulpsychologische Dienst des Jugendamtes sei ein wichtiger Partner. Mit jedem Schüler erarbeitet „2. Chance“ einen Förderplan. Parallel dazu stehen die Mitarbeiterinnen in engem Kontakt mit den „Unterstützern“ wie Lehrern, Sozialarbeitern, Eltern oder Freunden. Ames gibt aber zu, dass sie mit ihren Kolleginnen nicht immer erfolgreich ist: In zehn Prozent der Fälle scheiterten sie. Dann bleibe ihnen nur, die Schule wieder einzuschalten und sie zu ermutigen, eine Gefährdungsmeldung an das Jugendamt oder das Familiengericht zu schicken.

In besonders schlimmen Fällen ruft die Schule die Polizei. Die rückte 96 Mal im vergangenen Jahr in Alt-Saarbrücken, St. Johann und Burbach aus, um Dauer-Schulschwänzer wieder in ihre Klasse zu bringen, teilt Oberkommissar Thomas Meiser mit.

Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein