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Sparzwang: Wie wird die Saar-Regierung die Uni gesundschrumpfen?

Der Campus der Saar-Univerität.

Der Campus der Saar-Univerität.

Die saarländischen Hochschulen müssen sich in den kommenden Jahren auf eine Rosskur einstellen. Parallel zum angekündigten Sparprogramm der Landesregierung, das an der Universität zu einer Neustrukturierung aller Fakultäten führen könnte – die Uni könnte zum Beispiel nach den Vorstellungen ihres Präsidiums von heute acht auf künftig fünf Fakultäten verkleinert werden – sollen die Saar-Universität und die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in drei Fächern sogenannte Kooperationsplattformen aufbauen. Diese neuen akademischen Schwerpunkte sind für die Ingenieur- und die Wirtschaftswissenschaften vorgesehen und dazu im Bereich Gesundheit. In Kooperationsplattformen könnten sowohl Studenten von Saar-Uni als auch HTW bis zur Promotion von ihren jeweiligen Professoren betreut werden.

Das erklärten gestern Ministerpräsidentin und Wissenschaftsministerin Annegret Kramp- Karrenbauer, Unipräsident Volker Linneweber, HTW-Rektor Wolrad Rommel und der Ärztliche Direktor der Uni-Klinik, Ingo Steudel, bei einer Pressekonferenz in der Staatskanzlei. Dass die Redner dabei ständig den Konjunktiv verwandten, hatte einen guten Grund. Die Ergebnisse der sieben Arbeitsgruppen zur Hochschulreform, die die Ministerpräsidentin und die drei Professoren referierten, sind ausdrücklich nicht als Beschluss sondern als Diskussionsgrundlage deklariert. Auf deren Basis soll in den kommenden vier Wochen „eine breite öffentliche Diskussion“ über die Zukunft der saarländischen Hochschulen geführt werden, so Annegret Kramp-Karrenbauer.

Bis zum Juli sollen daraus wiederum zentrale Elemente einer saarländischen Hochschulentwicklungsplanung destilliert werden, die dann die in der zweiten Jahreshälfte anstehenden Haushaltsverhandlungen mit Universität und HTW beeinflusst. Der Auslöser dieses komplizierten Prozedere ist einfach erklärt. Dem Saarland fehlt das Geld, um seine in den vergangenen Jahren gewachsene Hochschullandschaft unverändert weiter zu finanzieren. Sicher sind in der nun schon über drei Monate wabernden Diskussion nur die für die Hochschulen unerfreulichen Haushaltsansagen der Landesregierung, die bis zum Jahr 2020 reichen. Der Uni-Etat sinkt danach von rund 184 Millionen auf 179 Millionen Euro, jener der HTW auf rund 25,5 Millionen, 1,8 Millionen weniger als bisher. Also muss gespart werden – aber intelligent. Doppelangebote sollen weg, die Durchlässigkeit der akademischen Strukturen an Universität und HTW soll verbessert werden. Die Wissenschaftsministerin fasste gestern diesen Prozess mit einem dreifachen „K“ zusammen. „Konzentration, Kooperation, Konsolidierung.“

Den Startschuss zur jetzigen Diskussion hatte Ende Januar der Wissenschaftsrat mit einem vor allem an der Saar-Universität arg umstrittenen Gutachten gegeben, in dem unter anderem die Fächer Jura und Wirtschaftswissenschaften teilweise zur Disposition gestellt worden waren. Über diese Ansagen habe man sich im Arbeitskreis nun selbstbewusst hinweggesetzt, so die Ministerpräsidentin, die allerdings auch deutlich machte, dass sie mit dem Verlauf der heftigen Diskussionen, die sich anschließend in den Wirtschaftswissenschaften zwischen den Vertretern von Universität und HTW entspannen, nicht zufrieden ist. Deshalb ist die zuständige Arbeitsgruppe nun aufgefordert, neue Vorschläge nach dem Vorbild der Ingenieurwissenschaften nachzulegen.

Dort haben sich die Vertreter von Saar- Universität und HTW ebenso überraschend wie geräuschlos auf eine enge Kooperation inklusive eines sogenannten Promotionskollegs geeinigt (wir haben berichtet). Auch zwischen den medizinischen Fachbereichen der Universität in Homburg und der HTW gebe es vielversprechende Ansätze zur Kooperation, so der Ärztliche Direktor der Uni-Klinik, Ingo Steudel. Der Katalog der Vorschläge des sogenannten Lenkungskreises zur Hochschulreform sieht vor, die Kapazität der großen Lehramtsstudienfächer an der Universität von heute 410 Studenten auf 280 herunterzufahren. Chemie, Deutsch, Englisch, Geschichte, Mathematik, Sport und Wirtschaftspädagogik wären betroffen. Die ebenfalls vom Wissenschaftsrat vorgeschlagene Schließung der Zahnmedizin in Homburg ist dagegen vom Tisch.

Die Verwaltungen der Hochschulen sollen enger zusammenarbeiten, bis 2020 soll ein Fünftel dieser Ausgaben eingespart werden. Darüber hinaus gehen die Chefs beider Hochschulen davon aus, dass sowohl die Zahl der Studenten als auch der Mitarbeiter an ihren Hochschulen in den kommenden sechs Jahren um ein Fünftel sinken wird. Was die gestern vorgestellten Vorschläge finanziell bringen werden, vermochte keiner der Redner präzise zu berechnen. Uni-Präsident Volker Linneweber ließ Zweifel erkennen, ob sie dem verlangten Sparbeitrag der Uni entsprechen werden, HTW-Rektor Wolrad Rommel hält das Spar-Szenario dagegen für machbar. Und Ministerpräsidentin und Wissenschaftsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer ist sich sicher: „Das Thema wird uns im zweiten Halbjahr weiter beschäftigen.“
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