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St. Johanner Markt - auf der Bühne des saarländischen Staatstheaters

Blick auf den »St. Johanner Markt« des Staatstheaters. Er war Station eins der ungewöhnlichen Stadtführung, zu der das Theater und Stadtführer Klaus Friedrich eingeladen
hatten.

Blick auf den »St. Johanner Markt« des Staatstheaters. Er war Station eins der ungewöhnlichen Stadtführung, zu der das Theater und Stadtführer Klaus Friedrich eingeladen hatten.

Saarbrücken. Eigentlich wollten sie nur eine ganz normale Stadtführung über den St. Johanner Markt mitmachen, erzählen die drei älteren Damen. Warum sie sich dafür am Eingang des Staatstheaters einfinden sollten, habe sie schon gewundert. Sichtlich irritiert schauen sich sich nun auf dem Markt um. Denn der sieht zwar ziemlich echt aus, ist aber „nur“ Kulisse“. Regisseur Sebastian Welker hat Saarbrückens „Gudd Stubb“ als Schauplatz für die Familienoper „Aladin und die Wunderlampe“ auf der großen Staatstheater-Bühne nachbauen lassen. Wie eine überdimensionale Pop-Up- oder zu Deutsch „Aufklappkarte“ sieht das aus. Geradezu fotorealistisch exakt hat der Wiener Bühnenbildner Stephan Prattes die den Markt einfassenden Häuser auf Sperrholz nachmalen lassen.

Warum nicht mal eine Stadtführung anbieten?, hatte sich das Staatstheater gesagt und stieß damit nicht nur beim „echten“ Stadtführer Klaus Friedrich auf Begeisterung. 43 Besucher stürmten mit ihm am Sonntag auf die Bühne. Manche wollen sich im Anschluss auch die Oper ansehen, andere reizte es vor allem, mal hinter die Kulissen zu gucken.

„Wie groß die Bühne ist“, staunt ein Mann. „Wo sitzen eigentlich die Zuschauer?“, fragt eine Frau und guckt sich suchend um. In der Tat! Jenseits der riesigen Rampe schrumpft der Zuschauerraum zu einem kleinen, dunklen Loch. Während einige Besucher neugierig die hölzernen Fassaden befingern, die eingebauten Fenster aufklappen und den Orchestergraben inspizieren, legt Stadtführer Friedrich gleich los. Denn er hat nur eine halbe Stunde Zeit, um sein umfangreiches Wissen über die Historie des realen St. Johanner Marktes an den Mann und die Frau zu bringen – und dabei auch mit so manchen Täuschungen aufzuräumen.

Etwa über die Gestaltung der vornehmlich grau-weißen Fassaden. Nicht alle Häuser seien von Baumeister Stengel so entworfen worden, stellt Friedrich klar. Einigen habe man auch erst 1938 ein barockes Aussehen verpasst. Und wer weiß schon, dass es ein Pfälzer Fürst namens Karl II. August war, dessen Konterfei an einigen Fassaden für die Biermarke Karlsberg wirbt? Auch von Regisseur Welkers Idee, seinen Aladin als Einwanderer mit Dönerbude darzustellen, kann Friedrich einen Bogen schlagen zur realen Historie. Das Saarland, auch Saarbrücken, war schon immer auf Einwanderung angewiesen, erklärt der Stadtführer. Denn nach dem Dreißigjährigen Krieg sei die Gegend so gut wie ausgestorben gewesen. Viele Saarbrücker hätten österreichische Vorfahren oder auch Schweizer, wie etwa die Brauer-Familie Bruch, erzählt Friedrich. Die unterhalte nicht nur das Gasthaus Zum Stiefel, sondern auch die ältesten noch bestehenden Handwerksbetriebe des Landes.

Auch seien viele Prominente in den vergangenen Jahrhunderten durch Saarbrücken gekommen: Casanova, Goethe, Mozart, Buffalo Bill ebenso wie der preußische Generalfeldmarschall von Moltke, der in seinen Briefen aus der Türkei, „Unter dem Halbmond“, erstmals in der Geschichte einen Döner beschrieben habe. „Was der alles für Verbindungen herstellt“, sagt eine Frau voller Bewunderung für den Stadtführer, der seine Gruppe nach dem Auftakt auf der Bühne noch weitere 45 Minuten durch die „echte“ historische Altstadt geleitet.

Einziger Wermutstropfen dieser Führung: Einen Vortrag über das Bühnenbild selbst und seine Herstellung hatte das Theater leider nicht eingeplant. Doch bei Interesse will es beim nächsten Mal darauf eingehen.

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