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Sparprogramm bei Eberspächer erregt die Gemüter

Noch ist das Neunkircher Werk voll ausgelastet.

Noch ist das Neunkircher Werk voll ausgelastet.

Große Unruhe im Neunkircher Werk des Autozulieferers Eberspächer. Das Sparprogramm des Esslinger Spezialisten für Abgassysteme und Klimaanlagen erregt die Gemüter. „Die Stimmung in der Belegschaft bewegt sich zwischen Angst, Unzufriedenheit und Unverständnis“, sagte gestern Jörg Caspar, Erster Bevollmächtigter der Gewerkschaft IG Metall in Neunkirchen. Vieles sei unklar: vor allem, wie bis 2016 insgesamt 500 Arbeitsplätze abgebaut werden sollen. Es fehle ein klares Zukunftskonzept. Zudem drohten starke Lohneinbußen.

Die Geschäftsführung stellte die Lage gestern auf der Bilanzpressekonferenz in Esslingen anders da. „Das Ganze läuft und liegt im Plan“, sagte Thomas Waldhier, der in der Geschäftsführung für die Sparte Abgassysteme zuständig ist. Im Neunkircher Werk mit zurzeit mehr als 1900 Beschäftigten werden hauptsächlich Abgasanlagen für deutsche Autobauer hergestellt.

Zunächst verteidigte aber der geschäftsführende Gesellschafter Martin Peters das Sparprogramm. Im Vergleich zum Vorjahr „hat sich die Situation in Neunkirchen weiter zugespitzt“. Trotz voller Auslastung schreibe das Werk tiefrote Zahlen. Ein entscheidender Grund dafür, dass der Gewinn der Eberspächer- Gruppe im vergangenen Jahr um fast 73 Prozent auf 19,5 Millionen Euro eingebrochen ist. Die Kosten müssten daher in Neunkirchen sinken und die Produktivität steigen. Zumal ein wichtiger Auftrag von Daimler weggebrochen sei, wie es hieß. 2015, spätestens aber 2016 soll die Wende geschafft sein, sagte Waldhier. Dafür will Eberspächer auch investieren, allein in diesem Jahr 41 Millionen.

Die Sanierung sei in vollem Gange, versicherte Waldhier. „Der Personalabbau hat begonnen.“ 100 Arbeitsplätze seien bereits gestrichen: etwa durch natürliche Fluktuation und individuelle Vereinbarungen zum Ausscheiden aus dem Betrieb. Eine Größenordnung, über die sich Gewerkschafter Caspar wundert. Er wisse nichts davon, dass die Stellenkürzung so weit vorangeschritten sei. Zudem gebe es keinen Sozialplan, der den Jobabbau regelt.

Klar ist dagegen, dass bis Ende 2014 die Fertigung in Bexbach und Lebach geschlossen und am Standort Neunkirchen konzentriert werden soll. Waldhier bekräftigte auch, dass unrentable Produktion, zum Beispiel von Ersatzteilen, in Schwesterwerke oder an Zulieferer im Ausland verlagert werde.

Er räumte aber ein, dass um die Entlohnung gestritten werde. Eberspächer will weg von einer Bezahlung nach Akkord. „Wir haben es mit einem antiquierten Lohnsystem zu tun“, sagte Waldhier. Die Beschäftigten sollten nicht möglichst viel produzieren, sondern nur so viel, wie benötigt wird. Deshalb soll ein Stundenlohn eingeführt werden. Lohneinbußen von im Schnitt 400 Euro seien die Folge. Gewerkschaft und Betriebsrat sind daher gegen die Umstellung. Anfang Juni geht der Streit darüber in eine Einigungsstelle, in der beiden Seiten unter der Regie eines neutralen Vermittlers verhandeln.

Während der Standort Neunkirchen in der Sanierung steckt, sieht sich die gesamte Gruppe auf Wachstumskurs. Geschäftsführer Peters erwartet bis 2016 ein jährliches Umsatzplus von zehn Prozent. 2013 standen Erlöse von 2,9 Milliarden Euro zu Buche. Das Wachstum finde aber mehr und mehr im Ausland statt, sagte Peters. „Wir können nicht von Neunkirchen aus chinesische Werke der deutschen Autohersteller beliefern.“



MEINUNG

Chefs reagieren zu spät

Von SZ-Redakteur Volker Meyer zu Tittingdorf

Im Neunkircher Eberspächer- Werk liegt viel im Argen. Die roten Zahlen sind nur Folgen einer sich lange anbahnenden Misere. Das Management hat zu spät reagiert. Wenn etwa das Lohnsystem wirklich antiquiert ist, hätte man früher eingreifen müssen. Auch hapert es schon lange bei der Produktivität. Dass eine Sanierung nötig ist, bezweifelt daher niemand. Doch erfolgreich kann sie nur sein, wenn die Geschäftsführung die Belegschaft einbezieht. Ein Gegenbeispiel dafür ist, wie die Eberspächer-Chefs den Stellenabbau ankündigten: Erst war von 300 Stellen die Rede, im Februar plötzlich von 500 Jobs. So schürt man Ängste.  
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