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Stadtmitte: Der Tunnel erhitzt die Gemüter

Saarbrücken. Rena Wandel-Hoefer wirkte stellenweise genervt. Können die das nicht verstehen, oder wollen die das nicht verstehen?, schien der Blick der Baudezernentin zu fragen. Und prompt kam vom Vorsitzenden der FDP-Stadtratsfraktion, Friedhelm Fiedler, ein: „Sie brauchen gar nicht so das Gesicht zu verziehen!“ Denn auch Fiedlers ganze Rhetorik, Gestik und Mimik schienen zu sagen: Ich habe doch jetzt gesagt, was ich will. Wieso kapiert die das nicht. Während Fiedler nicht einmal bereit war, die Arbeit zu würdigen, die Wandel-Hoefer und ihr Team in den etwa 150 Seiten dicken „Stadtmitte-am- Fluss“-Statusbericht gesteckt haben, würdigten zumindest CDU und SPD diese Arbeit.

Das, was das Dezernat vorgelegt hat, sei eine gute Basis für eine offene Diskussion über das aktuell mit rund 370 Millionen Euro veranschlagte Projekt, lobte der baupolitische Sprecher der Stadtrats-SPD, Günther Karcher. „Die SPD verabschiedet sich nicht vom Projekt. Wir sind stolz, dass wir so ein Projekt haben“, sagte er. Man dürfe sich aber „jetzt nicht in eine zeitliche Hetze hineinbegeben“. Erst soll abgewartet werden, wie die Europäische Union über den 1800 Seiten umfassenden Großprojektantrag entscheidet. Das ist auch die Linie der CDU. Deren baupolitischer Sprecher, Herrmann Hoffmann, will eine „klare Kosten-Nutzen-Analyse“, sobald klar ist, wie viel Zuschüsse fließen. Er befürchtet: „Nichtstun würde den weiteren wirtschaftlichen Abstieg bedeuten.“ So argumentierte auch die Baudezernentin.

Der Tunnel, mit 186 Millionen Euro teuerster Teil des Projekts, reduziere den Lärm in der Innenstadt um die Hälfte. Dadurch könne das Saarufer attraktive Wohnfläche werden. Der Tunnel vermindere die Stau- und Unfallgefahr. Er schaffe neue Freiräume. Die Stadt werde attraktiver, was wiederum dem Einzelhandel nutze und dazu beitrage „hochqualifizierte und kreative Köpfe“ in Saarbrücken zu halten, ja sogar anzulocken. Die Kosten seien stabil. Ein Verkehrschaos während der Bauzeit werde es nicht geben. Der Landtag werde nicht, wie von Projektkritikern behauptet, über dem Tunnel zusammenbrechen, versicherte Rena Wandel-Hoefer. Linke, Grüne, FDP, Freie Wähler und NPD sind gestern mehr oder weniger deutlich auf Distanz zum Tunnel gegangen. Die Linke könne sich „nicht vorstellen einem solchen Projekt zustimmen“, weil dann wohl viel anderes liegenbleibe, sagte deren Fraktionsvorsitzender Rolf Linsler. Die Grünen sehen im Tunnel keine Möglichkeit, den Verkehr generell zu reduzieren und lehnen ihn deshalb ab. Der FDP reicht es, die „Saarufer aufzumöbeln“. Den Vorschlag der Grünen, schon mal anzufangen und Tempo 80 einzuführen, will die Stadtverwaltung mit dem Verkehrsministerium verhandeln.  Martin Rolshausen 

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