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Stadtpolitik streitet um die Zukunft des Filmfestivals"Max Ophüls Preis"

Die Haie schwimmen zwar in Herzform, dennoch: Der Goldfisch in ihrer Mitte will man nicht sein, sagt Albrecht Stuby. Für ihn ist aber eh klar, wer das ist: Mit „Bandel“ hat er den Goldfisch auf einem der Plakate, die für das 37. Saarbrücker Filmfestival „ Max Ophüls Preis“ warben, beschriftet. Stuby, der das Festival einst ins Leben gerufen hat, meint damit Gabriella Bandel, langjährige Leiterin des Festivals. Und auch den Haien hat er Namen gegeben: „Britz, Brück, Bauer, Latz, Etat“.

Oberbürgermeisterin Charlotte Britz ( SPD ), Kulturdezernent Thomas Brück (Grüne), Finanzdezernent Ralf Latz ( SPD ) und der Vorsitzende der SPD-Stadtratsfraktion, Peter Bauer, sind für ihn die Haie , die eine Frau, die „Gold wert ist für Saarbrücken “, auf unschöne Art aus dem Amt gedrängt haben. Das sehen einige Freunde des Festivals so. Der ein oder andere hat sich während des Festivals öffentlich geäußert, andere haben die Oberbürgermeisterin bei der Preisverleihung ausgepfiffen.

Die betont zwar, dass sie zum Festival steht und es „in gewohnt hoher Qualität“ weiter stattfinden wird. Daran melden aber nicht nur Kulturmacher Zweifel an. Die Debatte hat den Stadtrat erreicht. Stadtverordnete von FDP , AfD und Alfa äußerten sich skeptisch – auch deshalb, weil die Festivalleiterstelle nicht öffentlich ausgeschrieben werden soll, sondern eine Auswahlkommission die Nachfolge von Bandel regeln soll.

Die CDU glaubt der Stadtverwaltung schlichtweg nicht, dass sie es Ernst meint mit ihren großen Worten. Elke Masurek, die kulturpolitische Sprecherin der CDU-Stadtratsfraktion, die auch im Ophüls-Aufsichtsrat sitzt, vermisst nicht nur „objektive Auswahlkriterien“. Sie glaubt auch nicht an die Geschichte von der „einvernehmlichen Entscheidung“. „Hätte sich Gabriella Bandel, wie es uns dargestellt worden war, wirklich aus eigenem Wunsch von der Festivalleitung zurückziehen wollen und uns einen geeigneten Nachfolger benannt, hätte man womöglich einen Kandidaten für einen bruchlosen Übergang in der künstlerischen Leitung gehabt“, sagt sie.

Es sei anders gekommen: Die Stadtverwaltung habe Bandels „Kompetenz verschleudert“. Aus der dem Aufsichtsrat zugesagten Findungs- sei eine Auswahlkommission geworden, „die wohl nur noch den Kandidaten abnicken soll, den die Verwaltung vorschlägt“. Aus der Erfolgsgeschichte Max-Ophüls-Preis drohe eine „Provinzposse“ zu werden. Sascha Zehner, ebenfalls Mitglied im Kulturausschuss und im Ophüls-Aufsichtsrat, wundert außerdem, dass die Findungskommission „bis heute kein einziges Mal getagt“ habe. Dabei solle die neue Festivalleitung bereits in einem Monat feststehen.

Die kulturpolitischen Sprecherinnen von SPD und Grünen, Elisabeth Potyka und Britta Planz, sowie die Vorsitzende der Linkenfraktion im Stadtrat, Claudia Kohde-Kilsch , finden es dagegen „ärgerlich“, dass nun versucht werde, „die Fragen der Leitung und der Zukunft des Festivals zu skandalisieren“. Das schade dem Festival. Die Kritik sei nicht angemessen, weil man schließlich trotz Haushaltsnotlage beschlossen habe, das Festival „bis mindestens 2020 zu sichern“. Bandel sei „auf ihren eigenen Vorschlag“ hin gegangen.

Das Verfahren, die Stelle ohne öffentliche Ausschreibung zu besetzen, sei „im Kulturbereich nicht unüblich“. Man arbeite mit Experten zusammen, und „bei der Besetzung“ zähle „allein die fachliche Kompetenz“.

 

Meinung:
 

Der Goldfisch ist entkommen

Von SZ-RedakteurMartin Rolshausen

Gabriella Bandel schweigt – und das ziemlich laut. Wer wissen will, warum sie zugestimmt, ja sich sogar gewünscht hat, nach dem Festival, das vor einigen Tagen zu Ende ging, als Festivalleiterin aufzuhören, braucht sich nur in der Filmszene umzuhören.

Dort wird er hören, dass es eben nicht reicht, in Zeiten steigender Preise einen Etat stabil zu halten. Dort wird er hören, dass zumindest einige der Stadtoberen der Meinung sind, dass das Festival „ein Selbstläufer“ ist, man auf eine erfahrene und gut vernetzte Leiterin also verzichten kann. Zumal dann, wenn diese Frau ernsthaft diskutieren will über Qualität und Strategie und politische Einflussnahme zu ignorieren versucht, anstatt „jawohl, Frau Oberbürgermeisterin“ und „jawohl, Herr Kulturdezernent“ zu sagen.

Auch wenn es der rot-rot-grünen Stadtratsmehrheit nicht passt: Ihre Parteifreunde in den Chefzimmern des Rathauses haben sich in Sachen Filmfestival nicht mit Ruhm bekleckert. Sie haben einen reibungslosen Wechsel in der Festivalleitung durch kulturpolitische und menschliche Inkompetenz versemmelt.

Man muss sich keine Sorgen um Gabriella Bandel machen. Die findet in der Branche schnell einen neuen Job. Man muss sich Sorgen um den Zustand der Stadtpolitik machen.
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