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Sohn verunglückt: Saarbrücker Schauspieler helfen Ex-Kollegen

Der Sohn des Saarbrücker Schauspielers Hartmut Volle ist vor einigen Monaten schwer verunglückt. Ex-Schauspiel-Kollegen wollen ihm mit einem Benefiz-Konzert helfen.

Der Sohn des Saarbrücker Schauspielers Hartmut Volle ist vor einigen Monaten schwer verunglückt. Ex-Schauspiel-Kollegen wollen ihm mit einem Benefiz-Konzert helfen.

Saarbrücken. Nach dem Schock kam das Bibbern. Letzteres hält bis heute an. Rund neun Monate ist es her, als Andrea Wolf und Hartmut Volle um 1.30 Uhr morgens erfuhren, dass ihr Sohn Max, der mit Kumpels in einem Schweizer Ferienhaus war, mit dem Rettungshubschrauber nach Bern geflogen wird. Er hat ein tiefes Loch im Kopf. „Fahren Sie schnell“, sagte der Chefarzt, als die Eltern kurz vor Bregenz waren. Damals wurde ihm die halbe Schädeldecke entfernt. Danach wurde er am Rücken operiert. Als er aufwachte, war er vom Nabel abwärts gelähmt, aber geistig unbeschädigt. Doch seitdem man Max im Juni seine Schädeldecke wieder eingesetzt hat, häufen sich die Probleme: Sein Körper nahm die eigenen Knochen nicht an, die Wunde wuchs nie zu, epileptische Anfälle, Wahrnehmungsstörungen und Taubheit in den Armen folgten. „Da guckte der Pflegefall um die Ecke“, sagt sein Vater Hartmut Volle. In wenigen Monaten liegt die vierte Kopf-OP vor Max, und für seine Eltern die von Mal zu Mal gesteigerte Angst, „ob das, was noch gesund ist, gesund bleibt“.

Es sind extreme Monate, die die Schauspieler Andrea Wolf und Hartmut Volle durchleben mussten, die 1997 das Saarländische Staatstheater (SST) verließen, um frei zu arbeiten. Ihre beiden Kinder, Nina und Max, kamen im Rot-Kreuz-Krankenhaus in St. Arnual zur Welt.

Vergessen hat man das Darsteller-Paar hier nie. Volle schrieb sich als Mephisto in die hiesige Theatergeschichte ein, heute hat er einen Stammplatz als Chef der Spurensicherung im SR-„Tatort“. Da Volles Schwester, eine ehemalige SST-Orchestermusikerin, im Saarland lebt, rissen die Kontakte ins Land nie ab. Wie vital die Bindungen wirklich sind, erwies sich jetzt, als sich die Truppe für die Benefiz-Veranstaltung zusammenfand.

Es sind Künstler, die längst nicht mehr auftreten, die das Publikum vermisste und die es jetzt wiedertreffen kann: unter anderem den früheren „Starsänger“ Rudolf Schasching, die beliebte Sängerin Stefanie Krahnenfeld und ihre Kollegin Barbara Gilbert, lange die Nummer eins am SST, zugleich Ehefrau des Intendanten Kurt-Josef Schildknecht, sowie die Schauspielerin Bibi Jelinek, über Jahrzehnte Publikumsliebling. Sie alle fanden sich spontan zu einer Hilfsaktion bereit, die Volles Schwester in die Wege leitete.

Wozu soll das Geld dienen? Die Familie möchte Max das Autofahren ermöglichen und Rücklagen bilden, damit er ein selbstbestimmtes Leben in einer eigenen Wohnung führen kann. Intensiv-Spezialtherapien kosten schon mal bis zu 4000 Euro die Woche, das überfordert die Familie, die ihr Haus in Frankfurt bereits rollstuhlgerecht umbauen ließ. Freischaffende Künstler können sich zudem nicht mal eben von ihrem Arbeitgeber beurlauben lassen, um einen solchen familiären Tsunami zu bewältigen. Angespannt ist die Finanzlage laut Volle im Besonderen, weil die Versicherungen nicht einspringen: Die Berufsunfähigkeitsversicherung noch nicht, die Unfallversicherung deshalb nicht, weil es ein Freizeitunfall war.

Man mag es sich kaum vorstellen: Wie ein sportlicher junger Mann nach einem übermütigen Tag mit Freunden auf dem Gipfel des Hochgefühls einen Handstand auf der Balkonbrüstung macht – und in die Tiefe stürzt, existenziell, für immer. Zu einem Zeitpunkt, da man üblicherweise das Leben mit großen Sprüngen gerade beginnt. „Er war am Punkt des Absprungs in ein eigenes Leben und wurde gezwungen zurückzukommen“, sagt seine Mutter Andrea Wolf. Wie viel Zorn und Hader auf sich selbst Max seitdem mit sich trägt, wer ahnt es? Trotzdem schildert Wolf ihren Sohn als weiterhin lebenszugewandten, kampfbereiten Kerl. Noch im November dachte Max, er könne in seine Klasse zurück, um Abitur zu machen. Doch dann kamen die bösen Komplikationen samt der Aussicht auf weitere Gehirn-Operationen und die unbändige Sorge, dass es jedes Mal riskanter wird: „Das Gehirn nimmt jeden Eingriff übel“, sagt Wolf. „Wir müssen mehr Geduld haben, als wir alle haben.“


Auf einen Blick

„Wir singen und spielen für Max“ am 27. Januar, 16 Uhr, in der Basilika St. Johann. Mit: Barbara Gilbert (Sopran), Stefanie Krahnenfeld (Sopran), Rudolf Schasching (Tenor). Querflötenquartett (D. Strey, A. Stella, M. Diepers, E. Abels), Wolf-Dietrich Wirbach (Cello), Bernhard Leonardy (Orgel), Kammerchor Dillingen (Leitg: Franz Neidhöfer).

Lesung zum Thema Engel und Schutzengel: Bibi Jelinek, Andrea Wolf, Hartmut Volle. Es gibt keinen Kartenvorverkauf, gespendet wird vor Ort oder auf das Spendenkonto bei der Sparkasse Saarbrücken: 670 392 63, Bankleitzahl 590 501 01. Verwendungszweck: Spende für Max. ce
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