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Sparzwänge: Ist die Angewandte Sprachwissenschaft an der Saar-Uni am Ende?

Der Sonderforschungsbereich (SFB) „Informationsdichte und sprachliche Kodierung “ ist durch die Sparpläne von Landesregierung und Unipräsidium in Gefahr, sagt dessen Sprecherin, Professor Elke Teich. Bereits jetzt müsse sie sich um die Zukunft des erst vor einem halben Jahr eingerichteten Sonderforschungsbereichs sorgen, der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit bis zu 8,5 Millionen Euro im Jahr gefördert wird, so Teich. Von den 15 Gruppenleitern des SFB werde bis zur nächsten Antragsphase in knapp vier Jahren fast die Hälfte wegfallen, darunter fünf befristete Juniorprofessuren sowie drei Professoren , die pensioniert werden. Da laut dem Sparkonzept des Präsidiums zusätzlich vier Sprachwissenschafts-Lehrstühle der Philosophischen Fakultät II gestrichen werden sollen, werde dann kein qualifiziertes Personal mehr da sei, um die Stellen wiederzubesetzen, sagt Teich. „Man kann nicht sinnvoll einen Folgeantrag stellen, wenn man nicht genug Leute hat.“ Die DFG-Fachgutachter hätten zudem bereits kritisiert, dass die Sprachenvielfalt im SFB zu wünschen übrig ließe. „Durch den Wegfall der Lehrstühle in der Romanistik haben wir keine Chance, dieses Problem zu lösen – denn es werden schlichtweg keine für den SFB qualifizierten Professoren mehr da sein“, sagt Teich.


Mit einer Sparquote von 35 Prozent ist die Angewandte Sprachwissenschaft einer der am stärksten von den Kürzungen betroffenen Fachbereiche. Vergangenen Mittwoch bat die Fachschaft Volker Linneweber daher zum Gespräch. Fast siebzig Studenten, Dozenten und Professoren forderten vom Unipräsidenten eine Erklärung dafür, warum ausgerechnet für ihren Fachbereich so massive Einschnitte vorgesehen sind. Der Bachelor-Studiengang Vergleichende Sprach- und Literaturwissenschaft sowie Translation (VSLT) mit derzeit knapp 300 Studenten soll zum kommenden Wintersemester auslaufen. Dann werden auch zum letzten Mal Studenten für den Masterstudiengang mit derzeit 122 Studenten aufgenommen. „VSLT ist fast einzigartig in Deutschland und lockt Hunderte ins Saarland – wie können Sie das streichen?“, fragte Lukas Redemann, der VSLT im ersten Semester studiert. „Wir haben überdurchschnittlich hohe Drittmittel und sind voll ausgelastet. Daher können wir die Entscheidung des Präsidiums einfach nicht nachvollziehen“, sagte Professor Erich Steiner. Wie diese Pläne mit dem Europa-Schwerpunkt der Uni und der Frankreichstrategie zusammenpassen, wollte der Dozent Jürgen Herz wissen. „Ausgezeichnete Ergebnisse scheinen Sie einfach nicht zu interessieren“, warf die Dozentin Rosario Herrero dem Unipräsidenten vor.

„Wir können nur da eingreifen, wo es auch Entscheidungsmöglichkeiten gibt“, verteidigte Linneweber das Sparkonzept. Und diese seien „in der Tat Pensionierungen“. Zwei von vier Professuren der Angewandten Sprachwissenschaft sollen künftig wegfallen. Düstere Aussichten, denen der Unipräsident einen „Silberstreif am Horizont“ in Form von freiwerdenden Bafög- und Hochschulpaktmitteln entgegenstellte. Diese Bundesmittel seien nun Hauptdiskussionspunkt der Gespräche mit der Landesregierung. „Es deutet sich an, dass das Land uns mit diesen Mitteln mehr Planungssicherheit betreffend der Nachbesetzung von Stellen geben kann.“ Angesichts zwingender Argumente, so stellte Linneweber den Fachvertretern und Studenten in Aussicht, könnten diese Mittel auch „ungleich auf die Fakultäten verteilt werden“. Sein Konzept sei lediglich ein „erster Entwurf“, der mit den Fakultäten diskutiert werden müsse – jedoch „unter der Vorgabe, dass der für jede Fakultät festgesetzten Sparleistung entsprochen werden muss“, schränkte Linneweber diesen Spielraum gleich darauf wieder ein. Roland Marti, Professor für Slawistik, resümierte: „Die einzige Freiheit, die die Fakultät hat, ist, die eigene Todesart zu wählen.“ Dies sei jedoch ein Problem, vor das die Universität als Ganzes gestellt werde.
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