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Stadt: Jäger müssen auch Bachen schießen

Saarbrücken. Sie verwandeln liebevoll gestaltete Gärten in ein durchpflügtes Gelände. Sie vermehren sich und rücken den Menschen immer öfter auf die Pelle. Und sie werden immer schlauer, weil die Leitbachen ihre Lebenserfahrung an Rudel und Nachkommen weitergeben. Konnte man vor Jahrzehnten noch froh sein, ein Wildschwein in freier Wildbahn zu beobachten, sind sie in den vergangenen Jahren zu einer Plage geworden. Am Dienstag beschäftigte sich deshalb zunächst der Umweltausschuss des Stadtrates mit dem Schwarzkittelproblem, später waren Keiler, Bachen und Frischlinge beim Runden Tisch der SPD in Gersweiler ein Thema. Dort berichtete eine ältere Dame aus Gersweiler Unglaubliches – weil sie alleine lebt, möchte sie ihren Namen nicht nennen. Bei ihr hätte eine Wildsau nach Einbruch der Dunkelheit sogar den Kopf durch die Balkontür gesteckt und die Seniorin sehr erschreckt.


Paradiesische Zustände für Wildschweine

Wie Kreisjägermeister Heiner Kausch informiert, herrschen für die Tiere seit Jahren paradiesische Zustände. Buchen und Eichen trugen zuletzt reichlich Früchte, boten dem Wild somit natürliches Futter im Überfluss. Natürliche Feinde hätten sie kaum, sie zu jagen falle schwer. „Sie sind nachtaktiv“, sagt Kausch. Und weil Jäger nur abdrücken dürfen, wenn sie einen sicheren Schuss abgeben könnten, seien sie bei der Wildschweinjagd auf Vollmond angewiesen. Oder auf hellen Schnee, der auch nachts guten Kontrast beim Schuss auf das Schwarzwild biete. Das war zuletzt über Wochen der Fall. Ich wäre nicht überrascht, wenn rund um die Stadt in diesem Jahr 1000 Tiere erlegt würden.

“ Eine Treibjagd mache immer weniger Sinn. Denn die Tiere hätten gelernt, dass sie besser im Dickicht bleiben, wenn sie aufgescheucht werden sollen. Wie Jagdlehrer Roman Wüst berichtet, mögen es die Wildschweine auch, wenn sie verwilderte Grundstücke am Stadtrand entdecken, wo sie zwischen ihren Streifzügen durch die Gärten Unterschlupf finden. So wie am Bahndamm in Gersweiler.

„Werden Sie Jäger“
 

Während der Leiter der Forstabteilung im Saarbrücker Grünamt, Ralf Blechschmidt, meint, dass die Jäger umdenken müssten und nicht nur Frischlinge, sondern auch Bachen erlegen sollten, verteidigt Kreisjägermeister Kausch seine Kollegen: Es reiche aus, die Frischlinge zu schießen und somit die jüngste Generation der zeugungsfähigen Sauen aus dem Verkehr zu ziehen. Zumal vor allem die Leitbachen für das Rudel wichtig sind. „Sie regeln die Rauschsynchronisation“, begründet Kausch. Das heißt, dass alle Sauen im Rudel mit der Leitbache paarungsbereit würden. Die Tiere zu vergiften oder Hormone zu verfüttern, halten Blechschmitt und Kausch für nicht sinnvoll. In Berlin, wo es ein ähnliches Wildschweinproblem gibt, jagten inzwischen Stadtjäger die Schwarzkittel. In Saarbrücken gehe das nicht so einfach. Ordnungsamtschefin Sigrid Schneider meint zum Beispiel, dass die Jagd in „befriedetem Gelände“ verboten sei. Um das zu ändern, müsse das saarländische Jagdgesetz geändert werden. „Wenn die oberste Jagdbehörde zustimmt, darf geschossen werden“, meint dagegen Heiner Kausch.

Er bot in Gersweiler an, dass die Bürger Kontakt zu ihm aufnehmen sollen. Er würde die Situation im Einzelfall begutachten und wenn möglich, der Jagdaufsichtsbehörde den Abschuss empfehlen. Außerdem fordert er die Bürger auf: „Werden Sie Jäger.“ Etwa 3500 gebe es derzeit im Saarland, es könnten aber bis zu 7000 Begehungsscheine ausgestellt werden.

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