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Sozialarbeiter streifen durch Saarbrücken

Saarbrücken. Diese Todesanzeige ärgert Heinz Schuh heute noch, gut 13 Jahre nach ihrem Erscheinen. Da war die Rede von denen, die im Warmen sitzen und sich nicht um die kümmern, die draußen erfrieren. Heinz Schuh kümmert sich um die, die draußen sind – in diesen Tagen ganz besonders. Seit die Temperaturen im Keller sind, ist der Mann vom Sozialamt unterwegs – tagsüber, um Menschen, die auf der Straße leben, davon zu überzeugen, nachts eine der Notschlafstellen aufzusuchen. Nachts, um die zu finden, die trotzdem draußen geblieben sind. Peter wollte draußen schlafen. Im eiskalten November 1998. Er ist unter der Bismarckbrücke erfroren. Heinz Schuh erinnert sich gut daran. Dass es Leute gab, die damals stänkerten gegen ihn und seine Kollegen, hat ihn getroffen. Schuh ist nämlich keiner von denen, die hinter dem Schreibtisch sitzen und glauben, von dort aus Probleme lösen zu können. Es ist in der Nacht zum Freitag.

Es ist kalt. Und Heinz Schuh ist wieder draußen. In dieser Nacht mit Ulla Frank und Matthias Wietschorke von der Diakonie. Die Drei gehen die Innenstadt ab, um zu sehen, ob da draußen noch jemand ist, der Hilfe braucht. Wer jetzt noch draußen ist, habe ein psychisches Problem, erklärt Schuh. Denn bei diesem Wetter könne man zwar wilde Geschichten von Freiheit erzählen, aber die, die sie erzählen, blenden die Wirklichkeit aus. Sie sind keine Extremsportler, keine tollen Kerle, die der Natur trotzen, sondern in der Regel krank und geschwächt. Und zumindest einige von ihnen „leben in einem Film“, in einer Fantasiewelt, sagt Ulla Frank. Der Mann zum Beispiel, der sich wie ein Soldat kleidet und offenbar glaubt einer zu sein, obwohl – oder gerade weil? – er bei der Musterung durchgefallen ist. Er ruft schonmal sein Bataillon zu Hilfe, wenn er den Eindruck hat, dass ihm jemand zu nahe kommt. Er schläft am Schloss, weil er glaubt, dass er in ein Schloss gehört, Sein Geld gibt er für teuer Bildbände aus, die er nicht lagern kann, und eigentlich zu schwer sind für ein leben mit leichtem Gepäck. Drei Frauen gibt es in der Stadt, „die hartnäckig draußen sind“, sagt Ulla Frank.

Eine von ihnen wurde zwangsweise in die Klinik auf dem Sonnenberg eingewiesen. Die zweite spüren die drei Sozialarbeiter in dieser Nacht im Hauptbahnhof auf. Sie schiebt etwas vor sich her, das mal ein Kinderwagen war. Schuh, Frank und Wietschorke machen einen Bogen um die Frau, beobachten sie aus der Ferne. Sie wird schnell laut, wen man ihr helfen will, erklärt Schuh. Die Frau wird diese Nacht im Warteraum des Bahnhofs schlafen. Das Bahnhofsmanagement habe zugesagt niemanden rauszuwerfen bei dieser Kälte. Die zweite Frau, eine Französin, entdeckt Schuh im Mcdonald’s gegenüber des Bahnhofs. Sie hält sich an einem Kaffee fest. Auch sie wird diese Nacht im Bahnhof schlafen. Der 20-Jährige, der es mit sich alleine und etwas Tabak nicht aushält in der Obdachlosenwohnung im 13. Stock auf der Folsterhöhe, ist diese Nacht nicht draußen. Der Drogenabhängige, der von alleine nicht in die Notschlafstelle kommt, weil er gefunden werden will da draußen, wie am Abend zuvor zitternd, orientierungslos, ist auch nicht da. Und dem Mann, der sich hinter dem Finanzamt zum Schlafen hingelegt hat, glaubt Schuh, dass er es schafft da draußen – zumindest in dieser Nacht.
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