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Sozialer Spitzen-Koch zu Gast im Saarbrücker Rotenbühl-Gymnasium

Wam Kat freut sich über fröhlich rührende Schüler im Küchenzelt. Foto: Silvia Buss

Wam Kat freut sich über fröhlich rührende Schüler im Küchenzelt. Foto: Silvia Buss

„Kann ich noch Handschuhe bekommen?“, ruft Karthiga. Ihre Finger sind von der Roten Beete schon ziemlich verfärbt. Zusammen mit Sarah, Gianluca und Morgan sitzt er im Eingangsfoyer des Saarbrücker Gymnasiums am Rothenbühl an einem Biertisch und schnippelt, was das Zeug hält. Zu Hause habe er noch nie Gemüse geputzt und geschnitten, gesteht Morgan, da mache das die Mutter. Doch heute ist ein besonderer Tag. Wam Kat ist nach Saarbrücken gekommen, um die ganze Schule zu bekochen. Es gibt Gemüsesuppe und geschmorte Rote Beete für 1000 Schüler und Lehrkräfte.

 

Alle Zehntklässler mussten von daheim ein Schneidebrett und ein Messer mitbringen. Denn 500 Kilogramm Gemüse zerkleinern sich nicht von selbst. Massen zu bekochen, das ist für Wam Kat das täglich Brot. Der 59-jährige Niederländer ist seit Jahrzehnten der Koch der sozialen Bewegungen in Deutschland. Ob in Brokdorf, Gorleben, an der Startbahn West oder beim G 7-Gipfel in Heiligendamm – überall wo in den vergangenen Jahrzehnten demonstriert wurde, sorgte er dafür, dass die Aktivisten bei Kräften blieben.

 

Kochen ist für Wam Kat immer – auch außerhalb von Demos – etwas Politisches. In einem Buch hat er darüber geschrieben. Ein Dorn im Auge ist Wam Kat besonders die Lebensmittelverschwendung. „Nur die Hälfte der Lebensmittel, die angebaut werden, wird auch gegessen“, erklärt er. Die andere Hälfte lande im Müll. Das müsse nicht sein, findet Wam Kat und engagiert sich für die Verwendung von regionalen, ökologischen und fair gehandelten Produkten. Und genau deshalb ist er hier.

 

„Wir sind die erste Fair-Trade-Schule im Saarland“, sagt die Englischlehrerin Anne-Marie Schmitt stolz. Auf ihre Anregung hin ist Wam Kat mit seinem Fläming Kitchen Team aus Brandenburg angereist und hat sein Koch-Zelt vor der Schule aufgestellt. Denn, sagt Schmitt, man müsse die Kinder und Jugendlichen doch sensiblisieren. Am Dienstag hatte die Schule zu einer großen Abendveranstaltung eingeladen. Da habe man mit Wam Kat, Vertretern der Saarbrücker Fairtrade-Initiative, der Saarbrücker Tafel und Ökobauern über die Probleme der Lebensmittelproduktion und -verschwendung diskutiert, erzählt Schmitt. Gestern ging es dann um die praktische Erfahrung. „Danach werden wir alle das Thema im Unterricht bearbeiten“, erklärt Deutschlehrerin Elke Ott-Klein. Die Ökomarkt-Gemeinschaft Saar-Pfalz-Hunsrück, ein neuer Zusammenschluss von Ökobauern, spendete das Gemüse . Und zwar nur solches, das nach EU-Normen als nicht zum Verkauf geeignet gilt. In diesem – trockenen – Jahr sei es sehr viel, sagt Wam Kat.

 

Immer wieder drängen große und kleine Schüler heran, um mit den riesigen Kellen in den Töpfen zu rühren. Wie lange muss das kochen? Wie würzt man solche Massen? Geduldig und vergnügt beantwortet Wam Kat die Fragen. Er steckt voller Geschichten. Die Gewürze, erzählt er und greift sich eine Plastikdose, die habe er selber gesammelt, in Bosnien, wo er Flüchtlinge in einem Lager bekochte. Ab 11 Uhr heißt es dann: Essen fassen! Eine Schulklasse nach der anderen strömt ins Freie, wo schon Biergarnituren bereitstehen. Eine Gruppe von Müttern übernimmt die Ausgabe und staunt nicht schlecht. Die meisten wollen Nachschlag. Wam Kat steht noch immer im Kochzelt. „Wenn Kinder freiwillig Gemüsesuppe essen“, sagt er zufrieden, „was will man mehr?“. Nur eines bemängelt eine Mutter: Jeden Tag sollte es für Gymnasiasten eine Mittagspause mit warmem Essen geben. In Niedersachsen sei das üblich, aber leider nicht im Saarland.

 

Zum Thema:

Einstimmig hat der Landtag gestern die CDU/SPD-Landesregierung aufgefordert, sich in Berlin für ein Verbot der Lebensmittelverschwendung einzusetzen. Pro Bundesbürger landeten 82 Kilogramm Lebensmittel jährlich im Müll, beklagte Verbraucherschutzminister Reinhold Jost ( SPD ). dik

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