A8 Luxemburg - Saarlouis AS Perl in beiden Richtungen Anschlussstelle gesperrt, Baustelle bis 20.11.2017 06:00 Uhr (09.10.2017, 05:53)

A8

Priorität: Sehr dringend

1°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
1°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

Stadionausbau in Elversberg geht voran

Die neue Haupttribüne im Elversberger Stadion mit Business-Bereich, Logen, Sitz-, Steh- und Business-Plätzen.

Die neue Haupttribüne im Elversberger Stadion mit Business-Bereich, Logen, Sitz-, Steh- und Business-Plätzen.

Sportlich gesehen hat die SV Elversberg mit dem Aufstieg in die 3. Liga den größten Erfolg ihrer 106-jährigen Geschichte gefeiert. Damit verbunden steht der Club vor seiner größten Herausforderung. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) stellt hohe Ansprüche an den Profi-Fußball in Deutschland. Damit ihr Stadion samt Umfeld diesen entspricht, muss die gerne Dorfclub genannte SVE eine organisatorische Herkules-Aufgabe meistern. Landkreis Neunkirchen, Gemeinde Spiesen-Elversberg, Wirtschaftsministerium, Umweltministerium, Landesbetrieb für Straßenwesen, Deutsche Steinkohle AG, Polizei, Feuerwehr, Rettungs- und Sanitätsdienst, DFB, und und und – alle sind in den Stadionbau mit Verkehrs- und Sicherheitsplanung eingebunden. Alle müssen Interessen untereinander abwägen, sich größtenteils gegenseitig anhören. Sogar Fledermäuse spielen eine Rolle.

Lizenzierung-Richtlinien

Neben der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit muss ein Drittligist ein Stadion mit Infrastruktur und Sicherheitskonzept vorweisen, das DFB-Ansprüchen genügt. In den Lizenzierung- Richtlinien für die 3. Liga sind „technisch-organisatorische Zulassungsvoraussetzungen“ definiert. Beispiele? „Zuschauerkapazität: über 10 000 Plätze, davon mindestens 2000 Sitzplätze.“ „Ausreichende Anzahl Umkleideräume und sanitäre Einrichtungen für Aktive und Zuschauer“.

Die Kapazität von 10 000 Zuschauern wird in Elversberg kommende Woche erreicht sein. Nachdem die Stehränge im SVE-Fanblock mit einer Stahlrohrkonstruktion erweitert wurden, wird der Unterrang der neuen Haupttribüne gebaut. Auf einer Länge von 120 Metern werden Betonteile mit 14 Stufen verlegt, auf denen Sitzplatzschalen befestigt werden. An den Rändern dieser Vortribüne entstehen Stehplätze. „Diese Tribüne wird eine Kapazität von 3000 Zuschauern haben“, sagt Elversbergs Vize-Präsident Martin Jörg.

Der Oberrang der Haupttribüne mit Businessbereich wird ab September gebaut. Ist nur die Vortribüne fertig, könnte die SVE beim DFB beantragen, Heimspiele in eigenen Stadion austragen zu dürfen. Derzeit muss sie im Saarbrücker Ludwigspark- Stadion spielen. Hätte der DFB keine Sicherheitsbedenken, könnte an der Kaiserlinde ab sofort Drittliga- Fußball gespielt werden.

Zuständig für die gesamte Baugenehmigung ist der Landkreis Neunkirchen. Nachdem die SVE den Bauantrag eingereicht hatte, forderte die beim Landkreis angesiedelte Untere Bauaufsichtsbehörde (UBA) Nachbesserungen, weil Details und Unterlagen fehlten. Diese wurden, so die UBA gegenüber der SZ, sofort nachgereicht. Im Internet kursieren in Foren Gerüchte, die SVE baue trotz Baustopp sowie außerhalb des geltenden Bebauungsplans. Landrätin Cornelia Hoffmann-Bethscheider sagt auf SZ-Anfrage: „Es gab keinen Baustopp.“ Die Punkte, „die bei diesem komplexen Verfahren offen waren, wurden sehr schnell abgearbeitet“. Jörg erklärt: „Es gibt den Bebauungsplan ,Altes Stadion’. Darauf berufen wir uns. Wir machen nichts, was nicht erlaubt ist. Alles ist mit der UBA abgesprochen.“

Dort, wo die Tribüne gebaut wird, wurde um 1850 tagesnaher Kohleabbau betrieben. Die UBA fordert deshalb ein geologisches Gutachten zur Risikoabschätzung der Standsicherheit der Tribüne. Die Deutsche Steinkohle AG machte drei Wochen lang Probebohrungen bis in 40 Meter Tiefe. Tagesnahe Hohlräume, die das Projekt gefährden könnten, wurden nicht gefunden. Es wird nun ein „Bewährungskonzept“ umgesetzt. Das heißt, 23 Betonpfähle mit 1,20 Meter Durchmesser werden zwischen 6 und 29 Meter tief in die Erde getrieben. Sie werden die Tribüne tragen. Bodengutachter überwachen die Arbeiten.

Baurechtliche Dinge sind das eine. Das „Stadionhandbuch – Anforderungen an Fußball- Stadien in baulicher, infrastruktureller, organisatorischer und betrieblicher Hinsicht“ des DFB das andere. Es schreibt für Drittliga- Arenen vor: „Das Stadion soll durch leistungsfähige Verkehrswege für den Individualverkehr erschlossen sein.“ „Der Größe des Stadions angemessene Parkplätze für Pkw und Busse mit ausreichenden Rückstauräumen sollen im Nahbereich vorhanden sein.“

Am Stadion an der Kaiserlinde gibt es kaum Parkmöglichkeiten. Die Gemeinde Spiesen- Elversberg spricht seit November 2012 mit dem Landesamt für Straßenwesen über die Verlegung des „Park & ride“-Parkplatzes gegenüber der Kaiserlinde an die Abfahrt der Autobahn 8. Das bestätigt Bürgermeister Reiner Pirrung der SZ. Die SVE hat Gelände vom Forst gekauft. Sie will entlang der Landstraße 112 in Richtung Friedrichsthal einen Rasenplatz und einen Parkplatz bauen – der könnte in Kooperation mit der Gemeinde entstehen.

40 Höhenmeter Differenz

Die Differenz zwischen A 8 und Stadion – also der für Park- und Sportplatz vorgesehene Raum – beträgt 40 Höhenmeter. Die Modellierung des Areals ist aufwendig. Die Parkplatz-Zufahrt würde gegenüber der A 8- Ausfahrt liegen. Ein Kreisel soll an dieser Stelle den Verkehrsfluss regulieren. Die Bauleitplanung für das Gebiet liegt bei der Gemeinde. „Was letztlich gebraucht wird, muss in einen Bebauungsplan. Wir planen noch. Danach können wir die rechtlichen Voraussetzungen schaffen“, sagt Pirrung.

Das betreffende Gelände neben der L 112 ist ein Landschaftsschutzgebiet. Das Umweltministerium teilt auf SZAnfrage mit, in einem solchen Gebiet sei grundsätzlich „die Errichtung baulicher Anlagen unzulässig“. Die zuständige Naturschutzbehörde könne „aber Ausnahmen im öffentlichen Interesse zulassen“. Außerdem werden in dem Areal Fledermäuse vermutet. Diese sind geschützt. Daher muss ein Gutachten für Klarheit sorgen. Es gibt also viele Herausforderungen, die ein Verein nach dem größten Erfolg seiner Geschichte meistern muss.


Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein