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Standort: Viele Studenten der HTW wollen Saarbrücken nicht verlassen

Das renovierte HTW-Hochhaus steht seit eineinhalb Jahren leer.

Das renovierte HTW-Hochhaus steht seit eineinhalb Jahren leer.

Die Architekturstudenten der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) sind sauer. Zwar ist nun ein neues Brandschutzkonzept für den Bezug des kernsanierten Hochhauses in Alt-Saarbrücken im Gespräch, doch die Hochschulleitung hält weiter an ihrem Notfall-Fahrplan fest. Der sieht vor, dass der Fachbereich Architektur ab kommendem Wintersemester am Campus Göttelborn unterkommt. Die meisten der rund 300 Architekturstudenten sehen darin keine Vorteile. Sie wollen in Saarbrücken bleiben. „Für mich wäre ein Standortwechsel nach Göttelborn ein K.o.-Kriterium. Wenn das so kommt, werde ich mir überlegen in Kaiserslautern oder Trier weiterzustudieren“, sagt die 29-Jährige Architekturstudentin Angelika Zeising.

Sie bezeichnet die Verkehrsanbindung nach Göttelborn als unzureichend: „Der tägliche Weg dorthin würde unheimlich viel Zeit in Anspruch nehmen und nicht jeder kann sich ein Auto leisten.“ Architekturstudent Jan-Markus Daniel hält die derzeitige Situation für unzumutbar. „Seit zwei Jahren gibt es dieses Hin und Her. Alle sind verunsichert. Sollte es zum Umzug kommen, werde ich mir überlegen, ob ich die Hochschule wechsle.“

Sein Kommilitone Davut Dogan würde ebenfalls lieber in Saarbrücken bleiben, obwohl er ein Auto hat und der Weg für den Sulzbacher fast der gleiche wäre. „Das studentische Leben wäre in Göttelborn ein ganz anderes und lange nicht so attraktiv.“ Seine Kommilitonin Katharina Funk sieht im Standort Göttelborn bestenfalls eine Notlösung. Die 21-Jährige Blieskastelerin ist gerade erst nach Saarbrücken gezogen, um nicht mehr pendeln zu müssen. Sie arbeitet neben dem Studium in einem Saarbrücker Architekturbüro. „Ich bin durch das Studium und den Job schon genug eingebunden, durch zusätzliche Wege würde mir noch mehr Zeit geraubt.“

Für die Masterstudentin Annika André wäre ein Umzug ins ländliche Göttelborn ein Widerspruch in sich: „Wir Architekten sind doch diejenigen, die Städte entwerfen – wie kann man uns dann aus der Stadt rausziehen wollen?“

Auch die rund 800 Sozial- und Pflegewissenschaftler, die derzeit auf die HTW-Standorte am Rastpfuhl und in Alt-Saarbrücken verteilt sind, sorgen sich um ihre Zukunft. Da der Mietvertrag mit der Caritas über die Räume am Rastpfuhl ausläuft, sollen sie nach St. Ingbert in das Karlsberg-Gebäude und die Ludwigschule umziehen. Natalie Papke-Hirsch studiert im dritten Semester Soziale Arbeit. Solange die Qualität der Lehre nicht leidet, sei es ihr egal, ob sie am jetzigen Standort oder künftig im Hochhaus bleibt. Doch ein Umzug an einen Standort außerhalb von Saarbrücken hält sie für problematisch. „Uns sagt man jetzt schon seit anderthalb Jahren, dass wir umziehen. Wie sollen wir unser Leben um unser Studium herumplanen, wenn wir nicht wissen, wo wir studieren werden?“ Die Studentin befürchtet, dass die Reputation ihres Studiengangs unter einem Umzug leiden würde. „Auch bei unseren Kooperationspartnern, von denen wir die Drittmittel für unsere Forschung bekommen, könnte unser Ruf darunterleiden.“

Von der Familienfreundlichkeit, mit der die Hochschule werbe, sieht die Studentin und dreifache Mutter Stephanie Schanno schon am jetzigen Standort nicht viel. „Sein Studium mit drei Kindern zu schaffen ist schon anstrengend genug. Ein Umzug nach St. Ingbert würde meine Situation noch weiter erschweren.“ Das sieht die alleinerziehende Mutter Anna Karhan genauso. Für sie würde der zusätzliche Zeitaufwand im schlimmsten Fall sogar ihr Studium unmöglich machen. „Mein Sohn steht definitiv an erster Stelle. Hätte ich vorher von dem Umzug gewusst, hätte ich mich wohl nicht für dieses Studium entschieden.“

Für Kathrin Schmidt ist ein barrierefreier Zugang zu allen Räumen am Wichtigsten. Sie kann keine Treppen steigen. „Ich war extra in St. Ingbert und habe mir die Gebäude dort angesehen. Für mich und unsere Rollstuhlfahrer sind die Räume dort eine Katastrophe. Es gibt dort keine Aufzüge für uns“, sagt die Studentin im ersten Semester.
 
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