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Sprengung des Kirchturms in Ottweiler-Fürth verlief reibungslos

Ein vernehmlicher Doppelknall, ein weißes Detonationswölkchen, dann kippte er wie ein nasser Sack von seinen Stelzen: Binnen Sekunden war gestern kurz nach 14 Uhr der evangelische Kirchturm in Fürth Geschichte. Ein paar dürre Nadelbäume in der östlichen Fallrichtung waren Kollateralschaden, die drei Windräder auf dem Hungerberg drehten sich im Hintergrund ungerührt weiter. Minuten später machte sich ein 27-Tonnen- Bagger mit einem Hydraulik- Hammer daran, den gefallenen Betonspargel zu zerpicken.

Das Ende des kirchlichen Symbols in der Lautenbacher Straße am Ortsrand von Fürth war unspektakulär, nicht mal eine Fensterscheibe ging bei der Detonation zu Bruch. Für das Neunkircher Unternehmen F&R Industriedemontage und Abbruch war es Routine. „Wir haben schon wesentlich größere Anlagen gesprengt“, so Firmenchef Giuseppe Ferraro vor Ort. Mit der Sprengung selbst hatte Ferraro die „Sociéte Suisse des Explosifs Group“ beauftragt. Deren Sprengmeister Manfred Krämer hatte am Fuß des Turms zwei Kilogramm gelatinösen Ammon-Salpeter in 14 Sprengladungen angebracht. Das genügte, um die etwa 550 Tonnen Stahlbeton flach zu legen. Nach der Sprengung hielt ein weißhaariger Mann am Rande der Überbleibsel Betonbrocken prüfend in der Hand. „Am Beton hat’s nicht gelegen“, versicherte er dem SZ-Chronisten. Für den Experten – Chef jener Ottweiler Baufirma, die 1967/ 68 Kirchengebäude und Turm errichtet hatte – hätte der Turm vom Material her „noch 500 Jahre stehen“ können. „Wir haben damals schon hochelastischen Armierungsstahl verwendet“, erklärte er und zeigte auf robuste Metallteile, die aus den Trümmern ragten. Der alte Firmenchef sieht in den Luftschadstoffen und der nicht optimalen Verklinkerung des Turms die Übeltäter.


Wie dem auch sei, schwerwiegende statische Mängel ließen offenbar keine wirtschaftliche Alternative zum Schleifen des 27 Meter hohen Turms zu. Große Sicherheitsbedenken gab es bei den Ausführenden nicht. Die Anwohner von fünf oder sechs Häusern mussten vorsichtshalber für eine halbe Stunde „ausziehen“. Ein Sicherheitsradius von 50 Metern um den Sprengort hätte den Fachleuten eigentlich genügt. Das Gewerbeaufsichtsamt bestand auf 100 Metern, und ein übereifriger THW-Mann hielt die Zuschauer dann auf doppelter Distanz. Die hatten sich zahlreich an den Anhöhen Richtung Lautenbach versammelt – waren doch die TV-Bilder von der spektakulären Sprengung des 116 Meter hohen Uni-Turms in Frankfurt am Sonntag noch in frischer Erinnerung. Was wohl auch die Medien zu einem beachtlichen Aufgebot animierte. Die L 289 war für eine Viertelstunde in Höhe der Kirche unpassierbar, der Löschbezirk Fürth half der Polizei bei der Absperrung.

Die vier Glocken im obersten Stockwerk des Turms waren zuvor natürlich geborgen worden. „Wir haben nach langer Überlegung schweren Herzens diese Lösung akzeptieren müssen“, sagte Marcus Bremges, zuständiger Pfarrer für die Kirchengemeinde Dörrenbach mit Werschweiler, Fürth, Lautenbach und Münchwies. Die Entscheidung sei etwas leichter gefallen, weil man in der Fürther Ortsmitte einen mittelalterlichen Kirchturm habe, der vom Heimat- und Kulturverein hervorragend in Schuss gehalten werde. Zwei Glocken des bisherigen Quartetts, so der Pfarrer, sollen nun mit der Glocke, die bereits im Alten Turm hängt, zum Dreier-Geläut verbunden werden. Die räumliche Trennung zwischen Turm und Kirche müsse man nun „als einzige Kröte schlucken“, so Bremges.
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