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Stalking: Per Selbsthilfe-Gruppe gegen den Psychoterror

Saarlouis. Ein Café in der Saarlouiser Altstadt, mitten in der Woche. Die Lichter brennen hell, es ist wenig los. In einer Ecke sitzt eine kleine Gruppe, die sich ausgelassen unterhält. Ihr Thema: Psychoterror. Die fünf Frauen und Männer sind Mitglieder einer Stalking-Selbsthilfegruppe – der einzigen im ganzen Saarland.

Lange Nachwirkung

„Durch die Gruppe bin ich nicht alleine“, sagt Gabi Körner (Namen von der Redaktion geändert). „Sie hat mir dabei geholfen, wieder nach draußen zu gehen und die Isolation aufzubrechen.“ Jahrelang mied sie die Öffentlichkeit, blieb Festen und bestimmten Orten fern – aus Angst, ihrem Stalker wieder zu begegnen. „Die psychischen Probleme bleiben sehr lange. Mein Stalkingfall liegt sieben Jahre zurück“, erzählt sie. Damals klingelte es immer wieder nachts an ihrer Tür, am Auto klebten Zettel, Luft wurde aus den Reifen gelassen. „Vor eineinhalb Jahren hatte ich einen Flashback. Da habe ich gemerkt, dass ich es nicht verarbeitet, sondern nur verdrängt hatte.“ Hier setzt die Gruppe an. „Zusammen können wir besser mit den Problemen umgehen“, sagt Gruppenleiterin Martina Schäfer. „Wir haben unterschiedliche Erfahrungen gemacht und können uns gegenseitig helfen.“

Oft kommen Stalker aus dem persönlichen Umfeld des Opfers – Ex-Partner oder gute Bekannte, die zurückgewiesen wurden. „Die schrecken auch nicht davor zurück, sich an die Eltern oder Kinder des Opfers zu wenden, um sie für sich zu gewinnen“, sagt Sabine Scherer. „Sie kennen die eigenen Gewohnheiten, Freunde und den Arbeitsplatz.“

Das macht die Situation für die Betroffenen besonders schwer. Für das Umfeld wirken die Probleme wie ein gewöhnlicher Beziehungsstreit. „Die Opfer bekommen dann zu hören, dass da immer zwei dazu gehören“, sagt Scherer, „Von zehn Leuten, denken acht, dass du nicht ganz klar bist.“ Deshalb ist es wichtig, dass Betroffene Gesprächspartner finden, die sie ernst nehmen. „Die erste Hilfe ist immer der menschliche Beistand – zuhören“, sagt Matthias Heinrich von der Opferschutzorganisation Weißer Ring. „Die wenigsten Stalker wenden Gewalt an, sondern Psychoterror“, erklärt er. Damit nach außen zu treten ist schwer.

Nicht verstecken!

„Die Scham ist riesengroß“, bestätigt Körner: „Wenn man zugibt, Opfer zu sein, wird sie noch größer. Also versteckt man sich.“ Der falsche Weg, das wissen die Betroffenen in der Gruppe. „Das Thema Stalking muss immer wieder öffentlich angesprochen werden“, sagt Schäfer. Das sieht auch Opferschützer Heinrich so: „Es ist besonders wichtig den Betroffenen klar zu machen: Du bist nicht allein!“

AUF EINEN BLICK

Die Selbsthilfegruppe für Stalkingopfer trifft sich einmal monatlich an verschiedenen Orten im Saarland. Kontakt: KISS-Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe im Saarland, Telefon (06 81) 9 60 21 30, oder über den Weißen Ring, Landesbüro, Telefon (06 81) 6 73 19.

Für Opfer von Kriminalität und Gewalt betreibt der Weiße Ring ein bundesweites, kostenfreies Opfertelefon, von sieben bis 22 Uhr erreichbar unter 11 60 06. ssch

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