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St. Ingberterin (18) stürzt schwer - Passanten gehen weiter

St. Ingbert. Samstagabend 21.30 Uhr: Die 18-jährige St. Ingberterin Julia Jene kommt mit dem Zug am St. Ingberter Bahnhof an, hat Feierabend, möchte beschwingt in den bevorstehenden Sonntag starten. Doch daraus wird leider nichts. Sie geht am Bahnsteig die Treppe hoch, bleibt hängen, stolpert, fällt aufs Knie, ihre offene Handtasche fällt hin, ihre sieben Sachen liegen überall verstreut. Julia Jene fällt es schwer, aufzustehen. Das Knie blutet stark. Sie versucht, sich aufzurappeln, ihre Sachen einzusammeln, weint. In der Zwischenzeit gehen mindestens zehn Passanten an ihr vorbei, doch zum Bedauern der jungen Frau bleibt niemand stehen. Das bringt ihre Mutter Christa Abel auf die Palme, als ihr ihre Tochter später ihre Erlebnisse schildert. Sie wendet sich mit einer E-Mail an die Saarbrücker  Zeitung und schreibt entsetzt und resigniert: „Außer Blicken war von den Leuten nichts zu erwarten.“ Ein trauriges Bild.

Julia ist für mindestens zwei Wochen krankgeschrieben, das Knie ist genäht, sie geht an Krücken. Bei einem Treffen am Ort des Geschehens, am St. Ingberter Hauptbahnhof, sagt sie: „Alle meine Freunde meinten, dass das doch gar nicht sein könne, dass da keiner hilft.“ Es war aber so. Die 18-Jährige schafft es zu einem Taxi, lässt sich damit zu ihrem Freund fahren, die Eltern waren an dem Abend nicht zu Hause, der fährt mit ihr ins Krankenhaus.

Was neben dem stark geprellten Knie und den Krücken bleibt, ist die Enttäuschung. Die Enttäuschung über die „Wegschau-Mentalität“ der Menschen. Julia erzählt: „Eine Frau ließ sich, nachdem sie mir einige Zeit zuschaute, wie ich mich die Treppe hinaufschlängelte, zu einem Kann-man-Ihnen-helfen hinreißen.“ Doch da reichte es der 18-Jährigen. Sie raunte der Frau zu: „Jetzt auch nicht mehr.“

Julias Mutter sagt schockiert: „Ich kenne solche Vorfälle bis dato nur aus dem Fernsehen und glaubte, diese Wegschau-Mentalität hätte nur die anonyme Kälte von Großstädten erfasst. Ich irre allerdings offenbar, denn augenscheinlich hat sie auch unsere kleine Stadt erreicht.“ Traurig sagt sie: „Ich hätte darauf gewettet, dass St. Ingberter Bürger verantwortungsvoller miteinander umgehen. Diese Wette hätte ich leider verloren. Meine Familie und ich sind ratlos und enttäuscht.“

Den Tipp für diesen Artikel bekamen wir von Leser-Reporterin Christa Abel. Sie haben auch Spannendes zu erzählen und sogar Fotos gemacht? Dann schicken Sie uns alles als Leser-Reporter: per Sprachnachricht, SMS/Fax, MMS mit Foto an Tel. (06 81) 59 59 800, E-Mails an leser-reporter@sol.de.
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