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Spart Jugendamt bald bei behinderten Kindern?

Saarbrücken. Tim (Name von der Redaktion geändert) ist Autist. Er braucht dringend einen Integrationshelfer, damit er mit Nicht-Behinderten gemeinsam unterrrichtet werden kann. Er profitiert sehr davon, seine Leistungen stimmen, sagt seine Mutter. Thomas fühle sich sehr wohl. Doch das Jugendamt des Regionalverbandes, das die Helfer bezahlt, tritt auf die Kostenbremse. Die Ausgaben für „seelisch Behinderte“ seien seit 2007 von 47 000 Euro auf aktuell 660 000 Euro explodiert, teilt Jugendamtsleiterin Uschi Biedenkopf mit. Also überlege das Amt, nur noch eine Unterstützung von 20 Stunden zu bezahlen. Das seien keine Unterrrichtsstunden, sondern „echte“ Stunden, betont sie. Spart der Regionalverband auf dem Rücken behinderter Kinder?

Biedenkopf: „Die 20 Stunden sind eine Richtschnur. Trotzdem wird der Bedarf geprüft. Die 20 Stunden sind nicht ‚gesetzt’.“ Bei Kindern, die kürzlich erst ein Hilfegespräch hatten, bleibe alles beim Alten. Das bestätigt die Mutter von Thomas. Die 36 Wochenstunden habe das Amt nun genehmigt. Doch was passiert mit den anderen Kindern? 68 bekommen nach Angaben Biedenkopfs derzeit Hilfe vom Jugendamt. Viele Anträge müssten noch geprüft werden. Wie viele, konnte sie nicht sagen. Nur, dass die sieben Fälle des Vereins Miteinander Leben Lernen (MLL) nun geklärt sind. „Viele Eltern wissen nicht, wie es nach den Ferien weitergeht. Das wird ein heißer Sommer“, sagt Traudl Hell, Mitglied der MLL-Geschäftsführung, zur Gesamtsituation.



Sie befürchtet, dass für das Jugendamt künftig die Kürzung auf 20 Stunden im Vordergrund stehe und nicht mehr die fachliche Beurteilung. Andererseits verstehe sie, dass das Jugendamt die Kosten überrollen. Die Leidtragenden dürften aber nicht die Kinder sein. Hell: „Das Amt muss sich jeden Einzelfall anschauen.“ Ein Gespräch mit dem Jugendamt sei gut gelaufen. Auch das Bildungsministerium unternehme nun erstmals Schritte in Richtung „inklusive Schule“, in der alle Kinder gemeinsam unterrichtet werden. Hintergrund ist die Konvention der Vereinten Nationen zu den Rechten von Behinderten. Bildungsminister Klaus Kessler hat sich dafür ausgesprochen, mehr behinderte Kinder in den Unterrricht an Regelschulen zu integrieren.

Biedenkopf kündigte an, dass sie mit allen Vereinen und Institutionen, die Integrationshelfer an die Schulen schicken, sprechen werde, um zu klären, wie es weitergeht. Auch ein Spitzentreffen mit Regionalverbandsdirektor Peter Gillo (SPD) und Stephan Körner (Grüne), Staatssekretär im Bildungsministerium, sei geplant. Dort soll ein gemeinsames Konzept für die Integration der Behinderten besprochen werden. Das Ministerium sei schließlich für die Schulen zuständig, betonte Biedenkopf. Sie kann sich vorstellen, dass Schulleiter mehrere Integrationshelfer an die Seite gestellt bekommen. Die könnten sie dann zur Unterstützung verschiedener Kinder einsetzen. Sie bezweifelt, dass es für die Kinder und Jugendlichen immer so gut ist, wenn sie den ganzen Tag von einem Erwachsenen begleitet werden. Doch Tim tut das nach Angaben seiner Mutter bisher sehr gut.




HINTERGRUND

Artikel 24 der Konvention der Vereinten Nationen über die Rechte von Behinderten zwingt das Saarland, den gemeinsamen Schulunterricht zu fördern. In einem Pilotprojekt werden drei Jahre lang an elf Schulen, vier davon in Saarbrücken, zusätzlich sonderpädagogisch ausgebildete Lehrer eingesetzt. Das Land gibt dafür 500 000 Euro pro Jahr aus.


MEINUNG

Kinder brauchen jetzt Sicherheit Unglaublich, aber wahr: Manche Eltern wissen immer noch nicht, ob ihre behinderten Kinder nach den Ferien auch in dem Umfang wie bisher von Integrationshelfern in der Schule betreut werden. Die Vereine und Institutionen, die diese Helfer einsetzen, können nicht fürs nächste Schuljahr planen. Auch Schulen wissen nicht, wie es weitergeht. Das Jugendamt hat die Eltern verunsichert. Erst erklären die Sachbearbeiter, dass es nur noch 20 Stunden pro Woche für die Integrationshelfer gibt, weil die Kosten gestiegen sind. Jetzt wird doch jeder Einzelfall geprüft.

Das ist das Mindeste, was Eltern und Kinder erwarten können. Wenn Behinderte mehr als 20 Stunden Hilfe brauchen, muss das Jugendamt diese genehmigen. Einfach pauschal die Stunden zu kürzen ist der falsche Weg. Dass die Behörde jetzt jeden Fall prüft, ist angesichts der hohen Kosten ja völlig in Ordnung. Warum das aber vor den Ferien nicht möglich war, versteht keiner. Die Ankündigung, dass Bildungsministerium und Regionalverband sich zusammensetzen, um zu überlegen, wie sie behinderte Kinder und Jugendliche besser in Regelschulen integrieren, hilft den Eltern und Behinderten nicht. Väter und Mütter brauchen jetzt Sicherheit, dass ihre Kinder gut betreut werden.
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