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St. Wendel ist fest in belgischer Hand

St. Wendel. Auf den ersten Blick sieht es in St. Wendel so aus, wie es bei einer WM im eigenen Land aussehen sollte: Fans an der Strecke, überall Fahnen, Hüte und Kuhglocken, viel Bier, viel Gesang, viel Wurst und alles in den Farben Schwarz, Rot und Gelb. Erst beim zweiten Hinsehen fällt auf, dass die drei Farben in der falschen Reihenfolge sind und die Pommes Frites die Bratwurst eindeutig schlägt.

Die Radcross-Weltmeisterschaft am Wochenende war fest in belgischer Hand. Von den mehr als 30 000 Zuschauern waren etwa 20 000 Belgier, hauptsächlich aus Flamen, ins Saarland gereist, um ihren Nationalsport zu feiern. Ohne sie wäre die Veranstaltung ein Radrennen geworden, mit ihnen wurde es ein Volksfest.

„Wir sind in Belgien losgefahren, dann durch Luxemburg, dann durch Deutschland. Und jetzt sind wir wieder in Belgien“, scherzt Sharon Sluyds in der „Villa Belgica“, einem riesigen Bierzelt direkt an der Strecke. Vor dem Rennen ist es dort übervoll, es laufen Ballermann-Hits, die Stimmung ist erwartungsfroh. Viele tragen Jacken oder Plakate für ihren Lieblingsfahrer. „Das ist so eine belgische Eigenart“, erklärt Benny de Pelsmaeker, der eine Jacke mit der Aufschrift „Supporters Sven Nys“ trägt. „Das ist so wie in Deutschland mit den Fußballclubs. Da hat auch jeder seinen Lieblingsverein, wir haben eben unsere Lieblingsfahrer.“

Kurz bevor das Herrenrennen startet, ist die „Villa Belgica“ schlagartig leer. Alles wandert nach draußen, kämpft um die besten Plätze. Einige klettern auf Bäume, um besser zu sehen. Wäre die Strecke nicht abgesperrt, es wären Zustände wie bei der Tour de France beim Anstieg nach Alpe d'Huez. Als die Fahrer starten, wandert der Jubel der Masse parallel zum Kopf des Feldes die Strecke entlang.

Die belgischen Stars sind vorne dabei, irgendwann setzt sich der Tscheche Zdenek Stybar ab. „Er wohnt in Belgien, er hat auch bei uns viele Fans“, erklärt Steven de Groet, der ein Schild mit der Aufschrift „Go Styby“ hochhält. Als „Styby“ aber vor den Belgiern Sven Nys und Kevin Pauwels über die Ziellinie fährt, applaudieren die Belgier, die Stimmung ist aber nicht mehr so fanatisch wie vor und während des Rennens.

Das große Zelt füllt sich wieder. Doch statt Mallorca-Hits zu singen, wird überall diskutiert. „Eigentlich sind wir gekommen, um Gold zu holen“, sagt zum Beispiel Dirk von den Broeck. „Ich bin schon enttäuscht.“ Nach ein paar Bier dreht die Stimmung. Es wird wieder gesungen. Das Radrennen ist zu Ende, das Volksfest geht weiter. Auch ohne Gold.

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