A62 Landstuhl Richtung Nonnweiler Zwischen AS Birkenfeld und AS Nohfelden-Türkismühle Unfallaufnahme, Gefahr auf dem Überholstreifen (15:01)

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Sounding D: So hört sich Saarbrücken an

Saarbrücken. Vom Musikkarikaturist Gerard Hoffnung gibt es einen Cartoon, auf dem ein angegriffen aussehender Mann mit Augenringen, Rotwein und Zigarette Musik von Alban Berg lauscht. Sechzig Jahre später gehört der Komponist zur klassischen Moderne und treibt längst keinen Konzertbesucher mehr in den Wahnsinn. Die Musik unserer Tage hingegen schon, die meist völlige Abwesenheit von Melodie und Schönklang haben ihr den Ruf intellektuell überfrachteter Kost eingebracht. Es wird also Zeit, Neue Musik dorthin zu bringen, wo sie nicht ist: zu den Menschen.

Bis zum 12. September durch 15 Städte

Deshalb geht nun ein Ruck, pardon, ein Zug, durch das Land. Noch bis zum 12. September rollt der „Sounding D- Zug“, gefördert von der Kulturstiftung des Bundes, durch 15 Städte der Republik und lädt ein, sich auf eine Klangexpedition zu begeben. Mit von der Partie sind auch regionale Netzwerke Neuer Musik, die Aktionen mit Klang-Installationen, Konzerten, Improvisationen, Geräuschen und Lauten abseits ausgetretener Pfade veranstalten.

Am Samstag lief der Zug im Saarbrücker Hauptbahnhof auf Gleis 1 ein. Im Pause-Wagon ist der Andrang groß. Jeder möchte in den alten D-Zug Abteilen den einen blauen Sitz ergattern, dessen Armlehnen mit speziellen Lautsprechern ausgestattet sind. Stützt man die Ellenbogen darauf und hält sich die Ohren zu, verschmelzen Körper und Hörraum zu einer symbiotischen Geste. Die Klanginstallation „Outside In (Blue)“ von Robin Minard verwandelt einen Wagen in ein begehbares Kunstwerk, blaues Licht und stimmige Klangcollagen zaubern Lounge-Atmosphäre. Vermutlich ist der Wagen deshalb bei den vielen jungen Besuchern ein Magnet.
 

Der Clou: an jedem Haltepunkt werden für die Stadt charakteristische Hörpunkte aufgezeichnet und im Zug direkt medial aufbereitet. So entsteht eine klingende Kartographie der Republik.

Hör-Führung spürt ungewöhnlichen Klängen nach

Wer immer schon wissen wollte, welche Klänge für Saarbrücken typisch sind, konnte sich einer Hör-Führung anschließen. Hier spürten die Teilnehmer, ausgerüstet mit Kopfhörer und Aufnahmegerät, ungewöhnlichen Klängen im Bahnhofsumfeld nach.

Über bunte markierte Punkte konnte man sich schon die letzten Tage im Stadtgebiet wundern. Ein Hörplan Saarbrückens lüftete nun das Geheimnis. Wer sich die Mühe macht, und ein paar der 15 Punkte ansteuert, hört bislang Unerhörtes. Zum Beispiel immer wieder samstags um die Mittagszeit im Hinterhof der Trierer Straße 36 einen Dampfstrahler. An der Uhlandstraße grüßt täglich die Saarbahn, an der Schleuse Güdingen schnattern Gänse.

Kurz-Konzerte an ungewöhnlichen Orten

Hinter dem Titel „Silent City“ verbirgt sich eine geführte Tour zu Kurz-Konzerten an ungewöhnlichen Orten. Als die Konzertspaziergänger im ehemaligen Möbellager Kreutzer in der Mainzer Straße ankommen, steht Christoph Thewes' Modern Chamber Ensemble schon in den Startlöchern. Die elfköpfige Formation bewegt sich zwischen Jazz und experimenteller Musik. Beeindruckend, wie sich hier Zusammenspiel und Improvisationen ergeben und ergänzen. Unter der Bismarckbrücke hat sich derweil ein Blechbläserensemble der Deutschen Radiophilharmonie postiert. Manche Passanten empfinden die Musik als Lärm, andere sind begeistert. Kalt lässt die Aktion niemanden.

Neue Musik hat an diesem Tag, auch dank des hervorragend vom Netzwerk Neue Musik Saar organisierten Rahmenprogrammes, in Saarbrücken etwas geschafft, was ihr sonst selten gelingt: sie ist im Ohr – und im Gespräch.

Viele Klänge sind nachzuhören im Internet unter: :: www.sounding-d.net

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