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Standort Ensdorf in Gefahr: RWE-Kraftwerk steht auf der Kippe

Dem RWE-Block im Kraftwerk-Park Ensdorf droht möglicherweise das Aus.

Dem RWE-Block im Kraftwerk-Park Ensdorf droht möglicherweise das Aus.

Eine große Revision für das RWE-Kraftwerk in Ensdorf ist verschoben worden. Es soll womöglich in Kaltreserve gestellt werden. Die Gewerkschaft Verdi befürchtet das Aus für das Kraftwerk.

Ensdorf. Ob der Block III des Kraftwerks Ensdorf demnächst endgültig vom Netz genommen wird, steht derzeit auf Messers Schneide. Diesen Block betreibt der saarländische Energieversorger VSE im Auftrag des Energiekonzerns RWE Power. Er sollte in diesen Wochen einer großen Revision unterzogen werden. „Diese Revision ist verschoben worden“, bestätigt Kraftwerksdirektor Hans-Hermann Michaelis auf Anfrage unserer Zeitung. Derzeit werde geprüft, ob es Sinn mache, das Kraftwerk in Kaltreserve zu stellen, sagt Michaelis. In den vergangenen drei Wochen stand das Kraftwerk still, zurzeit wird es wieder stundenweise betrieben. Die Revision muss bis zum Herbst erfolgen.

Der Kraftwerks-Block von RWE Power mit einer Leistung von 320 Megawatt (MW) stammt aus dem Jahr 1972, das Nachbarkraftwerk der VSE (120 MW) ist 1963 ans Netz gegangen. In beide Stromfabriken wurde allerdings immer wieder investiert.

Verdi kündigt Widerstand an

Die Unsicherheit über den Fortbestand des Ensdorfer Kraftwerks hat inzwischen die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi auf den Plan gerufen. „Vom Kraftwerk-Standort Ensdorf hängen mehr als 120 Arbeitsplätze direkt ab“, listet Verdi auf. Auf der Lieferantenseite kämen nochmals 380 Arbeitsplätze dazu. „Die industriepolitische Bedeutung für das Saarland ist gar nicht abschätzbar“, sagt Michael Blug, der bei Verdi Saar für den Kraftwerks-Bereich zuständig ist. Das Land müsse schmerzlich den Abbau von vielen tausend Arbeitsplätzen im Bergbau und in der Energiewirtschaft hinnehmen. „Wir werden die Schließung des Kraftwerks nicht tatenlos hinnehmen“, droht Verdi-Landeschef Alfred Staudt. „Die Landesregierung muss sich dafür einsetzen, dass die bestehenden Anlagen erhalten bleiben und am Standort Ensdorf ein neues Kraftwerk gebaut wird“, fordert er.

Revision ist verschoben

Insider sagen, dass die Rentabilität des Ensdorfer Blocks III schon seit längerem bescheiden ist. Die Situation habe sich verschärft, weil die Strompreise derzeit günstig sind, doch der Preis für Kraftwerkskohle von 60 auf 100 Euro pro Tonne angestiegen ist. Bei RWE Power überlege man sich, ob die Revision, die bis zu fünf Millionen Euro kostet, vor diesem Hintergrund noch sinnvoll ist.

Außerdem verfüge RWE Power wegen des Kraftwerks über ein Volumen an CO&-2;-Zertifikaten, für die der Konzern nach derzeitigen Marktpreisen bis zu zwölf Millionen Euro erzielen könne. Zuletzt wurde im Jahr 2003 Geld in das RWE-Kraftwerk gesteckt. Darüber hinaus könne RWE seinen regionalen Strombedarf über den Evonik-Block Weiher III (700 MW) in Göttelborn decken, sagen Experten. Dort werde Strom ausschließlich für RWE produziert.

Meinung


Jetzt rächt sich im Saarland, dass die Energiedebatte in Deutschland auf Eis liegt und den Menschen vorgegaukelt wird, dass man in absehbarer Zeit die Stromversorgung mit Windrädern, Fotovoltaik-Anlagen und Biomasse sichern kann. Ein Industriestandort wie das Saarland benötigt noch über Jahrzehnte Kraftwerke, die aus Kohle oder Gas Strom erzeugen. Allein um die Stromproduktion des jetzt gefährdeten Ensdorfer Blocks III mit Windenergie zu kompensieren, sind 160 Windräder á zwei MW Leistung vonnöten. Wo sie die hinstellen will, muss Umweltministerin Simone Peter (Grüne) mal erklären. Einen Trost gibt es: Wenn der Block ausfällt, wird wenigstens die Luft sauberer – für die Beschäftigten ein schwacher Trost.
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