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So wird der Urlaub nicht zum Super-Gau

Berlin. Das Schlimmste ist die Werbung, die von den schönsten Tagen des Jahres schwadroniert. Das empfinden manche Urlauber mit anderen Erfahrungen fast schon als Bedrohung. Hauptsächlich Paare wissen, dass Ferien tückisch sein können, vor allem solche mit vier S-Zutaten: Sonne, Strand, Sex – und Streit. So wie Ulrike und Daniel, bis vor kurzem noch ein Ehepaar mit zwei Kindern.

Unausgesprochenes eskaliert

Im letzten Sommer flogen sie an die türkische Riviera. Weitab vom eingespurten Alltag mit seinen verlässlichen Leitplanken kamen plötzlich Ungereimtheiten zwischen den Partnern auf, brach sich Unausgesprochenes in nie benutzten Worten Bahn, führte Unaufgearbeitetes zur Eskalation. Die Konflikte, im Alltag unter den Teppich im Eigenheim gekehrt, waren in der Fremde unausweichlich. Nach der Rückkehr reichte Ulrike die Scheidung ein.

Ulrike, die in einem Hotel als Sales Manager arbeitet, wollte am Pool liegen, Bücher lesen, mit Kindern und Mann hin und wieder an den Strand gehen, abends gemütlich Wein auf der Terrasse trinken, Gespräche führen, viel schlafen. Ruhe, Ruhe war ihr Bedürfnis.

Unterschiedliche Erwartungen

Daniel, Handwerkermeister mit eigenem Betrieb, suchte die Abwechslung. Tauchen wollte er, Mountainbike fahren bis an die körperlichen Grenzen, mit dem Mietauto die Riviera erkunden, antike Stätten besuchen, mit seiner Frau einen zweiten Frühling erleben. Programm, Programm war sein Bedürfnis.

Der halbwüchsige Sohn war begeistert, die Tochter, noch ein Kind, mäkelig. Es bildeten sich Fronten: Mutter und Tochter, Vater und Sohn. „Da war der Urlaub im Eimer“, sagt Daniel. Das kommt in den besten Familien vor. Der Urlaub ist zum Minenfeld zwischenmenschlicher Beziehungen geworden, weil er mit höchst unterschiedlichen Erwartungen überfrachtet ist. Detonationen sind oft unaufhaltsam, zumal mit Macht Probleme an die Oberfläche drängen, die schon seit längerer Zeit darunter köcheln. Paare, vor allem kinderlose, sind oft nicht mehr daran gewöhnt, den ganzen Tag zusammen zu sein. Statt der statistischen zehn Minuten Gespräch pro Tag haben sie jetzt Stunden dafür, aber nicht mehr so viel Gesprächsstoff.

Viele verspüren die Liegestuhl-Depression

„Raus aus dem Urlaub, rein in den Stress“, sagt Egon Humpeler, 64, Arzt in Bregenz, Professor in Innsbruck. Seit Jahren beschäftigt er sich mit Fragen wie: Was sind die Grundvoraussetzungen für einen erholsamen Urlaub? Wie lange sollte man eigentlich Urlaub machen? Besser aktiv sein oder einfach nichts tun? Ans Meer oder in die Berge reisen? „Die Hälfte der Urlauber erreicht den erwarteten Erholungsgrad nicht“, weiß Humpeler, „nahezu drei Viertel verspüren die Liegestuhl-Depression. Immer seltener wird regelmäßig geurlaubt, und jede dritte Ehescheidung wird nach einer gemeinsamen Reise eingereicht.“ Seine langjährige ärztliche Praxis hat ihm gezeigt, was die Folgen sind. Der Experte hält individuell zugeschnittene Urlaubsberatung inzwischen für angemessen. „Urlaub wurde ursprünglich als Gesundheitsmaßnahme, als ‚Krafttanken’ und eine Zeit der verstärkten Achtsamkeit sich selbst gegenüber eingeführt. Das ist bis heute der Sinn. Je mehr im Urlaub gewonnene Energie in den Alltag einfließen kann, desto besser“, sagt Humpeler.

Verdrängte seelische Bedürfnisse

Das größte Problem in unserer schnelllebigen Zeit ist, dass unbefriedigte Bedürfnisse in dieser Zeit zutage treten. Darauf sind die meisten Urlauber nicht vorbereitet. Sie wollen sich erholen und machen, was im Alltag nicht geht. Aber schon zu Beginn der Ruhephase meldet sich die Psyche. Seelische Bedürfnisse, sonst im täglichen Gewusel untergemüllt, drängen mit Macht hervor.

Oft brechen Konflikte auf, an die man nicht mehr gedacht oder als längst erledigt betrachtet hat. Aber die Seele lässt sich nicht austricksen, das Gedächtnis funktioniert penibel.

Seelenkundler wissen, dass Zeit haben die größte Chance für gelungenen Urlaub ist. Urlaub unter einer Woche hält Egon Humpeler für geradezu gefährlich, auch zwei Wochen sind fast nie ausreichend. Das Optimum sind drei Wochen. Wohin die Reise gehen soll, muss letztlich jeder selbst entscheiden. Humpeler empfielt vor allem Wandern. Es sei „Breitwandtherapeutikum für den Körper und beruhigt das vegetative Nervensystem“. Urlaub müsse auch nicht immer mit Reisen verbunden sein. Erholung zu Hause „kann auch viel bringen“. Jeder Urlaub kann eine Chance sein – wenn sie genutzt wird.

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