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Sonntagsarbeit: Saar-Behörden erteilen immer häufiger Sondergenehmigungen

Für Krankenschwestern auf der Intensivstation, Busfahrer oder Kellner macht der Dienstplan keinen Halt vor Sonn- oder Feiertagen. In diesen sowie vielen anderen Branchen gehört das zur Normalität und wird ausdrücklich durch gesetzliche Regelungen erlaubt. Im Saarland werde auch in diesen Sparten „die weitaus überwiegende Sonn- und Feiertagsarbeit geleistet“, teilte die Landesregierung auf eine Anfrage des Linke-Abgeordneten Heinz Bierbaum mit.

28,6 Prozent der erwerbstätigen Saarländer haben im Jahr 2012 auch an Sonn- und Feiertagen gearbeitet. Davon waren 14,5 Prozent gelegentlich an diesen Tagen im Einsatz, 11,3 Prozent regelmäßig und 2,9 Prozent ständig, wie aus dem Mikrozensus, der repräsentativen Befragung deutscher Haushalte durch die Statistikbehörden, hervorgeht. Insgesamt sind diese Zahlen demnach in den vergangenen zehn Jahren annähernd stabil geblieben – 2005 leisteten bereits 28 Prozent Sonn- und Feiertagsdienste.

Erheblich zugenommen hat aber die Anzahl der Sondergenehmigungen für Sonn- und Feiertagsarbeit. Sie werden für den Handel vom Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz erteilt. Mit dieser Bewilligung dürfen die Mitarbeiter „im Handelsgewerbe an bis zu zehn Sonn- und Feiertagen im Jahr“ eingesetzt werden, „an denen besondere Verhältnisse einen erweiterten Geschäftsverkehr erforderlich machen“, heißt es im Arbeitszeitgesetz.

Während im Jahr 2005 nur 5401 Beschäftigte in 189 saarländischen Firmen davon betroffen waren, sind es mittlerweile 9230 Menschen, die in 330 Unternehmen auch an Sonntagen und Feiertagen arbeiten – ein Anstieg der Betroffenen um 71 Prozent. Für die Wirtschaft ist das ein gutes Zeichen: „2005 war eine Krisenzeit. Fünf Millionen Menschen waren in Deutschland arbeitslos – gegenüber drei Millionen heute. Und die Konjunktur war sehr schwach“, beschreibt Heino Klingen, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Saarland , die Lage. In den vergangenen Jahren habe sich die Wirtschaft aber erholt.

Auch in der Industrie wird der Bedarf nach kontinuierlicher Arbeit, auch an den Wochenenden, größer. Viele Auftragsbücher sind voll. Um die Standorte zu sichern und mit der Konkurrenz im Ausland mithalten zu können, wird auf Sonn- und Feiertage zurückgegriffen. Diese längerfristigen Ausnahmen – zwischen sechs Monaten und fünf Jahren – werden vom Ministerium für Umwelt- und Verbraucherschutz genehmigt. An der Saar wurde diese Bewilligung im vergangenen Jahr von 25 Unternehmen beantragt – gegenüber 14 im Jahr 2005 .

Was die einen freut, ist den anderen ein Dorn im Auge. Für Heinz Bierbaum, der sich beim Landtag über die Entwicklung der Entgrenzung von Arbeitszeiten erkundigt hatte, werde dieser Trend zu einem wachsenden gesellschaftlichen Problem. Arbeitnehmer werden dadurch öfter krank und ihre Familienführung erschwert, meint Bierbaum. „Früher war das Gemeinwohlinteresse der einzige Grund für die Arbeit an Sonn- und Feiertagen. Nun bekommt man immer mehr den Eindruck, der menschliche Lebensrhythmus wird den Interessen der Industrie und des Kapitals untergeordnet“, so Bierbaum.

Auch Eugen Roth , Landeschef des Deutschen Gewerkschaftsbundes und SPD-Landtagsabgeordneter, kritisiert, dass es immer mehr verkaufsoffene Sonntage gebe. „Im Vergleich zu anderen Bundesländern konnten wir aber im Saarland sowohl Arbeit an Sonntagen als auch den erweiterten Ladenschluss bisher im Rahmen halten“, sagte Roth. Aber das gelinge nur, weil Akteure ihre Kräfte bündelten. Hierzulande ist Roth längst nicht der Einzige, der für einen arbeitsfreien Sonntag kämpft. Im Bündnis „Allianz für den freien Sonntag“ haben sich Kirchen und Gewerkschaften zusammengeschlossen und werden auch von saarländischen Parteien und Politikern unterstützt.
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