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St. Johanner Markt: Falle für High-Heels-Fans?

St. Johann. Eigentlich sind Marina Brandes und Dieter Rose gerne am St. Johanner Markt unterwegs. Das Paar liebt den Altstadtkern wegen der vielen Cafés, Bars und der schönen Geschäfte. Doch nachdem Brandes vor drei Jahren in ihren hohen Stilettos schwer stürzte und sich dabei Handgelenk und Kniescheibe prellte, richtet sie den Blick immer sorgenvoll auf das Kopfsteinpflaster.

Nackter Spalt zwischen Steinen

Hier klaffen Löcher und wackeln Pflastersteine, weil der Fugenmörtel bricht. Die Unfallstelle kennt das Paar genau. Auf der Höhe der Zeralda- Buchhaltung bleibt Rose stehen und zeigt auf die Stolperfalle: „Genau hier ist es passiert“, sagt er und ist immer noch erregt. Zwischen den Steinen klafft ein nackter Spalt. „Ich bin eine geübte High-Heels-Trägerin“, beschreibt Brandes, „seitdem ich 16 bin, trage ich hohe Schuhe. Aber mein Absatz hat sich so verkeilt, dass ich mein Gleichgewicht verloren habe und gestürzt bin.“

Wie viele Jahre sie mittlerweile auf hohen Absätzen unterwegs ist, will sie aber nicht verraten: „Mein Alter tut nichts zur Sache.“ Das Paar ist seit 1968 liiert und geht gemeinsam durch dick und dünn. Brandes trägt am liebsten dünne Stilettoabsätze. Auch heute stecken ihre Beine in schicken Achtzentimeter- Stiefeletten, die auf winzigen Pfennigabsätzen fußen.

Ihre Vorliebe lässt sie sich nicht durch den Sturz verderben und von der Stadt schon gar nicht, unterstreicht sie. „Außerdem beobachte ich, dass immer mehr Frauen Spaß an hohen Absätzen haben. Ich fände es schade, wenn man den Frauen den Spaß an der Mode verdirbt.“ Zweimal hat Brandes gegen die Stadt geklagt – vor dem Landgericht Saarbrücken und dem Saarländischen Oberlandesgericht. Beide Male wurde die Klage abgewiesen. Bei der Klage sei es dem Paar aber nie um Schadensersatz gegangen, „sondern darum, dass der schöne Markt endlich saniert wird. Für die Frauen, aber auch die Rollstuhl- und Fahrradfahrer“, sagt Rose.

"Großteil des Belags ist in einem desolaten Zustand"

In den Urteilen heißt es, die Stadt habe ihre Verkehrssicherungspflicht nicht verletzt. Eine Farce, findet Rose und zitiert aus dem Beschluss des Oberlandesgerichts: „Hier ist die Rede vom ,Fehlen einzelner Fugen in einem Pflastersteinbelag’. Aber schauen Sie sich doch um. Überall fehlt die Verfugung, sogar einzelne Steine sind weg. Der Großteil des Belags ist in einem desolaten Zustand.“ Die Stadt kennt das Problem seit Jahren, aber eine schnelle und einfache Lösung gibt es nicht.

„Das Kopfsteinpflaster am Markt ist problematisch“, sagt Baudezernentin Rena Wandel- Hoefer, „weil es unfachmännisch gelegt wurde und der Unterbau nicht stimmt.“ In den 70er Jahren entwarf der Saarbrücker Bildhauer Paul Schneider mit Künstlerkollegen im Zuge der Umgestaltung zur Fußgängerzone ein Pflastermosaik für den St. Johanner Markt. Das Kunstwerk nutzt verschiedene Pflastersteine, beschreibt Muster mit unterschiedlich großen Steinen, hebt sich an der einen Stelle und senkt sich an der anderen. „Das ist ein Probleme, weil die Teilbereiche unterschiedliche Behandlungen verlangen“, so Wandel-Hoefer weiter. Außerdem zerstören Kälte, die Last von Großveranstaltungen und Kehrmaschinen das Fugenmaterial. „Einige Teile haben wir bereits saniert“, erklärt sie.

Vor drei Jahren wurden die Fugen zwischen Parfümerie Bähr und der Keltermann-Apotheke ausgekratzt und mit einem Spezialmörtel neu verfüllt. „Da haben wir ein intaktes Fugenbild.“ Auch in der Kaltenbachstraße und bei der Verfüllung der alten Toilettenanlage im Sommer gelang es, den Belag zu sanieren. Man müsse sich „häppchenweise“ vorantasten. Eine Großbaustelle auf dem St. Johanner Markt sei den Gastronomen nicht zuzumuten. „Aber wir arbeiten an Lösungen.“

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