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St. Wendeler Globus-Gruppe setzt auf flexible Arbeitszeit-Modelle

Saarbrücken. Susanne Schuchhardt (44) erzieht ihre Tochter Lisa (7) inzwischen allein. Schnell war klar, dass der Einzelhandelskauffrau bei Globus eine Teilzeitstelle nicht mehr reichte. Doch wie lässt sich ohne größere Komplikationen auf Vollzeit umsatteln? Das Handelsunternehmen mit Sitz in St. Wendel hat vor einiger Zeit flexible Arbeitszeit-Modelle eingeführt. Sie sollen es möglich machen, auch auf veränderte Lebensverhältnisse zu reagieren. Die nötige Flexibilität ist nicht so leicht zu erreichen, da gerade der Handel wegen der langen Öffnungszeiten zu bestimmten Kernzeiten in den Abteilungen eine bestimmte Mindestanzahl an Mitarbeitern vorhalten müsse, sagt Personalchefin Petra Kannengießer, die auch das Projekt „Beruf und Familie“ der Globus-Gruppe leitet. Für Globus an der Saar ist an sechs Tagen die Woche die Zeit von acht bis 20 Uhr abzudecken, in anderen Bundesländern geht es auch bis 22 Uhr.

Einen entscheidenden Schub, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen, habe in diesem Jahr die Auszeichnung mit dem „Sonderpreis für familienbewusste Arbeitszeiten“ beim Wettbewerb „Erfolgsfaktor Familie“ des Bundesfamilienministeriums gebracht, sagt Kannengießer. An dem Wettbewerb hatten sich mehr als 530 Unternehmen beteiligt.

Mittlerweile hat Globus zahlreiche Zielvereinbarungen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf getroffen. Bei der Umsetzung hilft eine zentrale Software. Das Programm kann Globus zufolge den betrieblichen Bedarf und die Möglichkeiten der Mitarbeiter in Einklang bringen. Von der Kundenfrequenz über den Umsatz bis hin zum benötigten Personal schlüsselt das Computerprogramm die Daten auf. Einbezogen sind auch spezielle Wünsche der Beschäftigten. So können sich die Mitarbeiter zum Beispiel, je nach Gegebenheiten im Markt, vorübergehend oder auf Dauer zu veränderten Arbeitszeitbedingungen in eine andere Abteilung versetzen lassen.

„Familienpflegezeit“ Davon hat auch Susanne Schuchhardt Gebrauch gemacht. Zehn Stunden Arbeitszeit pro Monat sind für sie hinzugekommen, seit sie in der Schuh- und Lederwarenabteilung des Marktes in Saarbrücken- Güdingen tätig ist. Manchmal kommt Schuchhardt auch schon am frühen Morgen, um bei Aufbauarbeiten zu helfen. Sie kann nun auch viel flexibler reagieren, zum Beispiel wenn ihre Tochter mal krank ist. Die Arbeitszeitmodelle von Globus gehen inzwischen so weit, dass auch eine „Familienpflegezeit“ unterstützt wird.

Mitarbeiter können bis zu zwei Jahre ihre Arbeitszeit bis auf mindestens 15 Wochenstunden reduzieren und ihre Verwandten pflegen. Sie erhalten in dieser Zeit drei Viertel ihres Gehaltes weiter. Ist die Pflegeperiode abgeschlossen, wird die fehlende Arbeitszeit nachgeholt, bis das Stundenkonto ausgeglichen ist. In dieser Zeit erhalten die Mitarbeiter weiter drei Viertel des vorherigen Bruttogehaltes. „Wir wollen uns rechtzeitig auf die Folgen der demografischen Entwicklung einstellen“, sagt Kannengießer. „Schon heute pflegen schätzungsweise bis zu zehn Prozent unserer Mitarbeiter zu Hause einen Angehörigen. Auch Auszubildende, die ihre Mutter bei der Pflege von nahen Angehörigen unterstützen, gibt es mittlerweile.“

Gerade wird darüber hinaus ein Modell entwickelt, das Führungskräften eine reduzierte Vollzeit bieten soll. Zudem äußerten viele Frauen den Wunsch, gerade abends zu arbeiten, weil in der Familie nur ein Auto zur Verfügung steht oder der Partner in den Abendstunden die Kinder betreuen kann.

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