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So wollen Saarbrücker Forscher gefährliche Erreger bekämpfen

Die moderne Medizin steht vor einem Problem, das sich seit Jahren verschärft. Antibiotika, die einst zur Behandlung von Infektionskrankheiten eingesetzt werden konnten, verlieren zunehmend ihre Wirkung, da sich Krankheitskeime im Laufe der Jahre an die Wirkstoffe angepasst haben und gegen diese resistent geworden sind. Geläufigstes Beispiel ist MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus), der sogenannte Krankenhauskeim. Zahlen des Europäischen Zentrums für Krankheitskontrolle und Prävention in Stockholm belegen, dass dieses Bakterium bei rund 30 Prozent aller Menschen auf der Haut oder in den Schleimhäuten nachgewiesen werden kann. Der für gesunde Menschen harmlose Keim kann bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem Wundentzündungen und Atemwegsinfektionen hervorrufen und mit Standard-Antibiotika, die gegen diese Erregergruppe eingesetzt werden, nicht erfolgreich behandelt werden, erklären die Experten vom Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin. Die Alternative sind häufig weniger gut verträgliche Therapien.

Aus diesem Grund bemühen sich Wissenschaftler am Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS) auf dem Uni-Campus in Saarbrücken, neue Arzneimittel gegen solche resistenten Erreger zu entwickeln. Das Saarbrücker Institut, das im Jahr 2009 gemeinsam von der Universität des Saarlandes und dem Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig gegründet wurde, arbeitet als Außenstelle des HZI eng mit dem Zentrum in Niedersachsen zusammen.

„Die Forscher in Braunschweig beschäftigen sich mit den Erregern und versuchen zu verstehen, wie diese infizieren“, erklärt Professor Rolf Müller, Direktor des HIPS und Leiter einer von drei Forschungsabteilungen am Institut.  gegen die Erreger. „Zunächst untersuchen wir natürliche Quellen für Substanzen, die medizinisch wirksam sein könnten. Das sind hauptsächlich Bakterien, aber auch Pilze oder Pflanzen“, schildert Müller die Arbeit seiner Forschungsabteilung. Die zweite HIPS-Abteilung modifiziert die gefundenen Stoffe, sodass sie im Blutplasma stabil bleiben. Ein drittes Team widmet sich dem Problem: „Wie krieg ich den Stoff zielgerichtet an den Wirkort? Also zum Beispiel in meinen Mundraum, wenn ich eine Entzündung im Kiefer habe“, erklärt Müller.

Eine Besonderheit des Saarbrücker Helmholtz-Standorts ist die enge Verflechtung mit der Pharmazie der Saar-Uni. „Wir haben hier den Sonderfall, dass das Institut quasi aus dem Bestand heraus gegründet wurde.“ Der Vorschlag, das HIPS als Ableger des HZI zu gründen, kam von Rolf Müller selbst, der parallel zu seiner Arbeit bei Helmholtz zurzeit noch den Lehrstuhl für Pharmazeutische Biotechnologie innehat. Auch die beiden anderen Abteilungsleiter am Helmholtz-Institut, Professor Rolf Hartmann und Professor Claus-Michael Lehr, leiten Pharmazie-Lehrstühle. Um sich stärker auf die Forschungsarbeit bei Helmholtz konzentrieren zu können, läuft momentan allerdings unter anderem die Nachbesetzung dieser drei Professuren. „Letztlich soll ein neuer Pharmazie-Schwerpunkt an der Saar-Universität entstehen, ein Zentrum für pharmazeutische Forschung“, stellt Müller in Aussicht. Dazu soll in einigen Jahren auch der jetzige Master-Studiengang Biotechnologie in das Fach Wirkstoff-Biotechnologie umgemünzt werden.

Bis dahin wird sich das Helmholtz-Institut personell verstärkt haben. Laut Müller werden die bisherigen zwei Nachwuchs-Forschungsgruppen, die ebenfalls am HIPS tätig sind, um mindestens eine weitere ergänzt. Um für weiteres Personal Platz zu schaffen und die bislang über den Campus verteilten Labore unter einem Dach unterzubringen, ziehen die Forscher voraussichtlich im März 2015 vom jetzigen Bau, den sie sich mit der Pharmazie teilen, in ein neues Forschungsgebäude um. Die Bauarbeiten am Neubau im Stuhlsatzenhausweg unterhalb des Parkhauses beginnen morgen.
 
Auf einen Blick
Das Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS) wird jährlich mit rund 5,5 Millionen Euro grundfinanziert. 90 Prozent der Gelder steuert der Bund bei, zehn Prozent das Land. Seit seiner Gründung 2009 konnte das HIPS zusätzlich rund zehn Millionen Euro an Drittmitteln einwerben.
An der Finanzierung des 25 Millionen Euro teuren Neubaus des Instituts beteiligt sich mit zehn Prozent das HIPS selbst. Die restlichen Kosten werden vom Land und dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung übernommen. eib
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