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Spuren der frühen Löstertaler: Forschergruppe entdeckt Pfostenlöcher, die auf Häuser zur Zeit um Christi Geburt hinweisen

Jeweils vier kleine Quadrate umschließen ein Pfostenloch. Insgesamt vier dieser Löcher haben die Wissenschaftler ausgegraben. In ihnen waren senkrecht die Holzstämme verkeilt, die das Gebäude getragen haben. Fotos: Volker Fuchs

Jeweils vier kleine Quadrate umschließen ein Pfostenloch. Insgesamt vier dieser Löcher haben die Wissenschaftler ausgegraben. In ihnen waren senkrecht die Holzstämme verkeilt, die das Gebäude getragen haben. Fotos: Volker Fuchs

Es ist nasskalt an diesem Morgen. Das große weiße Zelt bietet ein wenig Schutz vor dem Wind. 16 quadratische Löcher sind in den Lehmboden gegraben. Jeweils vier umrahmen ein Pfostenloch in der Mitte. Die vier einst senkrecht aufgestellten Stämme sind längst vergangen, Steine am Boden der Gruben beweisen, dass diese als Keile die Pfosten gehalten haben. Vor etwa 2000 Jahren.

Zwei Studenten der Universität Mainz liegen trotz der Kälte in den Gruben , scharzen vorsichtig den Lehmboden ab. Derweil kniet Grabungsleiterin Ayla Jung von der Uni Mainz auf der Erde und erklärt die Fundstelle. Die vier Stämme, deren Pfostenlöcher die Ausgräber ausgegraben haben, waren Teil eines Holzhauses, das oberhalb des Lohbaches bei Oberlöstern stand. So um die Zeit von Christi Geburt bis Anfang des ersten Jahrhunderts. Dieses Gebäude war eines von mehreren. Die Wissenschaftler haben durch eine geomagnetische Untersuchung dieser Fläche auf der Gemarkung Sengelheck weitere Pfostenlöcher lokalisiert. Ein Haus hatte sechs Pfosten, ein weiteres neun. Also standen hier mindestens drei Gebäude. Auch haben die Archäologen einen Graben gefunden, dessen Bedeutung aber noch nicht geklärt werden kann.

Geklärt ist hingegen, dass es hier auf der Terrasse des Lohbachs eine Siedlung in der Übergangszeit von den Kelten zu den Römern gab. Waren es noch Kelten , die hier lebten, das kann Ayla Jung zurzeit noch nicht sagen:. „Auf jeden Fall waren es Einheimische.“ Frühe Löstertaler sozusagen.

Die Siedlung liegt übrigens in Sichtweite der beiden restaurierten römischen Grabhügel von Löstertal. Das ist kein Zufall. Die beiden Grabhügel waren Teil eines Gräberfeldes, wissen die Archäologen . Und im nahen Wald liegen im Boden die Reste eines römischen Gutshofes. Eines großen Hofes mit einem Haupt- und sieben Nebengebäuden. Allein das Hauptgebäude war etwa 50 Meter lang, so Jung. Das haben die Forscher aus Mainz herausgefunden, ohne dort gegraben zu haben. Mit Hilfe eines Laserscans.

Dabei vermisst ein Laser aus einem Flugzeug ganz exakt den Boden. Ein Computer rechnet anschließend Bäume und Pflanzen weg, auf dem Bildschirm tauchen dann sonst nicht erkennbare Strukturen auf, die von Menschenhand geschaffen sein müssen. So kamen die Wissenschaftler auch der Turmburg bei Schwarzenbach auf die Spur.

Damit aber nicht genug. Auf dem Höhenrücken zwischen Gehweiler und Oberlöstern stand auch ein römischer Tempel. Und ganz in der Nähe des Gutshofes findet sich ein Steinbruch, der von den Römern genutzt wurde. Die Villa des Hofes ist zum Beispiel aus diesem roten Sandstein gebaut worden. Vielleicht hat der Steinbruch auch zum Reichtum des Gutshofsbesitzers beigetragen. In Mayen in der Eifel war das in jener Zeit so. Dort konnten sich die römischen Steinbruchbesitzer stattliche Villen leisten, erklärt Jung.

Vielleicht waren die Nachfahren der Bewohner der Holzhütten die späteren Besitzer des Gutshofes? Diese Frage kann Ayla Jung noch nicht beantworten. Aber gerade diese Phase des Übergangs von den Kelten zu den Römern ist für die Wissenschaftlerin sehr interessant. „Wie lief dieser Übergang ab?“, das ist die Frage. Einen Hinweis darauf können die Forschungsergebnisse von Oberlöstern geben.

Die Grabung ist Teil des Forschungsprojektes der Universität Mainz mit dem Titel „Landschaftsarchäologie im Umfeld des Hunnenringes“. Dabei wird das Leben der Kelten und Römer in einem Umkreis von etwa zehn Kilometern um die keltische Festungsanlage erforscht. Unterstützt wird die Grabung vom Landesdenkmalamt des Saarlandes und der Stadt Wadern. Projektleiterin ist die Wissenschaftlerin Sabine Hornung. Fünf Wochen haben Ayla Jung und bis zu fünf Studenten der Universität Mainz oberhalb des Lohbaches gegraben.
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