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Spenden missbraucht? Verein unter Verdacht

Saarbrücken. „Termine nach Vereinbarung“ ist auf dem kleinen Aufkleber am Briefkasten mit der Aufschrift „Kinderkrebsvorsorge“ zu lesen. Die Besucher, die kürzlich an dieser idyllischen Saarbrücker Adresse im Grünen aufgesucht haben, hatten mit Franz V. (50) und seiner Ehefrau Sabine (38), beide Vorstandsmitglieder des angeblich gemeinnützigen Vereines, garantiert keinen Termin vereinbart. Die Fahnder der „Ermittlungsgruppe Spende“ der Kriminalpolizeiinspektion vollstreckten in dem ausgebauten Gartenhaus einen richterlichen Durchsuchungsbeschluss. Dem Ehepaar und der Vereinsvorsitzenden Natalie M. (42) aus Püttlingen wird Betrug im großen Stil vorgeworfen. Sponsoren und Spender sollen seit 2008 über den Tisch gezogen worden sein. Geld, das zur Verfügung gestellt wurde, um schwerkranken Kindern zu helfen, soll zumindest teilweise für private Zwecke ausgegeben worden sein, so der Verdacht der Staatsanwaltschaft. Deren Sprecher Erik Schweitzer beziffert nach dem derzeitigen Ermittlungsstand das Spendenaufkommen seit 2008 auf 500.000 bis 600.000 Euro.
Vereins-Finanzchef V. war gestern am Telefon sehr kurz angebunden: „Wir können zum derzeitigen Stand keine Stellungsnahme geben.“



Der entscheidende Hinweis an die Saarbrücker Ermittler auf den Mann, dem selbstsicheres Auftreten und große Überzeugungskraft nachgesagt werden, kam aus Trier. Dort wurde dem Verein „Kinderkrebsvorsorge“ schon vor Monaten Sammelverbot erteilt.  Im Saarland interessiert sich neben der Kripo jetzt auch die Steuerfahndung für die Geschäftsmethoden des Franz V.. Nach Informationen unserer Zeitung überprüft die Finanzverwaltung derzeit wegen möglicher Steuerhinterziehung die Gemeinnützigkeit des Vereines. Wie es heißt, soll V., der mit drei verschiedenen Vornamen auftritt, Aufträge an Firmen erteilt haben. Nach getaner Arbeit seien dann mitunter Spendenbescheinigungen in angeblich doppelter Auftragshöhe ausgestellt worden. Als Gönner trat V. zeitweise auch bei einem Saarbrücker Tennisverein auf. Dort soll er, so ein Vorstandsmitglied, Aufträge im Vorfeld eines Wohltätigkeitsturniers erteilt und mit großzügigen Spendenquittungen der Kinderkrebsvorsorge finanziert haben. Heute hat V. bei dem Club Haus- und Spielverbot.

Kistenweise Beweismaterial haben die Fahnder an Privat- und Geschäftsadressen der Vorstände beschlagnahmt. Die Ermittler schließen derzeit nicht aus, dass Natalie M., offiziell Vereinsvorsitzende, als Strohfrau fungierte. Durchsucht wurde auch ein Mannheimer Callcenter. Die Firma war beauftragt, telefonisch Spenden zu werben. Mit dem Geld soll eine private Autoreparatur, Tennishallenmiete oder Hundefutter bezahlt worden sein. Angeblich wurde sogar der Beitrag zu einem Fitnesscenter, über eines der fünf Vereinskonten beglichen.
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