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Staatsanwalt schließt Ermittlungsakten zur Burbacher Brandkatastrophe

Über die Drehleiter der Berufsfeuerwehr konnten bei dem Brand im August die Eltern und ein Baby gerettet werden. Für vier ihrer Kinder kam jede Hilfe zu spät.

Über die Drehleiter der Berufsfeuerwehr konnten bei dem Brand im August die Eltern und ein Baby gerettet werden. Für vier ihrer Kinder kam jede Hilfe zu spät.

Saarbrücken. Der Wohnungsbrand, bei dem am Freitag, 24. August 2012, im Saarbrücker Stadtteil Burbach vier Kinder im Alter von drei bis sieben Jahren ums Leben kamen, hat keine strafrechtlichen Konsequenzen. Die Staatsanwaltschaft Saarbrücken hat jetzt die Ermittlungen abgeschlossen und die Verfahren gegen die Eltern der verstorbenen Kinder wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Brandstiftung „mangels Tatnachweis“ eingestellt. Pressesprecher Thomas Reinhardt teilte am Donnerstag zudem mit, dass auch die Ermittlungen gegen Mitarbeiter der Saarbrücker Berufsfeuerwehr „wegen erwiesener Unschuld“ eingestellt wurden. Angehörige der Roma-Großfamilie hatten über einen Rechtsanwalt massive Vorwürfe gegen die Rettungskräfte erhoben und Strafanzeige erstattet.

Reinhardt betonte, der Feuerwehreinsatz sei „sehr zügig und professionell“ abgelaufen. Entgegen der Vorwürfe sei die Drehleiter nach der erfolgreichen Bergung der Mutter und eines Babys erneut ausgefahren worden, um einen weiteren Versuch zu unternehmen, Menschenleben zu retten. Der Staatsanwalt: „Die Feuerwehrleute gingen bei dem Einsatz sogar über ihre Dienstpflichten hinaus und nahmen erhebliche Eigengefährdungen in Kauf, um die Kinder aus der Wohnung zu holen.“ Die Ermittler gehen davon aus, dass die vier Kinder bereits beim Eintreffen der Feuerwehr, die nur vier Minuten nach dem Alarm am Einsatzort war, nicht mehr am Leben waren.

Das Feuer in der Dachgeschosswohnung des Mehrfamilienhauses in der Von-der- Heydt-Straße war an jenem Freitagmorgen gegen 4.30 Uhr entdeckt worden. Bei dem verheerenden Brand starben die dreijährigen Zwillinge Ricardo und Ronaldo und deren Schwestern Pamela (5) und Vanessa (7). Die Eltern und ein inzwischen einjähriges Mädchen konnten von der Feuerwehr gerettet werden. Die Staatsanwaltschaft schließt nach dem Ergebnis der Ermittlungen einen technischen Defekt als Brandursache aus. Das Feuer sei durch Fahrlässigkeit entstanden. Letztlich ungeklärt bleibt aber, wer dafür verantwortlich ist. Ein Experte eines Wiesbadener Institutes für Schadensforschung geht, so die Ermittler, „mit überwiegender Wahrscheinlichkeit“ davon aus, dass eine brennende Kerze, die auf einem Teller zwischen Matratzen in einem Schlafraum stand, die Katastrophe auslöste. In der Wohnung war wegen hoher Zahlungsrückstände der Strom abgestellt worden. Da auf dem Teller auch Tabakreste gefunden wurden, konnte nicht mit absoluter Sicherheit ausgeschlossen werden, dass vielleicht doch eine brennende Zigarette die Brandursache war.

Eine strafrechtliche Verantwortung für den Tod der Kinder könne, so der Pressesprecher, den Eltern nicht nachgewiesen werden. Die Mutter hat – was ihr Recht ist – keine Aussage gemacht. Der Vater versicherte in seiner Vernehmung, Kerzen und Zigaretten ordnungsgemäß gelöscht zu haben. Es sei zudem nicht auszuschließen, dass eines der Kinder, die in dem Raum mit den Eltern schliefen, in der Nacht mit Feuer hantiert hatte.

Der tragische Tod der vier Kinder hatte eine Debatte über Stromsperren für die Haushalte ausgelöst, in denen Kinder oder Bedürftige leben. Auf Anregung der Saarbrücker Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD) entwickelten Stromversorger, Landeshauptstadt und Regionalverband für Sozialleistungsempfänger ein so genanntes „Saarbrücker Modell“. Demnach tauschen, sofern die Betroffenen zustimmen, Stromversorger und Jobcenter die Daten der säumigen Kunden aus. Die Behörden können dann Hilfe anbieten, um Stromsperren zu vermeiden. Unabhängig davon hat Innenministerin Monika Bachmann (CDU) eine Initiative zur Änderung der Landesbauordnung angekündigt. Rauchmelder sollen künftig auch in Altbauten Pflicht werden.

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