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Stadt Saarbrücken will Waffenbesitzer kontrollieren

Von SZ-Redakteur Frank Kohler

Saarbrücken. Ein Prozess bringt die Erinnerung an 16 Tote zurück: die Erinnerung an Winnenden und die Waffe, die der Todesschütze einfach von zuhause mitnehmen konnte. Und mit der er 15 Menschen erschoss, ehe er sich das Leben nahm. Der Vater des Todesschützen wird beschuldigt, Waffe und Munition nicht weggesperrt zu haben.

Nach dem Blutbad verschärfte der Bund das Waffengesetz. Es sieht strengere Aufbewahrungsregeln vor. Und verdachtsunabhängige Kontrollen, ob die Waffenbesitzer sich an diese Regeln halten. Jetzt bereiten sich die Behörden auf diese Kontrollen vor. Bei der Stadt Saarbrücken haben 3500 Männer und Frauen 12.000 Waffen bei der Gewerbe- und Polizeiabteilung gemeldet. Zwei Mitarbeiter betreuen das Waffen- und Jagdwesen sowie die Bereiche Sprengstoffe, Schießstätten, Wildschäden und Feuerwerke. „Jetzt muss dieses Personal eine Zusatzaufgabe erledigen“, sagt Stadtsprecher Thomas Blug. An Verstärkung ist angesichts des Saarbrücker Haushalts nicht zu denken, wie Jürgen Wohlfarth, Verwaltungsdezernent für Rechts- und Ordnungsangelegenheiten, sagt.

Er denkt gerade mit vielen Kollegen in Deutschland darüber nach, wie die Kontrollen aussehen. „Das Thema diskutieren wir immer wieder.“

Denn die Kontrolleure hätten keinen Anspruch darauf, in die Wohnungen gelassen zu werden. Derzeit seien die saarländischen Landkreise, die Mittelstädte und die Stadt Saarbrücken dabei, die Kontrollen vorzubereiten, Erfassungssysteme von Karteien auf Computer umzustellen, die Waffenbesitzer zu kontaktieren und sie auf die Möglichkeit verdachtsunabhängiger Kontrollen hinzuweisen. Das Gesetz sehe keineswegs unangemeldete Kontrollen vor, unterstreicht Wohlfarth. „Es spricht viel dafür, dass wir so etwas mit Anmeldung machen.“

Im Schloss haben die Experten des Regionalverbandes die ersten Schritte der Kontrollaktion hinter sich. Dazu Regionalverbandssprecher Stefan Kiefer: „Vier Personen beschäftigen sich bei uns mit Waffenrecht. Wir schreiben seit September alle Waffenbesitzer an. Wir verlangen den Kaufbeleg, aus dem die Art des Waffenschranks hervorgeht, und Fotos, die den Schrank und die vorgeschriebene getrennte Aufbewahrung der Munition und der Waffen dokumentieren.“ Kiefer zufolge haben beim Regionalverband 6000 Bürger etwa 10 000 Waffen registrieren lassen, meist Schützen, Jäger und Sammler „mit hohem Problembewusstsein“. „Der Rücklauf ist gut“, sagt Kiefer. Und ergänzt: „Es werden Waffen zurückgegeben, wenn etwa ein neuer Waffenschrank zu teuer würde.“ Etwa 50 Waffen seien abgeliefert worden. Die Briefaktion läuft nach Kiefers Worten bis Ende des Jahres. Und dann? „Dann gehen wir zunächst auf jene zu, die nicht geantwortet haben.“ Jürgen Wohlfahrt erinnert daran, dass das Hauptproblem nicht die zehn Millionen legalen Waffen in Deutschland seien. „Der Anteil legaler Waffen an der Kriminalität mit Schusswaffen beträgt nur vier Prozent.“ Der Rest geht demnach aufs Konto der 20 Millionen illegalen Waffen, die es Polizeischätzungen zufolge in Deutschland gibt.
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