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Sozialkaufhaus bleibt vorerst geöffnet

Nachrichten aus der Region Saarlouis.

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Es wird nur mit einem „Notprogramm“ sein, wie es die Abteilungsleiterin Jugendberufshilfe beim Diakonischen Werk (DW), Bärbel Heil- Trapp, nennt, aber es bleibt geöffnet: das Sozialkaufhaus Saarlouis. Zumindest bis Ende des Jahres werden dort Waren für Menschen mit wenig Geld angeboten, gebraucht zumeist und aufgearbeitet.

Diese Funktion behält das Kaufhaus, seine erste Funktion aber wird es nicht weiter erfüllen können: Insgesamt 46 zuvor Langzeitarbeitslose hatten hier seit Juni 2011 einen Arbeitsvertrag. Zuvor lebten sie von Hartz IV. 20 Stunden arbeiteten sie, weitere zehn Stunden wurden sie gezielt trainiert. Diese Qualifikation sollte ihnen helfen, auf den regulären, den so genannten ersten Arbeitsmarkt, zu wechseln. „Bürgerarbeit“ heißt das Konzept, ein Programm des Bundes. Stadt Saarlouis und DW vor allem machen das in Kooperation, aber auch andere Verbände sind beteiligt. Doch 2014 läuft das Programm aus. Aus Berlin kommt kein Geld mehr für die „Bürgerarbeiter“. Margret Kuhn, Geschäftsführerin des Jobcenters: „Die Leute stehen jetzt im Regen.“

Damit sind bundesweit Einrichtungen wie das Saarlouiser Sozialkaufhaus am Ende. 500 000 Euro im Jahr fehlen allein in Saarlouis. Elf Bürgerarbeits- Stellen im Kaufhaus sind deswegen schon weg, im Juni folgen weitere 15. Um wenigstens den Betrieb aufrecht zu erhalten, hat der Kreis Saarlouis mit seinem Jobcenter 40 000 Euro bereitgestellt. Das kündigte am Mittwoch Landrat Patrik Lauer im Sozialkaufhausin der Pavillonstraße an.

Qualifizierung fällt weg Die Bürgerarbeit kann damit nicht finanziert werden. Aber für den Rest des Jahres können damit Ein-Euro-Jobber bezahlt werden: Sie führen das Kaufhaus fort, erhalten aber kein spezielles Training und deutlich schlechtere Bedingungen als die Bürgerarbeiter, zum Beispiel keinen Arbeitsvertrag. Soweit nicht Bürgerarbeiter auf die Ein-Euro-Jobs wechseln, geht auch ihre jahrelange Erfahrung in Aufarbeitung und Verkauf verloren. So läuft es bis Ende des Jahres weiter, in der Hoffnung, so Lauer, dass 2015 eine neue Gesetzeslage die Fortführung der Bürgerarbeit ermöglicht.

Das Sozialkaufhaus sei insgesamt „der Inbegriff von Nachhaltigkeit“, wie Udo Blank vom DW Saar formulierte. Lauer, aber auch OB Roland Henz und die Geschäftsführerin des Jobcenters, Margret Kuhn und Heil-Trapp hoben hervor, dass diese Art von Arbeit der Würde der Betroffenen gerecht werde, dass eine reguläre, strukturierte Arbeit positive Effekte auf die Gesundheit habe, ebenso auf die Familie der „Bürgerarbeiter“; das alles entlaste letztlich auch die öffentlichen Kassen. Henz und Lauer forderten weiter ein Umdenken in der Bundespolitik. Maßnahmen für Langzeitarbeitslose dürften nicht weiter allein unter dem Aspekt des Trainings für reguläre Jobs finanziert werden. Neben dem zweiten Arbeitsmarkt (also Trainings wie das Sozialkaufhaus) müsse ein dritter Arbeitsmarkt zugelassen werden: Arbeit, gefördert für Menschen, die trotz Training nie in der Lage sein werden, ihr Geld auf dem ersten Arbeitsmarkt zu verdienen. „Die Politik muss endlich zur Kenntnis nehmen, dass es diese Menschen gibt“, sagte Henz.

Henz verwies darauf, dass die Kunden des Kaufhauses zur Hälfte aus der Stadt und zur anderen Hälfte aus dem Kreis Saarlouis kämen; etwa 20 Prozent seiner Kosten könne das Kaufhaus durch den Verkauf decken. Die Stadt Saarlouis zahle als freiwillige Leistung einen Zuschuss von jährlich 150 000 Euro.

Derweil hat „s’Kaufhaus“ in Saarlouis sein Angebot bereits eingeschränkt, erklärte Leiterin Heike Göbel. Bemerkbar beim Holen und Bringen von Möbeln etwa, und der Fahrradservice sei bereits eingestellt worden.

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