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Stadtmitte: Warum Saarbrücker Architekten am Tunnel festhalten

Die Saarbrücker Stadtautobahn A 620.

Die Saarbrücker Stadtautobahn A 620.

Nein, eine Prognose will keiner abgeben. Dabei sind sie sich ja eigentlich einig, der neue und der alte Vorstand des Saarbrücker Städtebaubeirats. „Der Tunnel ist eine zwingende Notwendigkeit für diese Stadt“, sagt Henning Freese, bis vor wenigen Wochen Schriftführer. Marlen Dittmann, die ehemalige Vorsitzende, Luca Kist, ihr Nachfolger und Igor Torres, der neue Schriftführer, nicken zustimmend. Aber ob er auch wirklich kommt? Elf Jahre ist es her, seit der Beirat vorgeschlagen hatte, die Stadtautobahn in einem Tunnel verschwinden zu lassen. Es war das wohl prominenteste Teilprojekt der „Stadtmitte am Fluss“. Doch während die neu gestaltete Berliner Promenade bereits fertig ist und die Planungen zum Umbau des Osthafens zumindest langsame Fortschritte machen, scheint der Tunnel ferner denn je. Zu teuer, zu kompliziert. Zu unsicher jedenfalls für eine zutreffende Prognose.

Aufgeben will der Beirat, in dem außerdem die Architekten Stefan Krüger als stellvertretender Schriftführer und Jens Stahnke als stellvertretender Vorsitzender sitzen, den Tunnel aber nicht. „Schon Georges-Henri Pingusson und Gottfried Böhm hatten einen Tunnel geplant. Es hat sich immer gezeigt, dass es keine Alternative gibt“, sagt Dittmann.

Dabei würde es dem Beirat, 1991 auf Betreiben des damaligen Baudezernenten Horst Wagner gegründet, aber nicht gerecht, ihn auf den Tunnel zu reduzieren. „Die Berliner Promenade ist eben nur ein Teilprojekt. Es geht auch um mehr als die Stadtmitte am Fluss“, sagt Kist. Nur die Landeshauptstadt habe die nötige Strahlkraft, nicht nur Kern des Saarlandes, sondern der gesamten Region zu werden. „Ich glaube nicht, dass durch eine florierende Stadt St. Wendel die Fernzugverbindung aufrecht erhalten wird. Aber wir bekommen hochkarätige Wissenschaftler nicht ins Land, wenn die Infrastruktur fehlt. Die Notwendigkeit zur Veränderung ist da“, sagt Torres. Saarbrücken müsse städtebaulich ein neues Selbstbewusstsein entwickeln, schließlich gebe es in der Großregion ein Potenzial von fünf Millionen Einwohnern. „Aber wenn das Zentrum nicht funktioniert, funktioniert der Rest auch nicht“, sagt Freese.

Und deshalb gehe es darum, die knappen städtischen Mittel gezielt zu investieren. „Die Zeit der Großprojekte ebbt ab. Und wenn, werden solche Projekte nicht mehr von der Stadt gemacht“, sagt Torres. Ohnehin sind die Möglichkeiten des Beirats begrenzt. Beschlüsse fassen kann er nicht, sondern nur Empfehlungen aussprechen. Was die Politik damit anfängt, liegt in deren Ermessen. „Vielleicht müssen wir sozusagen einen Präzedenzfall schaffen, indem wir selbst ein Thema platzieren. Unsere Befugnisse sind eben sehr eingeschränkt“, sagt Kist. Gerade deshalb müsse der Beirat seine Ideen wieder verstärkt in die Diskussionen einbringen. „Wir müssen grundsätzlich für Städtebau sensibilisieren. Deshalb planen wir zum Beispiel, eine Sitzung pro Jahr öffentlich abzuhalten“, sagt Torres.
Dabei könnte ausgerechnet die Partnerstadt Nantes zum Vorbild gereichen. Die hatte vor wenigen Jahren mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. Doch Nantes habe den Wandel geschafft, sagt Torres: „Die haben 100 000 Einwohner dazugewonnen. Nantes hat Saarbrücken abgehängt.“
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