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Spitze im Französisch lernen

Ein Blick in den letzten Schulbericht des Statistischen Bundesamtes von 2012 zeigt: Das Saarland ist schon heute das französischste aller Bundesländer – zumindest was den Französischunterricht betrifft. Nirgendwo sonst lernen so viele Schüler Französisch. 58 Prozent entscheiden sich für die Sprache des Nachbarn, während es deutschlandweit im Schnitt nur 19 Prozent sind. Englisch lernen nur rund 50 Prozent der saarländischen Schüler, während es im Bundesschnitt 87 Prozent sind.

Ein Grund für diesen hohen Anteil an Französisch-Lernern ist sicher, dass in die Statistik alle Schulen miteinbezogen wurden – von der Grundschule bis zum Gymnasium. Seit 1992 lernt jeder Grundschüler im Saarland ab der 3. Klasse Französisch – anders als in anderen Bundesländern. An 41 der 160 Grundschulen ist dies sogar schon ab der 1. Klasse der Fall.

Nach dem Willen der Landesregierung soll das in den kommenden 30 Jahren noch ausgebaut werden. Lisa Brausch, Vorsitzende des Saarländischen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes, hält das prinzipiell für eine „tolle Sache“, aber auch für utopisch: „Wer soll das bezahlen? Woher kommt das Lehrpersonal?“ Brausch warnt zudem davor, gerade die Erstklässler zu überfordern. An einigen Schulen haben die Kinder, die ab der 1. Klasse Französisch lernen, zwei Wochenstunden mehr, an anderen fallen stattdessen zwei Förderstunden weg. Brausch sieht beide Alternativen kritisch: „Man darf die Schüler nicht überfrachten. Förderstunden zu streichen, ist auch keine Lösung, weil dort die Defizite der Kinder ausgeglichen werden.“

Ideal – wenn auch „kaum finanzierbar“, wie sie einräumt – wäre in ihren Augen eine Tandem-Lösung. An 13 Grundschulen gibt es das bereits. Bei dem EU-Projekt „Trilingua“ werden die Schüler von ihrem Lehrer und einem französischen Fremdsprachen-Assistent „im Tandem“ unterrichtet.
Die Frankreich-Affinität der Saarländer (zumindest die der Eltern) zeigt sich auch schon bei den Jüngsten. Rund 180 der 460 Kitas sind zweisprachig. Auf „mittlere Sicht“, so steht es im Eckpunktepapier der Landesregierung, sollen es 230 werden.

Eine Kita, in der die Kinder schon heute deutsch-französisch betreut werden, ist das AWO-Kinderhaus „Du Bonheur“ in Homburg-Erbach. Seit knapp 16 Jahren wird hier zweisprachig erzogen, anfangs gefördert durch ein Projekt des Landesbildungsministeriums, seit 2001 auf eigene Faust. „Wir hatten das Glück, dass wir eine Muttersprachlerin gefunden haben, als eine Stelle frei wurde“, sagt Leiterin Susanne Andolina. Seitdem hat die Kita ihre Beziehungen zum Nachbarland noch vertieft. Sie pflegt Partnerschaften mit verschiedenen „écoles maternelles“ in Lothringen, mit denen sie auf Ferienfreizeiten fährt und sich zu Ausflügen und Festen trifft. Finanziert wird das Ganze durch den AWO-Bundesverband und das Deutsch-Französische Jugendwerk.

Andolina würde gerne noch eine zweite Muttersprachlerin einstellen, doch sie findet keine: „Wir haben in Deutschland ohnehin schon einen Fachkräftemangel. Dann noch zweisprachige Erzieher zu finden, ist schwer.“ Vielen Lothringern sei auch die Anfahrt schlichtweg zu weit.

Der „Kinderladen“ in Saarbrücken, der von einem Verein getragen wird, hat sich für eine abgespeckte Variante entschieden. Dort gibt es zwar eine französische Mitarbeiterin, allerdings spricht sie nicht durchgehend Französisch mit den Kindern – eine bewusste Entscheidung, wie Leiterin Sybille Bretz erklärt: „Die Hälfte unserer Kinder hat einen Migrationshintergrund. Vielen fällt es schon schwer, Deutsch zu sprechen.“ Es sei wenig sinnvoll, sie direkt mit einer weiteren Sprache zu konfrontieren. Deshalb geht es im „Kinderladen“ nur einmal pro Woche französisch zu, dann wird zum Beispiel „Epiphanie“ (Dreikönigsfest) gefeiert oder ein Ausflug nach Sarreguemines unternommen.
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