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Spendable Eltern: Spielwaren-Branche erwartet Umsatzplus

München. Traditionellen Spielwaren wie Eisenbahn, Baukästen und Puppen wurde hierzulande lange ein Niedergang vorausgesagt. Elektronische Konkurrenz in Form von Computerspielen würden Teddy & Co den Rang ablaufen. Sinkende Geburtenraten ließen die Kernzielgruppe kleiner werden. Vor dem Weihnachtsgeschäft, das für etwa die Hälfte aller Branchenumsätze eines Jahres sorgt, ist sich Ulrich Brobeil aber sicher, dass der heimische Spielwarenmarkt das vierte Umsatzwachstum in Folge schafft.

„Bis zu drei Prozent mehr“, schätzt der Geschäftsführer des Deutschen Verbands der Spielwaren-Industrie (DVSI) für den diesjährigen Zugewinn an Umsatz. Zu Endverbraucherpreisen wären das dann 2,7 Milliarden Euro. Es könnte aber auch mehr sein, sagte der Verbandschef. Man kalkuliere konservativ. Einigen Branchenvertretern kommt der Siegeszug nämlich langsam selbst unheimlich vor. Rund fünf Prozent betrug das heimische Branchenwachstum in den Jahren seit 2009. Die Geburtenrate in Deutschland ist aber weiter rückläufig und die europäische Krise rückt näher. Dennoch sollen klassische Spielwaren 2012 etwa doppelt so stark wachsen, wie es allgemein für den Einzelhandel vorausgesagt wird. An genialen Einfällen liegt das nicht. „Es gibt keine bahnbrechenden technischen Innovationen und Trendthemen“, sagt Branchenexperte Werner Lenzner von der Nürnberger Konsumforschungsgruppe Eurotoys.

Brobeil erklärt den Dauerboom zu einem guten Teil mit gesellschaftlichen Veränderungen. „Es hat in Deutschland noch nie so viele Großeltern auf so wenige Enkel gegeben“, sagt er. Ein einzelnes Kind bekommt immer mehr und wertvollere Geschenke. Eurotoys schätzt die Summe pro Jahr auf rund 250 Euro, wovon ein Großteil in Form von Weihnachtsgeschenken anfällt. 485 Euro und damit sieben Prozent mehr als 2011 beträgt das Weihnachtsbudget eines deutschen Durchschnittshaushalts in diesem Jahr, hat die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte in einer Studie ermittelt. Kinder bekommen 46 Prozent der Geschenke. Die Kleinen und die Spielwarenbranche können sich also wohl zurecht Hoffnung machen.

Dazu kommt, dass immer mehr Väter das Kind in sich entdecken. „Vater-Sohn-Spielzeuge haben seit 2008 ein Plus von 30 Prozent“, schwärmt Brobeil. Er meint damit Autorennbahnen oder anspruchsvolle Technikbausätze, die Väter für ihre Söhne kaufen, um mit ihnen oder auch allein damit zu spielen. „Viele Spielsachen sind auch was für die Großen“, sagt Brobeil.

Zunehmend problematisch wird dagegen die Versorgungslage. Zwar ist China mit einem Marktanteil von gut 60 Prozent immer noch die Spielwarenfabrik der Welt. Vor wenigen Jahren lag der Anteil aber noch bei drei Vierteln. In China wandern immer mehr Beschäftigte aus Spielwarenfabriken in andere, besser zahlende Branchen ab. In der diesjährigen Hauptproduktionszeit für Spielzeug von Juni bis September hätten in chinesischen Fabriken hunderttausende Mitarbeiter gefehlt, klagt Brobeil. Wer nicht vor einem leeren Regal stehen will, sollte deshalb dieses Jahr früh kaufen, raten Branchenvertreter. So warnte der dänische Bauklötzchenhersteller Lego, dass es wegen begrenzter Produktionskapazitäten zu Engpässen im Weihnachtsgeschäft kommen könne.
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